Das am 10.7. unterzeichnete britisch-französische Abkommen über die Koordinierung ihrer Atomstreitkräfte gegen Rußland und das britisch-deutsche Abkommen vom 17.7., u.a. über die gemeinsame Entwicklung von Langstrecken-Raketensystemen, die tief in russisches Territorium vordringen können, sind klare Anzeichen dafür, daß die europäischen Eliten ihren Realitätssinn verloren haben. Starmer, Macron und Merz behaupten, dies sei nicht die Zeit für Diplomatie und die Waffen müßten sprechen, um Rußland an den Verhandlungstisch zu zwingen – ausgehend von der Illusion, der Kreml würde dann einen „Friedensvertrag“ zu den Bedingungen der NATO akzeptieren. Die Russen haben deutlich gemacht, daß Deutschland, wenn es sich mit Atommächten wie Frankreich und Großbritannien an militärischen Aktionen gegen ihr Territorium beteiligt, Ziel direkter nuklearer Vergeltungsmaßnahmen würde. (Man beachte, daß der neue Generalinspekteur des Heeres, Christian Freuding, Schläge gegen Flugplätze und Drohnenfabriken im Innern Rußlands fordert.)
Der Begriff „E3“ (Europäische 3), den NATO und Mainstream-Medien für die neue Koordinierung zwischen Großbritannien, Frankreich und Deutschland geprägt haben, ist irreführend, da Großbritannien die treibende Kraft ist und die beiden anderen nur „Juniorpartner“ sind. Umso empörender ist es, daß Merz sich bei der Unterzeichnung des Vertrags mit Premierminister Starmer positiv auf Königin Viktoria bezog – in der viktorianischen Ära hat London den Krimkrieg gegen Rußland begonnen, grünes Licht für den Deutsch-Französischen Krieg gegeben und auf den Ersten Weltkrieg hingearbeitet. Merz betonte auf der gemeinsamen Pressekonferenz auch, die neue anglo-deutsche Allianz arbeite mit US-Senatoren zusammen, offenbar um zu versuchen, unter Umgehung von Präsident Trump die US-Politik zu beeinflussen.
Die gute Nachricht ist, daß Merz zuhause auf wachsenden Widerstand stößt. Eine Onlinepetition gegen ihn wegen seiner Ablehnung des Friedens und seines Programms der Sozialkürzungen ist im Umlauf. Und auf der Berliner Konferenz des Schiller-Instituts am 12.-13.7. verurteilten hochrangige deutsche Kriegsgegner seine Politik als Risiko für Deutschland und Europa. Achim Bonatz vom Ostdeutschen Kuratorium von Verbänden (OKV), einem Mitveranstalter der Konferenz, zeigte auf, wie die Aufrüstung die deutsche und europäische Wirtschaft ruinieren werde, weil das 5-Prozent-Ziel der NATO für die Verteidigungsausgaben bis zu 50% des Staatshaushalts verschlingen würde. Wolfgang Effenberger, pensionierter Bundeswehr-Offizier und Autor des vielgelesenen Buches Pax Americana, verurteilte die zahlreichen Kriege, die die USA in jüngster Zeit unter offener Mißachtung des Völkerrechts geführt haben. Florian D. Pfaff, Bundeswehroffizier a.D. und Sprecher des Darmstädter Signals, einer Vereinigung pensionierter Militärs für den Frieden, kritisierte auch die Rekrutierungskampagne der Bundeswehr an deutschen Schulen.
(Sie finden die Videomitschnitte unter: https://schillerinstitute.com/de/der-mensch-ist-nicht-des-menschen-wolf/ Videos Teil 2)