Ezekiel Emanuel 2005 – um Gesundheitsversorgung zu beschneiden, braucht man Sympathieträger

02.10.2009
Ezekiel Emanuel 2005 – um Gesundheitsversorgung zu beschneiden, braucht man Sympathieträger admin 02.10.2009

Ezekiel Emanuel, der Gesundheitsberater von Peter Orszag, heute Leiter des Office of Budget Management (OMB) im Weissen Haus, verbreitete sich schon 2005 darüber, wie man dem Bürger einschneidende Kürzungen im US-amerikanischen Gesundheitssystem verkaufen kann.  

Damals veröffentlichte Oxford University Press das Buch "Ethische Dimensionen der Gesundheitspolitik". Darin schrieb Emanuel das Kapitel "Patient vs. Population: Lösungen für das ethische Dilemma bei der Behandlung von Patienten als Teil der Gesamtbevölkerung". Darin fordert er eine Abkehr vom „traditionellen Hippokratischen Anspruch im Gesundheitswesen“. Stattdessen brauche man ein neues System, das eine "Populationsbezogene" Medizin schafft, die Kosten senkt.  Emanuel  beschwert sich dabei besonders über „die dominante Hippokratische Tradition in der Medizin“, wodurch Ärzten der „Begriff eingeschärft werde, sie seien zuallerst dem Wohlergehen ihres jeweiligen Patienten verpflichtet."

Diel laut Emanuel notwendigen Veränderungen schließen z.B. ein, daß die Behandlung von Krankheiten nur noch dann finanziell erstattet werden soll, wenn es  „eine Heilungschance von mindestens 15 % gibt oder das Leben um 5 Jahre verlängert“ wird.  Wenn also die statistische Wahrscheinlichkeit diesen Vorgaben nicht enspricht, hat der Patient eben Pech gehabt!

Emanuel gibt dann zu, daß heutige Gesundheitsreformen „nicht mehr sozial orientiert sind, sondern konservativ und geschäftsorientiert.“ Und er warnt ganz offen,  die Öffentlichkeit könne jedoch Verdacht schöpfen, daß ihre Opfer dem Profit anderer zugute kommen; deshalb könnte es Widerstand und Bürgerbewegungen dagegen geben. Deshalb müsse man verschiedene Mittel einsetzen,  um „diesen Verdacht zu zerstreuen, und die [Menschen der]  Integrität des Entscheidungsfindungsprozesses zu versichern“. Er schlägt vor, dafür solch leere Worthülsen wie „Offenheit“ und „Bürgerbeteiligung“ zu verwenden.

Emanuels Äußerungen beleuchten,  warum ein „Sympathieträger“ wie Barack Obama dazu ausersehen wurde, die gegenwärtige Gesundheits"reform" mit ihrer brutalen Sparpolitik durchzusetzen.  Angesichts der massiven Kritik sagte Emanuel kürzlich, nur in Philosophie ausgebildete Menschen würden verstehen, was seine Schriften wirklich bedeuten und deshalb sollten sie auch nur von jenen gelesen werden.  

Das von Oxford University Press veröffentlichte Buch beginnt übrigens mit einem Kapitel des berüchtigten Eugenik- und Euthanasie-Verfechter, Daniel Callahan vom Hastings Institut.  Callahan schreibt, daß „die meisten Gesundheitssysteme schwere ökonomische Probleme bekommen, so daß eine Reihe von Reformen, die eine (meist verdeckte) Rationierung und andere Beschränkungen einschließen, auf der Tagesordnung stehen.“ Er verlangt, die Idee der Heilung von Krankheiten, besonders bei den Älteren, solle durch die Palliativmedizin ersetzt werden, durch den Gedanken an den Tod.  Im alten System, so Callahan, sei „der Hauptübeltäter das Vorurteil gewesen, die Heilung als höchstes Ziel anzusehen … [und] dies führte zu den unproportionalen Mengen von Geld, welche für biomedizinische Zwecke, anstatt für behavioristische Forschung ausgegeben wurden … und in der klinischen Praxis zur Betonung von Behandlung anstatt von Patientenschulung. Vor allem  „ist es ein Fehler, weiterhin den individuellen Nutzen als Erfolgsmaßstab der Politik zu erlauben.“

Callan erklärt dann, daß es viel eher möglich sei, neue Ziele zu setzen, wenn es eine zentralsierte Regierungskontrolle über die Politik gibt, also "ein geschlossenes System". Eine Gesellschaft wie die USA mit einem gemischten privaten und öffentlichen Gesundheitssystem, ohne zentrale Leitung, sei aber kaum in der Lage, explizite Ziele zu definieren. 

Diese Zitate geben Aufschluß darüber, warum Daniel Callahan, Direktor der Eugenik-Gesellschaft und Gründer des Hastings-Centers, sowie Ezekiel Emanuel (ebenfalls Fellow des Hastings Center),  zwei Hauptkämpfer für Obamas Gesundheits"reform" sind.

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