Paris – In einem Interview vom 11. Februar mit Les Echos rief der Bankier und Strippenzieher hinter der Bloomberg-Kampagne, Felix Rohatyn, Frankreich dazu auf, sich wieder in das NATO-Kommando zu integrieren. Rohatyn, der früher auch amerikanischer Botschafter in Frankreich gewesen war, wurde nach den Veränderungen im amerikanisch-französchen Verhältnis seit der Wahl von Sarkozy gefragt. Er sagte darauf: "Es gibt ohne Zweifel einen Fortschritt in unseren Beziehungen. Präsident Sarkozys Einstellung zu Amerika wird die transatlantische Wiederannäherung begünstigen. Sie kann auch helfen, die Rückkehr Frankreichs in das integrierte NATO-Kommando zu erreichen. Jetzt können wir zusammenarbeiten und wegweisende Antworten für wirtschaftliche, politische und militärische Fragen geben."
De Gaulle hatte 1959 begonnen, Frankreich aus dem NATO-Kommando zurückziehen, ein Prozeß, der 1966 abgeschlossen war. Er befürchtete damals vor allem, daß Frankreich in Konflikte der britisch dominierten NATO hineingezogen werden würde, die nicht im französichen Interesse lagen.
Das genau ist heute der springende Punkt beim Lissabon-Vertrag: mit ihm soll u.a. die Möglichkeit der Mitgliedsstaaten eliminiert werden, souveräne Entscheidungen über die Beteiligung an potentiellen Militäreinsätze treffen zu können. Weil viele Franzosen diese Auswirkungen nunmehr sehr deutlich sehen, wächst der Widerstand gegen den Vertrag erheblich.