Ein Ausweg aus der Krise für Europas Autosektor

02.09.2026
Ein Ausweg aus der Krise für Europas Autosektor klaus 02.09.2026

Neun Krisensitzungen zwischen der Unternehmensleitung und dem Betriebsrat von Volkswagen sowie der niedersächsischen Landesregierung, die an dem Unternehmen beteiligt ist, endete am 31.8. ohne eine akzeptable, konstruktive Lösungsidee.

Die Unternehmensleitung verweist auf den drastischen Rückgang der Autoverkäufe um 500.000 in Europa in den vergangenen 12 Monaten und beharrt auf drastischen Einschnitten, darunter der Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen und die Schließung von vier Werken in Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau (letzteres das modernste Werk von VW), was angeblich alternativlos sei. Die Unternehmensleitung plant auch die Produktion von Militärfahrzeugen, doch das würde niemals ausreichen, um den Rückgang bei zivilen Fahrzeugen auszugleichen.

Die Arbeitnehmerseite lehnt Entlassungen ab und fordert staatliche Subventionen, um die Produktion an den vier Standorten aufrechtzuerhalten. Sie hat aber keine Alternativen zur Produktion von Automodellen, von denen sich viele – insbesondere Elektroautos – nicht verkaufen. Auch die Landesregierung lehnt Werksschließungen und Entlassungen ab und schlägt vor, Automodelle chinesischer Hersteller in Deutschland zu bauen, um die Standorte und Arbeitsplätze zu erhalten.

Angesichts der Unvereinbarkeit der drei Vorschläge ist ungewiß, ob die geplante abschließende Krisensitzung am 4.9. zu einer akzeptablen Lösung führt. Daß die deutschen Werke ausschließlich Autos für die Märkte in Europa produzieren, scheint in den Köpfen des Managements und der Arbeitnehmervertreter eine Art Naturgesetz zu sein. Niemand kommt auf die Idee, für den gigantischen Bedarf der Länder des Globalen Südens zu produzieren, obwohl dort Hunderttausende Lkw und SUV und Millionen von Pkw gebraucht werden. Diese Fahrzeuge könnten über mehrere Jahre in Deutschland gebaut werden und so den Übergang von Importen zur Produktion vor Ort, beispielsweise in Afrika, überbrücken.

Gefragt sind robuste Fahrzeuge ähnlich den klassischen Automodellen, mit einer unkomplizierten, aber effizienten Ausstattung – statt der modischen Modelle, die bisher in Europa für Europäer produziert wurden. Da sich die E-Mobilität nur langsam durchsetzt, war es ein Fehler der deutschen und europäischen Automobilbauer, die Produktion von Verbrennern auslaufen zu lassen. Diese übereilte Entscheidung muß rückgängig gemacht werden, um Arbeitsplätze zu sichern.

Gleichzeitig müssen in den Ländern des Globalen Südens im Rahmen eines Sofortprogramms zum Infrastrukturausbau Straßen und Autobahnen gebaut werden. Dies erfordert Investitionen in Milliardenhöhe, die sich leichter organisieren lassen, wenn es zwischenstaatliche Abkommen gibt – vorzugsweise unter Einbeziehung staatlicher Banken wie der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau. Dies würde einen Rahmen für langfristige, zinsgünstige Darlehen mit großzügigen tilgungsfreien Zeiten schaffen, insbesondere für den Aufbau einer lokalen Produktion im Globalen Süden, einschließlich der Ausbildung lokaler Arbeitskräfte für die Industrie.

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