In einer Rede in Dublin hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet die Entscheidung des irischen Premierministers Brian Cowen gelobt, die Gehälter der Staatsangestellten um 7% zu kürzen. Diese Rede vom 26. Februar, die an die Politik Heinrich Brünings im Deutschland der 1930er Jahre erinnert, war kein Ausrutscher. Die Politik der „Lohndeflation“ wird ausdrücklich im Monatsbericht der EZB vom November 2008 angepriesen. Dort heißt es, der Anstieg der Arbeitskosten gefährde die Wettbewerbsfähigkeit und die Preisstabilität. Die EZB fordert deshalb von den Verantwortlichen, Maßnahmen zu ergreifen „die Funktion der Arbeits- und Warenmärkte zu verbessern und die Steigerung der Arbeitskosten zu bremsen.“
Für Trichet und die EZB scheint es keinen Zweifel daran zu geben, dass der „Verlust an Wettbewerbsfähigkeit“ seit 2000 seine Ursache in den angeblichen Lohnsteigerungen im Euroraum hat. Ganz abgesehen vom Welthandelskollaps wird auch noch nicht einmal erwähnt, dass der Wert des Euro im gleichen Zeitraum im Verhältnis zum Dollar um 50% angestiegen war.