Die Zeitung Independent wittert die Anzettelung einer Revolte von französischer Seite gegen den britischen EU-Kommissar Peter Mandelson, nachdem Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der bei der EU im zweiten Halbjahr 2008 den Vorsitz führt, eine Tagung der Europäischen Außenminister zusammengerufen hat, um die Position der EU für die "Doha-Runde" der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf zu diskutieren.
Frankreich könnte in der Tat inmitten der sich verschärfenden Nahrungsmittelkrise eine wichtige Rolle zur Sicherung der Nahrungsmittelproduktion und der Produktionskapazitäten Europas spielen. Dabei spielt vermutlich weniger der Präsident selbst als die instutionellen Kräfte in Frankreich eine Rolle, die den Schutz der eigenen Landwirtschaft als überlebensnotwendig einschätzen.
Der Independent erinnert seine Leser an die Attacke Sarkozys gegen Peter Mandelson beim kürzlichen EU-Gipfeltreffen nach dem Irischen Nein. Dort hatte Sarkozy Mandelson für das Nein verantwortlich gemacht und gesagt, Mandelson wolle zu einer Zeit, in der 3. Welt "alle 30 Sekunden ein Kind an Unterernährung stirbt", mit seiner radikal freihändlerischen Agrarpoitik auch noch die europäische Nahrungsmittelproduktion um 21% senken.
Der französische Minister für EU-Angelegenheiten, Jean-Pierre Jouyet, hat sich ebenfalls gegenüber der Freihandelspolitik Mandelsons sehr kritisch ausgesprochen und gefordert, daß sich Europa aktiv bei den WTO-Verhandlungen teilnehmen muß. Die WTO-Politik habe zu sehr "schwerwiegenden Problemen für die Landwirte in Irland sowie in Frankreich" geführt.