Die von der Europäischen Union selbst verursachte Gasverknappung hat sich durch den Konflikt zwischen den USA und dem Iran weiter verschärft. Um eine Erschöpfung der Reserven zu verhindern, müßte Europa in den nächsten zweieinhalb Monaten monatliche Lieferungen von 142 Flüssigerdgas-Tankern erhalten. Bislang wurden jedoch durchschnittlich nur 105 Tanker pro Monat entladen. Bei diesem Tempo könnten die Reserven bis April 2027 erschöpft sein, und die unterirdischen Gasspeicher werden bis November nur zu 69 % gefüllt sein.
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur TASS haben private Gasspeicherbetreiber ihre Einkäufe aufgrund der hohen Preise zurückgefahren. Sie befürchten, dass diese nach Beendigung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sinken könnten und sie dadurch Verluste erleiden würden. Dies ist offensichtlich ein Risiko, bei dem sie den Kürzeren ziehen könnten, sollte sich der Konflikt bis in die Wintermonate hineinziehen. Mit dem Herannahen des Winters könnten europäische Betreiber beim Gaseinkauf der Konkurrenz aus asiatischen Ländern ausgesetzt sein. Das könnte zu einer Verdopplung des Gaspreises führen. Die Rechnung dafür wird letztendlich die europäische Öffentlichkeit bezahlen müssen.
Nach Angaben von Gas Infrastructure Europe (GIE) waren laut Daily Sabah die Gasspeicher am 17. August nur zu 60,8 % gefüllt, ein deutlicher Rückgang gegenüber 73,6 % im Vorjahr. Italien und andere EU-Länder, darunter Polen und Belgien, die mit Katar Verträge über Flüssigerdgas abgeschlossen hatten, haben seit dem 2. April kein Gas mehr von dort bezogen. Vor drei Jahren sollte Katar eigentlich zum großen Lieferanten von Flüssigerdgas werden, um die Lieferungen aus Russland zu ersetzen.
Quelle: eirna.de