In der BAE-Affäre kam es jetzt zum ersten Totesfall des Jahres 2007. Der ägyptische „Geschäftsmann“ und bedeutende Waffenhändler Ashraf Marwan wurde gestern tot aufgefunden, nachdem er vom Balkon seines vornehmen Londoner Appartements „fiel.“ Einige Medien, darunter die Londoner Times und die israelische Tageszeitung Ha’aretz, spekulierten, daß er sich das Leben nahm, weil er als Agent des israelischen Geheimdienstes Mossad entlarvt wurde, der kurz vor dem arabisch-israelischen Krieg von 1973 ägyptische Militärgeheimnisse an die Israelis weitergab. Das ist bestenfalls eine Ablenkung.
Obwohl Marwan sehr wohl mit dem Mossad kooperiert haben kann, hatte er sein tatsächlich wichtigen Verbindungen zu den höchsten Ebenen des britischen Establishments und zu den saudischen Kreisen, die ebenfalls im Zentrum des BAE-Skandals stehen. Seit 35 Jahren hatte Marwan seinen Sitz in London, und er war seit der Zeit, als er in den 1960ern Vorsitzender der Arabischen Gesellschaft für die ägyptische Rüstungsindustrie war, tief in Waffengeschäfte verwickelt. Nachdem er Ägypten verließ, führte er zahlreiche Waffengeschäfte mit Leuten wie Adnan Kashoggi und den kürzlich verstorbenen Tiny Rowland. Tatsächlich arbeitete er bei verschiedenen Unternehmen außerordentlich eng mit Rowland zusammen, u.a. bei Rowlands Rachefeldzug gegen Marwans in London residierenden ägyptischen Landsmann Mohammad Fayed, einem Geschäftsmann, dessen Sohn Dodi bei demselben angeblichen Autounfall in Paris ums Leben kam, bei dem auch Prinzessin Diana ihr Leben verlor.
Marwan war in den 1980ern wesentlicher Bestandteil des „schwarzen“ Waffenhandels, speziell im Mittleren Osten und Afrika. Damals kooperierte er bei verschiedenen Geschäften mit dem ehemaligen CIA-Agenten Ted Shackley und dem Ölschmuggler John Deus. Deus und Shackley waren Geschäftspartner von Brigadier Tim Landon, dem britischen Armeeoffizier, der seine Millionen als Militärberater des Sultans von Oman machte.
Gegen Landon wird zur Zeit wegen seiner angeblichen Rolle beim Schmieren von ungarischen Beamten im Auftrag von BAE für den Verkauf von Gripen–Kampfflugzeugen ermittelt.