Der Vorsitzende des Wirtschafts- und Währungsausschusses der EU-Kommission, Joaquin Almunia, stimmte mit in den Chor von Geierfonds-Vertretern ein, die die italienischen Regierung aufforderten, Haushaltsüberschüsse ausschließlich zum Ausgleichen des Haushalts zu verwenden, und nicht etwa zur Verbesserung von Sozialprogrammen. Almunia äußerte tiefe Besorgnis über den Haushaltsentwurf der Regierung, der gestern eingebracht wurde, weil er nicht in Übereinstimmung mit den Richtlinien der Euro-Gruppe stehe, so die Tageszeitung Il Mattino.
Die Euro-Gruppe besteht aus EU-Mitgliedern, die bereits den Euro als Währung eingeführt haben. Der Euro-Gruppen-Vorsitzende Jean-Claude Juncker, gleichzeitig Premierminister des Banken-Ministaates Luxemburg, hatte am 28. Juni erlaßartige Äußerungen gegen Italien vorgebracht. Italiens Unterstaatssekretär für wirtschaftliche Entwicklung, Vize-Minister Alfonso Gianni, beschuldigte Juncker und andere in Äußerungen gegenüber der Nachrichtenagentur EIR, sie wollten die italienische Regierung zu Fall bringen. Interessanterweise gab EU-Kommissar Almunia an, daß Italien für seine öffentlichen Schulden mehr als € 68 Milliarden an Schuldendiensten zahlt, also etwa 5% des BIP. Dies ist doppelt soviel, wie der für die jährlichen öffentlichen Investitionen angesetzte Betrag. Außerdem werden derzeit die Investitionsausgaben der Mitgliedsstaaten der Eurozone als „laufende Kosten“ verbucht, statt sie als Teil eines Investitionshaushalts zu rechnen, wodurch es ihnen unmöglich gemacht wird, einen Entwicklungsplan aufzustellen, ohne sofort von EU-Wachhunden gestoppt zu werden.