Die Londoner Tageszeitung Financial Times ließ den Inhalt einer neuen Studie der Europäischen Kommission durchsickern, in welchem die EU-Mitgliedstaaten aufgefordert werden, "altersbezogene Ausgaben" zurückzufahren. In dem Bericht heißt es, dass in 12 Mitgliedstaaten die Sozialausgaben den Staatshaushalt aus dem Gleichgewicht brächten. Das ist offensichtlich gelogen, da die Haushalte wegen der Bankenrettungspakete außer Kontrolle geraten sind. In Wirklichkeit führt Großbritannien die Liste der "gefährdeten Länder" an, da es nach Angaben des Berichts eine "Einkommensdefizit von 12.4% des Bruttosozialprodukts" aufweist, d.h. es soll seine Haushaltsausgaben um einen ebenso großen Betrag kürzen.
Da Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen keine leichte Sache seien, müsse man "alternativ dazu die Sozialsysteme reformieren, um die vorausberechnete Zunahme bei altersbedingten Ausgaben zu bremsen." Die Rettungspakete, die den wahren Grund des Haushaltsdefizits darstellen, werden zwar genannt, aber nicht in Frage gestellt: "Die Kosten der Krise und die erwartete demographische Entwicklung verstärken sich gegenseitig und machen die Nachhaltigkeit der Staatsausgaben zu einer akuten Herausforderung."
Groß Britannien, Spanien und zehn weitere europäische Staaten stellen ein "langfristiges Risiko dar", behauptet der EU-Bericht. Zehn Staaten, zu denen Frankreich, Deutschland, Italien und Polen gehören, stehen im mittleren Risikobereich. Fünf Staaten werden der Kategorie "niedriges Risiko" zugeordnet: Bulgarien, Dänmark, Estland, Finnland und Schweden.
Dieselbe Linie – brutale Sparpolitik, nachhaltige "Reformen" bei den Sozial- und Gesundheitsausgaben – aber kein Infragestellen der Finanzrettungspakete – vertritt auch der IWF-Chefökonom Olivier Blanchard.
Demographische Probleme können nur mit einer gesteigerten Produktivität und massivem Wirtschaftswachstums in der Realwirtschaft gelöst werden. Dafür aber braucht man ein Konkursverfahren des bankrotten Finanzsystems, und ein neues, am Gemeinwohl orientiertes Kreditsystem. Das wollen diejenigen Propagandisten, die das Mantra der "demographischen Entwicklung" jetzt beständig im Munde führen, aber genau nicht. Die verlogene Behauptung, man müsse wegen der "demographischen Entwicklung" sparen, ist ein typisches Totschlagsargument, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es bedeutet einfach: alte Leute kosten zuviel.