In Deutschland wächst der Widerstand sowohl gegen Russland-Sanktionen als auch gegen eine Osterweiterung der NATO. Bei einer Veranstaltung des „Petersburger Dialogs“ in Leipzig am 23.4. betonten die Redner sehr nachdrücklich, Feindbilder und die Bedrohung des Friedens in Europa müßten zurückgewiesen werden. Der Chefkoordinator der Bundesregierung für die Beziehungen zu Rußland und andere Staaten der ehemaligen UdSSR, Gernot Erler, warnte, nach den vierseitigen Genfer Gesprächen über die Ukraine müsse man die Chance zur Deeskalierung ergreifen, weil sonst die Gefahr bestünde, daß alle Errungenschaften der vertrauensbildenden Maßnahmen und des Dialogs der vergangenen Jahrzehnte verloren gehen könnten.Erler und andere betonten, daß es zwischen Deutschen und anderen Europäern und Russen viele unterschiedliche Ansichten geben möge, aber alle eine militärische Lösung kategorisch ausschließen.
In der vielgesehenen ZDF-Talkshow von Maybrit Illner Berlin Mitte äußerten sich am 23.4. auch der ehemalige Inspekteur der Bundeswehr General Harald Kujat, der frühere Ministerpräsident von Brandenburg Matthias Platzeck und der ehemalige Chef des Bundeskanzleramtes (während der entscheidenden Zeit 1989/90) Horst Teltschik dramatisch über die Krise. Gen. Kujat forderte von der Bundesregierung Anstrengungen für die sofortige Einberufung des NATO-Rußland-Rates, um mit Präsident Putin zusammen durch konkrete Vorschläge die Krise der Ukraine zu lösen, statt die Lage außer Kontrolle geraten zu lassen. Als erstes solle man festhalten, daß die Ukraine kein NATO-Mitglied ist und der Westen nicht alleiniger Garant für die Sicherheit des Landes sein soll, sondern Rußland einbezogen wird. Sanktionen wären eine „Bankrotterklärung der Politik“ und würden Deutschland mehr schaden als Rußland.
Matthias Platzeck, der neue Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, berichtete von einer Veranstaltung, bei der über den NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen die Bemerkung fiel: „Noch drei Reden von Rasmussen und wir haben einen Krieg.“ Platzeck empfahl, die Wahlen in der Ukraine zu verschieben, da der Osten des Landes sich in der gegenwärtigen, aufgeheizten Lage nicht daran beteiligen würde. Und Teltschik erinnerte daran, daß der Westen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs Rußland nie mit Respekt behandelt habe, sondern die Russen lieber in einem Maße provozierte, daß sie sich erniedrigt fühlen mußten.
Hier finden Sie einen link zur Sendung https://www.youtube.com/watch?v=IgjqOUS4VRE