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Ehemaliger NATO-Stabschef warnt vor der Gefahr eines Nuklearkrieges

Generalleutnant Fabio Mini, ehemaliger Stabschef des „NATO-Südkommandos“ und ex-Kommandeur der KFOR in Kosovo, hat in einem ausgesprochen bemerkenswerten Interview vor einer Verschärfung des augenblicklich andauernden „Weltkriegs“ hin zu einer nuklearen Auseinandersetzung gewarnt. Dabei ging er sowohl auf den neuen Kolonialismus und die supranationale Macht der Finanzmärkte über die Nationen ein.

In einem Interview mit dem italienischen Journalisten Enzo Pennetta auf dessen Webseite [i]„Critica Scientifica“ (http://www.enzopennetta.it/2015/08/cs-intervista-fabio-mini/) [/i]sagte Mini: „Angefangen vom kalten Krieg der baltischen Länder gegen Rußland, über den amerikanischen verdeckten Krieg gegen Rußland selbst und Rußlands Ansprüchen gegenüber Ukraine bis hin zu Syrien, Jemen und alle den anderen sog. unbedeutenden Konflikte oder Konflikte 'geringerer Intensität': All das macht deutlich, daß wir nicht mehr auf einen allumfassenden Konflikt warten müssen: Wir stecken schon bis zum Hals in einem drin.

Was zur Zeit in Asien mit dem strategischen Schwerpunkt [der Obama-Regierung] im Pazifik geschieht, ist vielleicht das offensichtlichste Anzeichen, daß die Aussicht auf eine Explosion wie im Zweiten Weltkrieg in diesem Szenario am wahrscheinlichsten ist. Nicht so sehr wegen der dortigen Stationierung von Flugzeugträgern und Raketen (die tatsächlich stattfindet), sondern wegen der Vorbereitung für einen Weltkrieg dieser Art, einschließlich der unausweichlichen nuklearen Konfrontation. Das soll nicht heißen, das dies sofort geschieht, aber je länger die Vorbereitungen andauern, desto mehr Ressourcen werden in die Waffensysteme gesteckt und desto mehr asiatische und westliche Köpfe werden sich dahin orientieren.“

Als Kriegsursache verwies Generalleutnant Mini auf den „starken Widerstand gegen den Wandel zu einem multipolaren Geist“, was man auch als einen Hinweis zu der geopolitischen Opposition gegen das neue BRICS-Paradigma verstehen kann. Sowohl einige reiche wie auch einige arme Länder drängten auf eine „Neuordnung“, was nicht anderes sei, als die „alte Ordnung des Kolonialmodells.“ Armeekräfte „sind mehr und mehr nach dem System der ,Schutztruppen’ orientiert. In vielen afrikanischen Ländern gibt es eine Nostalgie für die Kolonialzeit, oder den Kolonialmächten wird vorgeworfen, sie [die ehemaligen Kolonien] im Stich zu lassen. Macht und Sklaverei sind komplementär. Ein chinesischer Philosoph sagte einmal über sein Volk: ,Es gab Jahrhunderte, wo der Wunsch, ein Knecht zu sein, erfüllt wurde, und andere, wo es nicht so war.’“

Mini bezeichnete den Finanzkrieg gegen Griechenland als „Bandenkrieg“; wir erlebten heutzutage eine neue Art von Kriegsführung, so Mini, den „Bandenkrieg“. Ein US-amerikanischer Oberst sei 2004 gefragt worden, welchen Krieg er in Irak führen würde, da habe er geantwortet: „Dies ist ein Bandenkrieg und wir sind die größte Bande.“ Nationalstaaten hätten ihre Funktion verloren, so Mini weiter, und Kriege würden von Söldnerbanden geführt. „Das Finanzwesen ist das einzig wirklich globale und unmittelbare System, und es benutzt sowohl legale, als auch illegale Mittel - genau wie eine moderne Bande von Kriminellen...“

Schließlich charakterisierte er das EU-Vorgehen gegen Griechenland mit den Worten: "Der Finanzkrieg gegen Griechenland ist ein fast perfekter Bandenkrieg. Nur Dummköpfe denken wirklich, daß Griechenland seine Zahlen ohne Wissen der EU, der EZB, des IWF, der Federal Reserve, der Weltbank oder der finanzstarken und allwissenden Rating-Agenturen manipuliert hätte. Es ist viel realistischer, davon auszugehen, daß in dem Augenblick, als es um den Wechsel zum Euro ging, politische Interessen in Europa sich gegenüber den Finanzinteressen durchsetzten und daß es die Finanzinteressen waren, die den schwächsten Mitgliedern die maximal mögliche Verschuldung aufluden. Wir haben ein kurzes Gedächtnis, aber vor 2001 ging die Euro-Debatte davon aus, daß viele Länder an der europäischen Peripherie und die neuen Aspiranten auf eine Mitgliedschaft (in Nord- und Ost-Europa) nicht in der Lage sein würden, die verlangten Parameter zu erfüllen." Die Peripherie-Länder seien nicht zufällig als einzige dazu gebracht worden, sich zu veschulden und dann zahlungsunfähig zu werden. Irland, Großbritannien, Portugal, Spanien, Italien und Griechenland "sind die sichtbarsten Beispiele eines Manövers, das weder von Nationen ausging noch von diesen gewollt wurde, sondern von Institutionen betrieben wird, die sich selbst als supranational bezeichnen und sich in jedem Fall nach den Privatinteressen des sogenannten 'Markt-Systems' ausrichten."