Derivate – Todesviren des Finanzsystems

12.10.2008
Derivate – Todesviren des Finanzsystems admin 12.10.2008

Die Billiarden an ausstehenden Derivatkontrakten beschleunigen den internationalen Finanzkollaps. Das ist der Grund, warum bisher alle sogenannten Hilfs- und Rettungspackete, ob von Paulson, der EU, den G7 Staaten oder Steinbrück, nichts gefruchtet haben und auch nicht konnten. Die Berechtigung für die von Lyndon LaRouche schon seit langem erhobene Forderung, nach der Derivaten verboten und bestehende Verträge für null und nichtig erklärt werden müssen, bestätigt sich jeden Tag mehr. Die britische Presse, unter anderm die London Times und der Guardian, haben jetzt begonnen, Einzelheiten der Problematik aufzuzeigen.

So müssen die Verkäufer von Credit-Default Swaps (CDS – einer Art Kreditversicherung) jetzt binnen zwei Wochen für alle Anleihen der insolventen Investmentbank Lehman Brothers mehr als 91 Cent für jeden „versicherten" Dollar auszahlen. In diesem vollkommen unregulierten und undurchsichtigen Markt weiß niemand, wer wem wieviel „versichert" hat. Schätzungen bewegen sich zwischen 200
und 600 Milliarden Dollar. Die Summe der betroffenen Kreditderivate ist auf jeden Fall sehr viel größer als die Summe aller Lehmann-Anleihen, da diese Art von Swaps längst rein spekulativ ge- und verkauft werden. Und deshalb geht jetzt die Furcht vor einer Kettenreaktion der Zahlungsunfähigkeit um.

Einer der größten Herausgeber von CDS war der amerikanische Versicherungskonzern AIG, den US-Finanzminister Paulson mit inzwischen 123 Mrd. Dollar öffentlicher Gelder vor der Pleite zu bewahren sucht. Zwei andere Adressen sind die britischen Banken Barclays und die Royal Bank of Scotland,
die gerade von Premierminister Brown teilverstaatlicht wurden. Beide zusammen müssen für 2,4 Billionen Pfund Sterling an Kreditderivaten geradestehen, bei Einlagen von etwa 20 – 30 Milliarden, was einem Verhältnis von 100:1 entspricht.

Neben Banken waren es aber besonders die Hedgefonds, die Kredit- und andere Derivate im großen Stil vermarktet haben. Einer Studie von Goldman Sachs zufolge, über die am Freitag die Financial Times berichtete, hatten Hedgefonds mit ihren Notverkäufen von Aktien, den Kursrutsch an den internationalen Börsen am Beginn der Woche ausgelöst.

Hedgefonds haben dieser Tage, da die Banken ihre Tresore verschlossen halten, sowieso massiv Schwierigkeiten, an Liquidität zu kommen. Investoren ziehen Geld ab, weil sie plötzlich risikobewußter geworden sind oder weil sie selber diverse Löcher zu stopfen haben. Oder Termingeschäfte entwickeln sich ungünstig, und die Fonds müssen in kürzester Frist Geld nachschießen. Während sich in den vergangenen Jahren die Märkte gegenseitig hochgeschaukelt haben, haben wir es jetzt mit der entgegengesetzten Hebelwirkung zu tun. So hat das Auflösen diverser Rohstoffpositionen der Hedgefonds zu dem massiven Einbruch der Preise z. B. bei Rohöl beigetragen. Und diejenigen, die noch auf weiter wachsende Preise gesetzt hatten, stehen plötzlich im Regen.

Das ist die Implosion eines Finanzsystems, das sich schon lange von jeglicher Rationalität verabschiedet und in die „schöne neuen Monopolywelt" transformiert hat. Und deshalb sind alle Versuche mit Geldspritzen, wie hoch auch immer, etwas zu retten, zum Scheitern verurteilt. Die trunkenen Spieler
müssen trockengelegt und nicht mit Ersatzdrogen künstlich im Rausch gehalten werden.

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