Angesichts von weltweitem Mangel und Verteuerung von Nahrungsmitteln wollen
viele Beteiligte auf dem Welternährungsgipfel im Juni die verrückte Propaganda
über Freihandel und Biotreibstoff nicht mehr mitmachen.
Um den bevorstehenden Welternährungsgipfel in Rom am 3.-5. Juni, den die
UN-Welternährungsorganisation (FAO) und andere seit dem letzten Jahr planen,
tobt im Vorfeld ein massiver Richtungsstreit. Zahlreiche Regierungen und
Landwirtschaftsverbände aus aller Welt wenden sich gegen den von der FAO
vorgegebenen Inhalt der „Gipfelkonferenz über Welternährungssicherung und die
Herausforderung durch Klimawandel und Bioenergie“. Angesichts der weltweiten
Ernährungskrise mit Mangelversorgung und Hyperinflation bei den Preisen für
Nahrungsmittel setzen viele Länder wieder auf eine Sicherung der Ernährung
ihrer Bevölkerung durch Ausweitung des Anbaus und weitgehende Selbstversorgung
mit Lebensmitteln. Damit verwerfen sie völlig zu recht die gleichgeschalteten,
falschen Axiome der Ära der Welthandelsorganisation (WTO) „Freihandel und
Biotreibstoff sind gut, und an allen Nöten und Gefahren ist nur der Klimawandel schuld“.
Lyndon LaRouche und sein politisches Aktionskomitee LaRouche PAC haben in den USA im
April eine Mobilisierung begonnen, um diese WTO als Organisation und als
Denkweise abzuschaffen. Seine Ehefrau Helga Zepp-LaRouche forderte als
Präsidentin des internationalen Schiller-Instituts zu einem koordinierten
Vorgehen der Weltgemeinschaft auf, um allen Hungernden auf der Welt Nothilfe zu
leisten und mit entsprechenden Agrarprogrammen die weltweite
Nahrungsmittelerzeugung zu verdoppeln. Dies und nichts anderes müsse beim
FAO-Gipfel im Juni auf der Tagesordnung stehen. Auf fünf Kontinenten
mobilisiert die LaRouche-Bewegung für dieses Ziel.
Dieser große Kampf um das tägliche Brot zwingt jeden wohlmeinenden Menschen, [i]realwirtschaftlich
[/i]zu denken: Wie sorgen wir für die akut notwendige Hilfe, und wie können wir
auf längere Sicht die Nahrungsmittelerzeugung ausreichend steigern? So
veröffentlichte beispielsweise das weltweit bedeutendste Forschungsinstitut für
Reis IRRI (International Rice Research Institute) im April ein
Neun-Punkte-Programm über Wege zu einer massiven Ausweitung der
Weltreiserzeugung. Reis bildet heute das Grundnahrungsmittel für drei
Milliarden Menschen, aber in einigen Teilen der Welt gibt es gegenwärtig
überhaupt keinen Reis zu kaufen, egal zu welchem Preis.
Die Philippinen, wo das IRRI seinen Sitz hat, waren früher einmal Selbstversorger
mit Reis und berühmt für ihre schönen, jahrhundertealten Reisanbau-Terrassen,
doch die falsche Politik der WTO und ihres Vorgängers GATT hat in den letzten
Jahrzehnten aus dem Land den größten Importeur von Reis weltweit gemacht. Jetzt
gibt es aber zuwenig Reis, den man importieren könnte! Deshalb kündigte die
Regierung im April ein 1 Mrd. Dollar umfassendes Programm an, um sich von der
Prämisse der WTO-Ära, daß der „Weltmarkt“ immer genug Nahrungsmittel liefere,
zu befreien und wieder auf eine Selbstversorgung mit Reis hinzuarbeiten.
Solche Fälle stehen beispielhaft für den allgemeinen Stimmungswandel in allen
Erdteilen: Man will nicht mehr die Unterwerfung der Nationen durch die
„grenzenlose“ Politik von WTO, Weltbank, IWF und verwandten Einrichtungen.
Machtprobe in Rom
Die Planer des FAO-Gipfels hatten allerdings ganz andere Prioritäten. Mitte letzten
Jahres, als er angesetzt wurde, waren die Probleme zwar schon vorhanden oder
absehbar: Der Anbau war zu gering und schrumpfte, die internationalen Kartelle
diktierten Monokultur-Anbau von „weltmarkttauglichen“ Produkten und
kontrollierten den Handel mit Saatgut, und in vielen Ländern herrschte Hunger.
Trotzdem wurden die Planungen für die Konferenz ganz auf die großen Schwindel
von Al Gore und Genossen abgestimmt: daß Treibhausgas-Emissionen der
Landwirtschaft und „Überbevölkerung“ unserem Planeten schadeten, daß
Biotreibstoffe ein Teil der Lösung wären, und daß es statt Agrarsubventionen
oder Schutzzöllen immer freieren Handel geben müsse.
Die drei Mitveranstalter des Gipfels sind die Consultative Group on International
Agricultural Research (CGIAR), der Verbund agrarwissenschaftlicher
Forschungszentren in aller Welt, denen seit 25 Jahren der Geldhahn zugedreht
wird, so daß sie in der Not auf den Zug des Klimaschwindels aufgesprungen sind,
der International Fund for Agriculture Development (eine Schwesterorganisation
der FAO bei der UNO) sowie das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen,
das zugesehen hat, wie die jährlich verfügbare Menge an Nahrungsmittelhilfe von
15 Mio. t in den 90er Jahren auf unter 8 Mio. t im letzten Jahr gesunken ist.
Auf einer Webseite der FAO mit dem Titel „Warum jetzt eine Konferenz veranstaltet
wird“ erscheint eine Grafik, der zufolge die Landwirtschaft für 14% der
schädlichen Treibhausgase auf der Welt verantwortlich ist. Als Al Gore in
diesem Frühjahr bei Reisbauern in Indien mit diesem Unfug ankam, protestierten
sie so vehement, daß er die Flucht ergriff.
Von Februar bis April hat die FAO acht Vorbereitungskonferenzen, sogenannte
„Expertentreffen“, veranstaltet. Die Themen waren „Bioenergiepolitik, Märkte
und Handel und Ernährungssicherung“, „An den Klimawandel anpassen und ihn
abschwächen“ und ähnlicher Unfug. Die bei diesen Treffen produzierten
Schriften, die im Vorfeld des Gipfels zur Diskussion vorgelegt wurden, gehen
alle von der technikfeindlichen, malthusianischen Lüge aus, die heutige
Landwirtschaft verbrauche die Rohstoffe der Erde zu schnell. Womit
unausgesprochen behauptet wird, daß die Bevölkerungszahl gesenkt werden müsse.
Die FAO entstand, nachdem sich im Jahr 1943 Vertreter von 44 Regierungen mit
Unterstützung von US-Präsident Franklin D. Roosevelt im US-Staat Virginia
trafen und darauf einigten, eine feste Organisation für Ernährung und
Landwirtschaft zu gründen. (Eine Vorläuferorganisation war das International
Agriculture Institute, das der Verfechter des Amerikanischen Systems David
Lubin, nach dem die FAO-Bibliothek benannt ist, 1908 in Rom gründete.) Die
erste Sitzung der FAO als Teil der Vereinten Nationen fand 1945 im kanadischen
Quebec statt, 1951 wurde der Sitz nach Rom verlegt.
Anfangs sollte die Arbeit der FAO, wie das Sammeln von Daten und Erstellen von
Statistiken oder Meinungsaustausch und Diskussion, wenigstens nominell der
Bekämpfung des Hungers dienen, aber in den letzten Jahrzehnten folgte die FAO
ganz der Linie der von den Kartellen beherrschten Globalisierung, die nationale
Agrarprogramme zerstört.
Auf dem Gipfel im Juni werden Staats- und Regierungschefs, Minister, private
Vereinigungen und Nichtregierungsorganisationen erwartet. Auf der
Eröffnungssitzung sollen neben dem FAO-Generaldirektor Jacques Diouf und
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon der italienische Staatspräsident Giorgio
Napolitano und Papst Benedikt XVI. sprechen. Zu den Staatschefs, die bisher
ihre Teilnahme angekündigt haben, gehören der französische Präsident Nicolas
Sarkozy und der brasilianische Präsident Luiz Ignacio Lula da Silva, der sich
zum Vorreiter eines Weltmarkts für Biotreibstoffe gemacht hat. Im April reiste
Lula durch Afrika, um für Biotreibstoffe zu werben.
Sackgasse Biosprit
Präsident Lula personifiziert den Streit um die Antwort auf den verheerenden Mangel an
Nahrungsmitteln auf der Welt. Im Zuge des Biospritwahns wurde in den letzten
fünf Jahren ein großer Teil des Anbaus von Mais in den USA und von Zuckerrohr
in Brasilien umgestellt und dient nun nicht mehr als Essen, sondern als
Treibstoff. Es erinnert an die Britische Ostindiengesellschaft im 18. und 19.
Jahrhundert, als eine mächtige private Elite diktierte, welche Erzeugnisse wo
angebaut wurden (z.B. Jute, Indigo und Baumwolle) und wer dabei verhungern
mußte. Damals wurde das mit Kanonenbooten durchgesetzt, heute tut es die WTO,
bisher in Zusammenarbeit mit der FAO.
Im März 2007 schlossen Lula und US-Präsident George W. Bush ein bilaterales
Abkommen über Biotreibstoff, um einen Weltmarkt für Bioenergie zu schaffen,
u.a. mit der Einrichtung von Plantagen und Exporteinrichtungen in
Mittelamerika, der Karibik und Afrika sowie den USA und Brasilien. Beteiligt
sind u.a. Nikaragua, die Dominikanische Republik, Jamaika, Ghana und Kenia. Die
treibende Kraft sind dabei Konzerne wie Cargill, ADM, Louis Dreyfus, Bunge,
Leute wie George Soros oder Bill Gates, und hinter ihnen die Finanzoligarchie,
die als Antwort auf den finanziell-wirtschaftlichen Zusammenbruch eine
faschistische Wirtschaftspolitik fordern, die Hunger mit einschließt.
Führende Persönlichkeiten aus aller Welt verurteilen die Bioenergiepläne von Bush, Lula
& Co. als „Verbrechen an der Menschheit“. Am 25. April griff der Finanz- und
Wirtschaftsminister der neuen italienischen Regierung, Giulio Tremonti, mit
diesen Worten die Biotreibstoffe an und bezeichnete Al Gore als den politisch
Hauptverantwortlichen dieses Verbrechens. Der frühere US-Präsident Jimmy Carter
sagte am 29. April in einer Radiosendung in Washington, mit den Biotreibstoffen
seien „die Menschen irregeführt worden“. Der indische Finanzminister
Palaniappan Chidambaram nannte auf dem jüngsten 77. Treffen des
Entwicklungskomitees von Weltbank und IWF die Biospritwelle ebenfalls ein
„Verbrechen an der Menschheit“.
Auch in den Vereinigten Staaten erkennt man zunehmend den tödlichen Ernst der
Ernährungskrise, die sich dort bislang vor allem in explosiv steigenden Preisen
für Grundnahrungsmittel, allen voran Getreideprodukten, äußert. Am 7. Mai
brachte die demokratische Abgeordnete Sheila Jackson-Lee aus Texas im Kongreß
eine Resolution ein (Res. Nr. 344), in der gefordert wird, den weltweiten
Ernährungsnotstand festzustellen und ein Weltforum über die steigenden
Nahrungsmittelpreise und internationale Gegenmaßnahmen zu veranstalten. 46
Demokraten sind Mitunterzeichner der Resolution. Im Landtag des Staates Alabama
wurde am 8. Mai eine Resolution eingebracht, worin die Bundesregierung
aufgerufen wird, „Farmer nicht länger dafür zu bezahlen, Mais zur Verwendung
als Äthanol anzubauen, und statt dessen den Mais zum Verbrauch als
Nahrungsmittel zu verwenden“. (Den Text dieser Resolution finden Sie [url:"http://www.solidaritaet.com/neuesol/2008/21/alabama.htm]hier[/url].)
Äthanol wäre Essen für 400 Mio. Menschen!
Genug Nahrungsmittel zu erzeugen, um die Welt zu ernähren, erfordert Maßnahmen wie
Sonderkredite zur Ausweitung der Produktion und schnelle Verbesserungen der
Infrastruktur wie z.B. Straßen. Viele dieser Maßnahmen brauchen Zeit, aber es
gibt eine, die sich sofort mit sehr großem Nutzen für die Menschen umsetzen
ließe: Man sollte die Äthanolfabriken in aller Welt sofort schließen, um
gewaltige Mengen an Nahrungsmitteln und große Anbauflächen freizusetzen, damit
Millionen hungernde Menschen zu essen bekommen. Es läßt sich ausrechnen, daß
die eßbare Biomasse, aus der gegenwärtig Äthanol hergestellt wird (Mais,
Zuckerrohr, Weizen, Hirse, Zuckerrüben), Nahrung für mehr als 400 Millionen
Menschen liefern könnte! Das ist beinahe die Hälfte der Menschen, die heute als
chronisch unterernährt eingestuft werden, denen also Hunger droht.
[i]EIR [/i]geht bei dieser groben Schätzung davon aus, daß ein Scheffel (Bushel, ca. 25 kg)
eßbare Biomasse zu etwa 2 Gallonen oder 7,5 Litern Äthanol raffiniert wird.
Darüber hinaus verbraucht Biodiesel weitere Millionen Tonnen Lebensmittel
(Soja, Raps, Palmöl u.a.), die auch Teil der Nahrungskette sein könnten.
Eine gute Veranschaulichung liefert der sog. „Maisgürtel” in den USA. Er ist
das Zentrum der weltweiten Äthanolherstellung; 2007 entfielen auf ihn 24,3 Mrd.
Liter, fast die Hälfte der Weltproduktion von knapp 50 Mrd. Liter. (Es folgt
Brasilien mit 19,4 Mrd. Liter aus Zuckerrohr.) Der Mais, der gebraucht wird, um
soviel Äthanol zu erzeugen (ausgehend von 10,5 Liter Äthanol aus 25 kg Mais),
würde ausreichen, 130 Millionen Menschen mit Essen zu versorgen!
Dieser einfachen Berechnung liegt die Verarbeitung von Mais in Mehl und ähnliche
Grundnahrungsmittel zugrunde, wobei Verluste beim Warenumschlag usw.
einkalkuliert wurden. Ausgegangen wurde dabei von einer Notration von 38 kg
Getreide pro Kopf und Jahr. Von diesem Mais könnte ein Teil als Viehfutter
verfüttert werden, wie das in der Vergangenheit hauptsächlich der Fall war, und
eine geringere Anzahl von Menschen mit tierischem Eiweiß versorgen. (Man
braucht etwa acht Kilo Getreide, um ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen; bei
Schweinefleisch sind es sechs Kilo oder weniger, bei Geflügel noch weniger.)
Gleichgültig, wie grob oder verfeinert man solche Rechnungen anstellt: Sicher ist, daß viele
Millionen Menschen zu essen hätten, wenn die Lebensmittel nicht als Treibstoff
verbrannt würden. Biosprit ist Massenmord.
Als erste werden die Menschen erkranken und sterben, die in den 70 ärmsten,
besonders auf Nahrungseinfuhren angewiesenen Ländern leben. Während der
Ernährungskrise 1975 nannte man sie die „am schwersten Betroffenen“, englisch
Most Seriously Affected (MSAs).
Derzeit werden mehr als 12% der Weltmaisernte in Äthanol umgewandelt. Die USA liefern
die Hälfte davon, und über ein Viertel der US-Ernte geht heute an 139
Äthanolfabriken . Von dem Mais, der für eine große Tankfüllung Äthanol
(75 Liter) verarbeitet wird, kann ein Mensch ein halbes Jahr oder noch länger leben.
[table]
[tbody]
[tr]
[td]
[i]Tabelle 1:
Äthanolproduktion im Jahr 2007
(in Mio. Liter)[/i]
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
USA
[/td]
[td]
24.692
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Brasilien
[/td]
[td]
19.072
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
EU*
[/td]
[td]
2154
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
China*
[/td]
[td]
1837
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Kanada*
[/td]
[td]
797
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Thailand
[/td]
[td]
299
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Kolumbien
[/td]
[td]
284
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Indien
[/td]
[td]
200
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Mittelamerika
[/td]
[td]
151
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Australien
[/td]
[td]
100
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Türkei*
[/td]
[td]
60
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Pakistan
[/td]
[td]
35
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Peru
[/td]
[td]
30
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Argentinien*
[/td]
[td]
20
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
Paraguay*
[/td]
[td]
18
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
[i]Gesamt[/i]
[/td]
[td]
[i]49.590[/i]
[/td]
[/tr]
[tr]
[td]
(* Grundstoff: Getreide,
Quelle: Renewable Fuels Association)
[/td]
[/tr]
[/tbody]
[/table]
[i]Tabelle 1[/i] listet die 15 äthanolproduzierenden Länder auf, die im Jahr 2007 zusammen
eine weltweite Gesamtmenge von annähernd 50 Mrd. Litern lieferten. Wenn die
anderen Länder außer den USA, die Äthanol aus Getreide herstellen (mit *
bezeichnet), das Getreide statt dessen wieder als Lebensmittel verwendeten,
könnte man damit weitere 33 Millionen Menschen versorgen.
Es läßt sich auch berechnen, wie viele Menschen man versorgen könnte, wenn
Brasilien den Zuckerrohranbau für Äthanol auf Nahrungsmittel umstellen würde,
allerdings ist die Rechnung hier komplizierter als beim Mais. Äthanol aus
Zuckerrohr oder Zuckerrübensirup wird heute außer in Nord- und Südamerika auch
in Pakistan produziert und in die Europäische Union geliefert.
Zusätzlich zum Äthanol werden enorme Mengen an Speiseölen in Biotreibstoffe umgewandelt,
von Raps bis hin zu Soja und Palmöl. In einigen der wichtigsten Anbaugebiete
der Welt befinden sich riesige Biospritwerke im Bau. So hat z.B. in Kanada das
Unternehmen Dominion Energy Services LLC mit dem Bau einer 400 Mio. $ teuren
integrierten Biodiesel- und Äthanolraffinerie in Innisfall (Alberta) begonnen.
Sie soll jährlich mehr als 1,1 Mrd. Liter Biotreibstoff herstellen (davon ein
Drittel Äthanol aus Weizen und zwei Drittel Biodiesel aus Rapsöl). Diese
einzige Raffinerie soll 1 Mio. Tonnen Weizen im Jahr verbrauchen - das reicht, um
in derselben Zeit mindestens eine Million Menschen zu ernähren!
In Kanada stehen schon sechs Weizen-Äthanolwerke in den Provinzen Manitoba und
Saskatchewan - dem „Brotkorb“ des Landes - sowie Mais-Äthanolwerke in Ontario
and Quebec. Angesichts der Knappheit an Getreide „hungern“ die Fabriken nach
Lieferungen, so daß beispielsweise neben der riesigen Äthanolraffinerie Terra
Grain Fuels in Belle Plaine, Saskatchewan, große Mengen Weizen von Stacheldraht
gesichert gelagert werden.
Würde jemand morgen anordnen, mit diesem Wahnsinn aufzuhören, wäre es nicht leicht,
die Logistik für die Verarbeitung, Verschiffung, Lagerung und Lieferung der
Nahrung und des Tierfutters zu bewerkstelligen. Aber Landwirte, Verarbeiter,
Hilfsorganisationen und andere wissen, was zu tun ist, und sie könnten es
planen. Hunderte solcher Experten stehen international bereit, um diese
konkreten Fragen zur Nahrungsmittel-Notversorgung und zur Umstellung der Höfe
zu lösen. Menschen wollen nicht, daß Menschen verhungern.
Und indem wir diese akuten Aufgaben anpacken, sammeln wir auch die notwendige
moralische Kraft und Erfahrung, um längerfristig darauf hinzuarbeiten, die
Nahrungsmittelerzeugung so schnell wie möglich zu verdoppeln.