Nach erheblichen Spannungen in ihren Beziehungen infolge des tödlichen Grenzkonflikts von 2024 trafen sich die Führer Indiens und Chinas am Rande des Gipfeltreffens der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit am 31.8.25 in Tianjin. Berichten zufolge dauerte das Treffen etwa 55 Minuten. Zu Beginn hielten sie kurze Eröffnungsreden. Präsident Xi Jinping als Gastgeber begann mit den Worten: „China und Indien sind zwei alte Zivilisationen im Osten. Wir sind die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt und wichtige Mitglieder des Globalen Südens. Wir tragen beide die historische Verantwortung, das Wohlergehen unserer beiden Völker zu verbessern, die Solidarität und Erneuerung der Entwicklungsländer zu fördern und den Fortschritt der menschlichen Gesellschaft voranzutreiben. Es ist die richtige Entscheidung für beide Länder, Freunde mit guten nachbarschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu sein – Partner, die sich gegenseitig zum Erfolg verhelfen –, so dass der Drache und der Elefant zusammen tanzen.“
Modi begann seine Rede: „Letztes Jahr hatten wir in Kasan ein sehr bedeutungsvolles Gespräch, das unseren Beziehungen eine positive Richtung gegeben hat. Nach dem Rückzug an der Grenze wurde eine Atmosphäre des Friedens und der Stabilität geschaffen. Unsere Sonderbeauftragten haben eine Einigung über das Grenzmanagement erzielt. Die Kailash Mansarovar Yatra [Tibet-Pilgerfahrt] wurde wieder aufgenommen, und es beginnen wieder Direktflüge zwischen den beiden Ländern. Die Zusammenarbeit betrifft die Interessen von 2,8 Milliarden Menschen unserer beiden Nationen. Das wird auch den Weg für das Wohlergehen der gesamten Menschheit ebnen. Wir sind entschlossen, unsere Beziehungen auf der Grundlage von gegenseitigem Vertrauen, Respekt und Sensibilität weiter zu stärken.“
Die offiziellen Zusammenfassungen des Treffens lauten ähnlich, in beiden wird betont, dass beide Seiten sich bemühen sollten, zum Wohle aller zusammenzuarbeiten. In der chinesischen Zusammenfassung wird Xi zitiert, China und Indien seien füreinander eher Entwicklungschancen als Bedrohungen. Solange beide an dieser übergeordneten Ausrichtung festhalten, würden sich andere Fragen in ihren Beziehungen von selbst klären und es werde darin zu stetigen und nachhaltigen Fortschritten kommen. Sie sollten nicht zulassen, dass die Grenzfrage die gesamten Beziehungen zwischen China und Indien überschattet, so Xi.
In der indischen Erklärung wird betont, dass Modi und Xi die „positive Dynamik und die stetigen Fortschritte“ in den bilateralen Beziehungen seit ihrem letzten Treffen begrüßten und „bekräftigten, dass die beiden Länder Entwicklungspartner und keine Rivalen seien und dass ihre Differenzen nicht zu Streitigkeiten führen sollten“. Die Zusammenarbeit zwischen Indien und China mit ihren 2,8 Milliarden Einwohnern sei für das Wachstum und die Entwicklung beider Länder ebenso wie für eine multipolare Welt notwendig. Modi „unterstrich die Bedeutung von Frieden und Ruhe in den Grenzgebieten“, und beide „haben mit Zufriedenheit die erfolgreiche Entflechtung im letzten Jahr und die seitdem aufrechterhaltene Ruhe und Frieden entlang der Grenzgebiete zur Kenntnis genommen“.
Modi lud Xi zum BRICS-Gipfel in Indien 2026 ein. Xi dankte Modi für die Einladung und bot Indiens BRICS-Präsidentschaft Chinas Unterstützung an.
Die chinesische Mitteilung zitiert Modi, die Zusammenarbeit zwischen Indien und China werde das 21. Jahrhundert zu einem echten „Asiatischen Jahrhundert“ machen.
Quelle: eirna.de