Die argentinische Präsidentin Cristina
Fernandez de Kirchner erklärte am 16. Mai beim EU-Iberoamerika Gipfel in Lima/ Peru, daß ihr Land das Potential hätte, ein "Nahrungsmittelmulti" zu werden mit der Fähigkeit, bis zu 500
Millionen Menschen zu ernähren. Sie sagte dies im Kontext einer Generalabrechnung mit der neoliberalen Freihandelspolitik, die die Volkswirtschaften Lateinamerikas in den 90er Jahren untergraben hatte.
Beim Forum "Armut und Ungleichheit" erinnerte
die argentinische Präsidentin daran, daß ihr Land vor 100 Jahren Rohstoff-Exporteur und die siebtgrößte Volkswirtschaft
der Erde war. Obwohl sich Argentinien heute "in einer privilegierten Position" befände, sei man
nicht daran interessiert, bloßer Rohstoffproduzent zu sein. Vielmehr sehe sie eine gemeinsame Chance
für Europa und Argentinien, "da Sie [in Europa] nicht in der
Größenordnung Nahrung produzieren können wie wir, aber wir Ihre Technologien
und Investitionen brauchen."
"Mein Land mit seinen 40
Millionen Einwohnern kann für 400 bis 500 Millionen Menschen Nahrungsmittel
herstellen. Aber wir wollen diese selbst verarbeiten und mit den veredelten Produkten handeln. Wir sind durch unsere geographische Lage, die
verschiedenen Klimazonen und die Technologie, die wir für die
Landwirtschaft entwickelten gut vorbereitet." Die Europäische
Union und Iberoamerika sollten eine "strategische Allianz gründen, die für
beide Seiten nützlich ist.
Präsidentin Fernandez de Kirchner machte die zügellosen Rohstoffspekulationen für den Preisanstieg bei Lebensmitteln
verantwortlich. Es sei doch seltsam, daß sich neben dem offiziellen
Finanzsystem, bei dem angeblich alles kontrolliert wird, ein System von
[privaten] Fonds entwickeln konnte, bei dem " niemand so recht weiß, wo sie sind und wie sie
benutzt werden. Diese haben eine der größten Krisen seit Menschengedenken geschaffen."
Fernandez de Kirchner lastete die Nahrungsmittelkrise denjenigen an, die auch die Armut verursacht hätten. Spekulation
habe heute Vorrang vor der Produktion und auf Profit werde mehr Wert gelegt als auf
produktive Arbeiter. Seit nun die Finanzwelt nicht länger die großen Gewinne
mache, seien die Spekulanten auf das Gebiet der Nahrungsmittelspekulation gewechselt und die
staatlichen oder multilateralen Kontrollbehörden schauten tatenlos zu. Auch hätten die regionalen Eliten oftmals gemeinsame Sache mit den Verursachern dieser Finanz- und Wirtschaftspolitik gemacht.
"Jetzt ist für uns wichtig, zu bestimmen, wie wir in diese Situation kamen…, um dann die
Instrumente und politischen Maßnahmen zu definieren, mit denen das Ganze rückgängig gemacht werden kann."