Obwohl der Lissaboner Vertrag bereits vom französischen Parlament ratifiziert wurde, haben die spontan formierten „Bürger Europas Gegen das Illegitime Regime" (CECRI) am 16. März in verschiedenen Teilen des Landes insgesamt acht Demonstrationen gegen den Vertrag veranstaltet – in Aix-en-Provence, Lyon, Paris, Montpellier, Nancy, Nantes, Rennes, Trets und sogar in Saint Denis de la Reunion im indischen Ozean.
Die Initiative ging von Etienne Chouard aus, einem privaten Bürger und Gymnasiallehrer in Marseille, der in der vergangenen Woche einen entsprechenden Aufruf auf seiner Internetseite gepostet hatte. (Den Text dieses Aufrufs haben wir nebenstehend abgedruckt.) Chouard hatte bereits vor drei Jahren bei der französischen Ablehnung des EU-Verfassungsvertrages per Volksabstimmung eine wichtige Rolle gespielt. Damals zirkulierte seine Kritik am Text der Verfassung im Internet, und seine Internetseite wurde in den Wochen vor der Abstimmung mehr als eine Million Mal besucht. Währenddessen wuchs der Anteil der „Nein"-Stimmen in den Umfragen von 40 auf 55% an.
In seinem neuen Manifest ruft Chouard die Bürger auf, sich gegen das „illegitime Regime" der EU zu wehren, wie dies 1989 die Ostdeutschen gegenüber der Honecker-Diktatur getan hatten, als sie jede Woche montags demonstrierten, bis das ganze Volk sich anschloß und die Mauer fiel. Nun sind für jeden Mittwoch Demonstrationen in immer mehr Städten Frankreichs vorgesehen. (Auch in Deutschland organisiert eine Bürgerinitiative Mittwochsdemonstrationen gegen den Lissabon-Vertrag, die bisher in Berlin und Essen stattfinden.)