In Italien verstärkt sich vor dem Hintergrund des Finanzkollapses die Debatte über die Notwendigkeit eines von LaRouche immer wieder geforderten neuen "Bretton Woods". In diesem Zusammenhang werden Fragen wie Protektionismus vs. Freihandel, Regulierung vs. Deregulierung, Maastricht, und die Notwendigkeit eines "New Deal" mit ein. Hier einige Höhepunkte der Debatte:
1) In einem Interview mit der Zeitung „Il Riformista“ (Demokratische Partei) verlangte Fausto Bertinotti, der Hauptkandidat der linken Regenbogenkoalition und derzeit Vorsitzender des Unterhauses, man solle das Thema "Neues Bretton Wods" nicht von der italienischen Rechten monopolisieren lassen, denn das sei "ein vernünftiger Vorschlag". Er kenne mindestens zehn Ökonomen der Linken, die seit Jahren das selbe sagen wie Tremonti, doch bisher nie Gehör gefunden hätten. Bertinotti erinnerte auch daran, daß der französische Staatschef Chirac als erster die Finanzspekulation als „Krebsgeschwür für die Demokratie“ bezeichnete.
2) Tremonti selbst gab der Tageszeitung Il Messaggero ein Interview, in dem es um den Finanzkollaps ging. Darin wiederholte er: „Dies ist einen weltweite Krise und desswegen kann die Lösung auch nur eine weltweite sein. Technische Maßnahmen reichen nicht, jetzt wird Politik benötigt. Mit dem 1944 unterzeichneten Bretton Woods Abkommen schuf Roosevelt die Basis für eine neue Weltordnung und heute müssen wir wieder von diesem Punkt aus neu starten.“
3) Guido Rossi, ehemals Chef des Börsen-Aufsichtsrates (Consop), wies in einem Interview gegenüber La Republicca darauf hin, die gegenwärtige Krise habe begonnen, als 1999 der "Glass-Steagall Act“ abgeschafft wurde. [Dieser hatte unter Franklin D. Roosevelt 1933 eine Feuerwand zwischen normalen und Investment Banken errichtet. Damals war eine strikte Trennung zwischen Banken-, Versicherungs- und Wertpapiergeschäften eingeführt worden. Zusammen mit anderen Regulierungsmaßnahmen sollte diese Trennung dafür sorgen, dass nicht noch einmal das Platzen spekulativer Blasen die ganze Wirtschaft in eine Abwärtsspirale zieht.]
4) Der linke Ökonom Paolo Leon wurde in den Tageszeitungen Il Giorno (Milan), Resto del Carlino (Bologna) und La Nazione (Florenz) zitiert, dies werde "ein Blutbad“. Er fordert ein System von Kapitalkontrollen und ein öffentliches Investitionsprogram. Laut Leon ist das Problem, daß sich Europa in einem „Vacuum der Gesetzgebung“ befindet. Die EZB, die die Währungshoheit hat, kann keine Kredite vergeben, während die Regierungen an den Maastrichter Vertrag gebunden sind und somit ihrerseits auch nicht handeln dürfen.
5) Der Ökonom Renato Brunetta, aus Tremontis eigener Partei und Berater Berlusconis attackierte hingegen Tremonti in Il Tempo und sagte, Tremonti "philosophiere nur". Er behauptete: "Die U.S. Subprime Krise ist ein historischer Irrtum", von dem Europa nicht betroffen sei. Brunetta verteidigt die Derivatspekulation, dies seien „legitime Instrumente, um in die Märkte zu investieren.“
6) Die Zeitung Corriere della Sera beschreibt zwei Fraktionen. Die eine meine, daß man jetzt mit einem zweiten 1929 konfrontiert sei, und die andere lehne diese Sicht ab. Als Hauptsprecher der letzteren Fraktion wird Alberto Giovannini angeführt. Dieser spielte eine Rolle bei dem damaligen Kollaps des Hedgefonds LTCM und hat bei der EU mit Geldmarktfragen zu tun. Laut Giovannini sei diese Krise nur "etwas schlimmer ist als der Sturm der 90er Jahre". Ein weiterer Vertreter diese Fraktion, Alberto Alesina, der sich ansonsten einen Namen damit gemacht hat, daß er das Auseinanderbrechen von Nationen (vor allem Belgien) befürwortet, spricht sich für Bernankes Geldpumperei aus.
7) Die neokonservative Zeitung Il Foglio attackiert Tremonti: „Wir reden hier über Zölle, ein Bretton Woods und Maßnahmen gegen unfairen Wettbewerb, alles Dinge, die die Nationalstaten nicht mehr angeht.“