Felix Rohatyn, derzeitiger Vize-Chef des Bankhauses Lehman Brothers, erläuterte in einem langen Interview mit dem New York Korrespondenten der führenden französischen Wirtschaftszeitung Les Echos am 11. Februar seine Pläne für eine "neue globale Regulierungsinstitution, die in der Lage sei, Richtlinien zu bestimmen und mit einer einzigen Stimme zu reden". Nur so könne man mit dem, was er als weit mehr als nur "eine weitere Krise" bezeichnete, nämlich einem globalen Zusammenbruch des Finanzsystems, mit ernsthaften sozialen Konsequenzen, fertigwerden. Dabei ließ er durchblicken, daß er der perfekte globale "Wirtschaftsdiktator" wäre.
In gewohnheitsmäßiger sophistischer Manier bezog sich Rohatyn auf den New Deal von Präsident Franklin Delano Roosevelt, wobei er darunter etwas ganz anderes versteht. Rohatyn sagte: "Wir benötigen heute einen neuen New Deal. Das erinnert mich an Mitte der 70er Jahre, als die Stadt New York vor dem Bankrott stand. (Die damaligen Staatschefs von Deutschland und Frankreich, ed.) Helmut Schmidt und Valery Giscard d’Estaing warnten uns, ein Bankrott von New York werden den Zusammenbruch des Dollar zur Folge haben. Die heutige Krise ist viel globaler und das ist beängstigend."
Zum Verständnis muß man wissen, daß Rohatyn damals als Chef des sog. Big MAC (Municipal Assistance Corporation) eingesetzt wurde, um New York "zu retten". Unter Verletzung der Verfassung ging dabei die Kontrolle der Stadtfinanzen de facto von den gewählten Stadtvätern auf die privaten Banken über. Priorität hatte nun die Bezahlung der Schulden auf Kosten von Löhnen und städtischen Dienstleistungen. Die damals noch beträchtliche produktive Industriestruktur New Yorks wurde in diesem Prozeß zerstört. Anfang der 90er Jahre forderte Rohatyn, diesen Mechanismus auf die ganzen USA auszuweiten.
In dem Interview wurde seine irreführende Bezugnahme auf Roosevelt weiter entlarvt, als der Journalist nämlich fragte, ob er Keynes rehabilitieren wolle oder an den "New Deal" von Franklin Roosevelt denke? Rohatyn ignorierte die (korrekte) Unterscheidung zwischen Keynes und FDR, und sagte, er halte sich für "einen glühenden Kapitalisten", aber er habe nie die Tatsache versteckt, daß er "ein Keynesianer" sei. Dann behauptete er, daß FDR den Kapitalismus gerettet habe, und zwar nicht vor dem Faschismus, sondern vor dem Sozialismus!
"Unsere traditionellen Industrien (Automobilsektor, Bauwesen, Finanzbereich, ed.) brechen alle gleichzeitig zusammen", sagte Rohatyn, natürlich ohne seine persönliche Rolle als "Pate" beim Zustandekommen vieler verheerender Firmen- und Bankenübernahmen zu erwähnen. "Das Finanzsystem wurde globalisiert…, aber die Kontrollstrukturen haben sich dem nicht angepasst. Jede einzelne Zentralbank für sich genommen ist zu isoliert und verfolgt ihre eigene Politik. Amerika hat die Zinsen gesenkt, Europa nicht. Wir bräuchten wohl eine globalere Regulierungsinstanz", so Rohatyn.
Bei seinem eigenen, korporativistischen "Infrastrukturplan" geht es darum, daß der private Finanzsektor an öffentliche Mittel herankommt. Rohatyn wies auf das amerikanische Infrastrukturdefizit von 1,6 Billionen $ hin. Deshalb sei eine "inländische Weltbank" nötig, die 60 Milliarden Dollar an Bundesmitteln bereitstellen sollte. Damit könne man dann "Kapital aufnehmen, und Geld zur Finanzierung großer Projekte bereitstellen". Diese Bank würde "nie mehr als 50% der Investitionssumme ausleihen, um die enge Beziehung mit dem Privatsektor zu sichern." Das ist völlig lachhaft, wenn man die Größenordnungen der "Finanzhebel-Wirkung" betrachtet, mit denen die "Raubritter-Fonds" in diesem Bereich heutzutage arbeiten.
Die BüSo hatte bereits im Jahr 2006 eine Flugschrift mit dem Titel "Schreibtischtäter. Sie zerstören das Gemeinwohl" herausgebracht, in der die Machenschaften Rohatyns und seiner Handlanger in Deutschland beleuchtet wurde. Die Broschüre kann man sich auf dieser Webseite herunterladen.