Premierminister Erdogan mit Präsident Bush
Es gab einen scharfen Kontrast zwischen dem "Phototermin" mit George W. Bush und dem türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan und den Worten Erdogans vor Reportern im National Press Club in Washington, D.C. Bei letzterem war er viel direkter, und sagte die türkisch-amerikanische Beziehung werde auf eine schwere Probe gestellt. Er sagte, es gebe zwei Hauptpunkte auf der Tagesordnung: Die Resolution im US-Abgeordnetenhaus zum vermeintlichen Völkermord an den Armeniern von 1915 und die Probleme mit der PKK im Nordirak. Er beschrieb diese beiden Fragen als wichtige Prüfsteine der türkisch-amerikanischen Beziehung.
Bezüglich der Resolution zu Armenien, sagte Erdogan, der US-Kongreß verwickle sich in ein politisches Urteil über die Türkei, welches "das Potential birgt, unsere strategische Zusammenarbeit schwer zu schädigen."
Es sei wichtig, daß diese Resolution nicht im Abgeordnetenhaus debattiert werde. Er fuhr fort, die Vorwürfe eines Völkermordes an den Armeniern im Jahre 1915 seien niemals bewiesen worden, und die türkische Regierung habe im Jahre 2005 angeboten, eine Gemeinsame Historische Kommission zu dem Thema zu schaffen. Diese sollte nicht nur die türkischen Archive zu der Zeit, sondern auch alle weiteren, die relevantes Material aufweisen könnten, untersuchen. „Wenn ein Völkermord bewiesen werden kann, dann sind wir bereit, uns der Frage anzunehmen.", sagte er, aber es gebe eben keine Beweise für einen solchen Völkermord. „Diejenigen, die von einem Völkermord sprechen, sollten Beweise erbringen können.", fuhr er fort. Er schloß mit der Aussage, die Türkei strebe „ein gemeinsames Verständnis dieser Geschichte an", aber es habe auf das Angebot von 2005 keine Antwort gegeben.
Demonstration gegen die PKK in Kadiköy im Oktober 2007
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Bezüglich des PKK-Problems war Erdogan eindeutig in seiner Aussage, daß die Türkei das Recht zur Selbstverteidigung habe, und daß sie von diesem Recht ohne Frage Gebrauch machen werde. Wie er betonte, habe die Türkei seit geraumer Zeit intensive diplomatische Verhandlungen mit der irakischen Regierung einschließlich ihrer kurdischen Vertreter zu dem Thema geführt. Am 26. Oktober reiste eine hochrangige Delegation der irakischen Regierung in die Türkei, um das Problem zu besprechen. „Die Türkei hat keine Geduld mehr, Ansätze zu diskutieren, die keine Ergebnisse bringen. Wir erwarten von den USA und vom Irak, daß sie der PKK ein für alle mal ein Ende bereiten", sagte er. Darüber hinaus warnte er, die Türkei sei „im Begriff, von ihren Rechten Gebrauch zu machen.", die sich aus dem internationalen Recht begründen. Er betonte, daß 507 Abgeordnete des türkischen Parlamentes einem militärischen Angriff auf PKK-Lager im Norden Iraks zugestimmt hatten, bei nur 19 Gegenstimmen. „Dies reflektiert die Haltung des türkischen Volkes," sagte er.