Das Ende der monatelangen, wesentlich durch die tibetanischen Dummheiten der Bundeskanzlerin verursachten Sprachlosigkeit zwischen Berlin und Beijing ist zu begrüßen. Auch wenn bei diesem Staatsbesuch des chinesischen Premierministers keine großen Wirtschaftsabkommen unterzeichnet wurden, so ist doch das von chinesischer Seite angedeutete starke Interesse an deutscher Industrietechnik im Rahmen des neuen Entwicklungsprogramms für Mittel- und Westchina vielversprechend und bezeichnend. Daß jedoch ein Teil der deutschen Transrapidtechnik mit dem Verkauf durch Thyssen-Krupp nach China weggeht, kann man nur mit dem äußerst schwachen Trost verschmerzen, daß dies wenigstens dem Vorankommen der Magnetschwebetechnik in China nützen wird. Enttäuscht vom mangelnden Interesse der Politiker in Deutschland, hofft Thyssen-Krupp, daß infolge des Verkaufs an China auch Arbeitsplätze in der Transrapidfertigung in Kassel erhalten werden können.
Die deutsche Politik muß sich wirklich entscheidend verändern. Sie ist den Herausforderungen durch die weltwirtschaftliche Kollapskrise bisher in keiner Weise gewachsen. Wer eine Zukunft für die deutsche Industrie sichern will, muß in größeren Dimensionen denken. Nur einmal angenommen, China würde zehn Großkraftwerke in Deutschland bestellen, auszuliefern bis 2014. Selbst wenn es konventionelle Anlagen wären, weil Deutschland Atomkraftwerke gegenwärtig wegen der idiotischen Ausstiegspolitik nicht bauen will, könnte die deutsche Industrie diesen chinesischen Auftrag gar nicht erfüllen, weil die Kapazität dafür schon gar nicht vorhanden ist. Zehn Großkraftwerke sind überhaupt nicht viel, gemessen am wirklichen Bedarf Chinas, das übrigens riesige Dollarreserven besitzt, die es derzeit aber gar nicht produktiv nutzen kann, weil eine wesentliche Bedingung dafür fehlt: ein strategisches Abkommen mit den USA über wirtschaftliche Zusammenarbeit und Währungsstabilität, das eingebettet wäre in ein Abkommen mit zwei weiteren wichtigen eurasischen Mächten, nämlich Rußland und Indien. Folgte man den Ratschlägen von Lyndon LaRouche, so könnte der Dollar, seit fast 40 Jahren die Tageswährung der Spekulanten des globalen Finanzimperiums mit seinem Zentrum London, wieder zu einer Währung unter souveräner Kontrolle der USA werden. Die amerikanische Wirtschaftspolitik könnte zurückkehren zu ihrem positiven, anti-kolonialen Impuls, der mit dem Tode Franklin D. Roosevelts 1945 abbrach. Das hätte unmittelbar fruchtbare Folgen im Rest der Welt, zumal in Schwellenländern wie China und Indien – und auch für Europa.
Gäbe es ein solches Abkommen als Teil eines "Neuen Bretton Woods", könnte beispielsweise auch China etliches von seinen derzeit blockierten Dollarreserven im Rahmen weiterer langfristiger Abkommen mit Deutschland und anderen europäischen Ländern einsetzen – zum Import von Industrieprodukten in großem Umfang.
Die deutsche Politik sollte dringend in den nächsten Wochen durch Vorstöße nach Washington, Moskau, Beijing und Delhi dazu beitragen, daß solch ein Viermächteabkommen zustandekommt, dem sich dann Deutschland mit anderen wichtigen Industrieländern anschließen kann. Das kollabierende Wirtschafts- und Finanzsystem läßt uns sowieso keine andere Wahl – außer den Absturz in ein finsteres Zeitalter.