Die Stahlexporte der Europäischen Union sind in der ersten Hälfte des Jahres 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20 Prozent zurückgegangen. Dies berichtete die „Financial Times“ unter Berufung auf Zahlen des Branchenverbandes Eurofer. Die Lieferungen in die Vereinigten Staaten, die einen Zoll von 50 Prozent auf EU-Stahl erheben, sanken um 29 Prozent. Die Exporte in die Türkei, nach Indien und China gingen jeweils um mindestens 18 Prozent zurück, da kostengünstigere Produzenten europäische Stahlwerke unterboten. Die Rohstahlproduktion in der EU war 2025 um drei Prozent auf 126 Millionen Tonnen gefallen – ein Rekordtief – und sank in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um ein weiteres Prozent. „Wir sind die einzige große Region, die ihre Stahlkapazitäten nach unten anpasst“, sagte Eurofer-Generaldirektor Axel Eggert gegenüber der Financial Times. Die Industrie werde „nicht zum Niveau von 2015“ zurückkehren, als die Produktion bei etwa 155 Millionen Tonnen lag. China allein, so Eggert, exportiere ungefähr so viel Stahl, wie der gesamte EU-Markt produziere.
Der größte Belastungsfaktor sind die Energiekosten. Die europäischen Gaspreise sind seit Januar um mehr als 140 Prozent gestiegen, angetrieben durch den Krieg im Nahen Osten. Geert Van Poelvoorde, der Vorsitzende von ArcelorMittal Europe und designierter Präsident von Eurofer, bezeichnete die Kostenbasis Europas als „gefährlich“. Sie verdränge europäischen Stahl von den Exportmärkten. Im Juli führte Brüssel Importquoten ein, verhängte auf einige chinesische Produkte Antidumpingzölle von bis zu 90 Prozent und unterstellte Stahl der CO₂-Grenzsteuer. Dadurch müssen Importeure für Emissionen zahlen, während EU-Produzenten für CO₂-Zertifikate aufkommen.
Quelle: eirna.de