Das Sprachrohr der City of London, Ambrose Evans Pritchard, schrieb am 19.1. im Daily Telegraph, die Ratingagentur S&P habe am 19. Januar die spanische Kreditwürdigkeit von AAA auf AA- herabgestuft, weil Spanien als Mitglied der Eurozone ja nicht die eigenen nationalen Zinsraten bestimmen und auch seine Währung nicht abwerten könne. Jetzt müsse Spanien „politische Maßnahmen wie in den dreißiger Jahren, z.B. drakonische Lohnkürzungen, einschlagen. Man wird sehen, ob das in einer Demkratie toleriert werden wird.“ Schließlich hatten noch am letzten Sonntag 35.000 Gewerkschafter in Zaragoza demonstriert.
Lyndon LaRouche verglich diese Äußerungen mit denen von Keynes 1936, als dieser im deutschen Vorwort zu seiner "General Theory" darauf hinwies, daß sich diese Theorie besonders gut für den totalitären Staat im Unterschied zu demokratischen Nationen eigne. Evans Pritchard werde es wohl nicht gefallen, zu hören, was für ein Keynesianer er in Wirklichkeit ist.
Mit dem Schritt von S&P ist zum ersten Mal seit 2001 die Kreditwürdigkeit eines Landes heruntergestuft worden. Die Ratingagentur führte zur Begründung „strukturelle Schwäche in der Wirtschaft Spaniens“ an und prognostizierte einen Anstieg der Staatsschulden auf 18% des BIP. Die Financial Times berichtet im Zusammenhang der Abwertung der spanischen Währung von "Finanzberatern", die fürchten, dass eine Krise in Spanien oder einem anderen großen Euroland zu einem Dominoeffekt führen und den Euro auseinanderfegen könnte. Ein Artikel in der Financial Times Deutschland am 20.1. konzentrierte sich auf die immensen Unterschiede zwischen den zehnjährigen Staatsanleihen in der Euro-Zone. Der deutsche Kurs steht gerade bei 2.006, der spanische bei 4.152, der griechische bei 5.513 und mit 4.421 befindet sich Italien vor Spanien. Obwohl es theoretisch eine Übereinkunft gibt unter den Euroländern, einem Schwesterland in der Krise zur Hilfe zu kommen, muss sich dies erst noch erweisen.
Die Europäische Kommission spricht von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Spanien bis zum nächsten Jahr von jetzt 13% auf 19%. Das ist ein reales Problem, das gelöst werden muß – unabhängig von den Spekulationen der Finanzberater, Banken und Ratingagenturen, die ihr Wohlergehen ganz klar vor dem der Bevölkerung ansiedeln, und, wie Evans Pritchards Äußerung zeigt, auch keinerlei Bedenken tragen, dafür die Demokratie zu opfern.