Am 20. Januar fand im französischen Finanzministerium ein Krisentreffen mit Vertretern der Autohersteller, der Zulieferindustrien, der Gewerkschaften und der Regierung statt, um die Situation der Automobilindustrie in der Finanzkrise
zu erörtern und Soforthilfen wie auch längerfristige Lösungen zu finden. Es wird erwartet, daß mindestens 5-6 Mrd. Euro für die Rettung bereitgestellt werden. Diese und andere Anstrengungen werden Frankreich aber nicht retten, solange nicht eine Bankrottreorganisation des Weltfinanzsystems durchgeführt
wird. Aktivisten der französischen Schwesterpartei der BüSo, Solidarité et Progrès verteilten vor Ort den Aufruf zur Schaffung einer "Pecora-Kommission". Die Wut auf die Banken war allen Teilnehmern anzumerken.
Während Carlos Ghosn, Präsident von Renault-Nissan, die Situation der europäischen Autoindustrie darlegte, machte sich Katastrophenstimmung in Raum breit. „Unsere Industrie ist mit einer brutalen Krise konfrontiert, weltweit und von außergewöhnlichem Umfang … das Überleben einer gewissen Anzahl von Herstellern, Zulieferern und Händlern steht
in den kommenden Monaten auf dem Spiel." Der Automobilsektor stellt 6,4 % der Arbeitsplätze in der EU und beschäftigt 6% der berufstätigen Bevölkerung, d.h.
12 Millionen Menschen in Europa. Der Verband der europäischen
Automobilhersteller, dem Ghosn ebenfalls vorsteht, erwartet, daß allein dieses Jahr 150-200 000 Arbeitsplätze in diesem Sektor verloren gehen werden. Ein Drittel der europäischen Zulieferer sei in einer „sehr schwierigen" Situation und im Vertrieb gäbe es fünf Bankrotte täglich, berichtete Ghosn.
Die Hersteller warnten, daß die Autoindustrie untergehen werde, wenn nicht der Staat massive Unterstützung bereitstelle. Gleichzeitig stellten sie fest, daß das bisherige Rettungspaket überhaupt nicht ausreiche. Ende letzten Jahres hat
die französische Regierung eine Milliarde Euro kurzfristige Hilfe
bereitgestellt und entschieden, jedem, der sein mindestens 10 Jahre altes Auto durch ein neues ersetzt, 1000 Euro zu bezahlen. Diese Maßnahme steigerte zwar den Absatz im Dezember um 30 %, konnte aber an den grundsätzlichen Problemen nichts ändern. Das Hauptproblem bleibe die fehlende oder zu teure Kreditvergabe der Banken an die Automobilindustrie. Da wegen der hohen Anschaffungskosten zwei Drittel der Autos auf Kredit gekauft würden, hänge von der Kreditvergabe letztendlich alles ab.
Diese Forderungen greifen aber viel zu kurz. Die Lösung der Krise liegt nicht in vermehrten Konsumentenkrediten, sondern im Stabilisieren und Steigen der allgemeinen Kaufkraft der Bürger. Deshalb müssen Regierungen in wichtige, technologisch anspruchsvolle Infrastruktur- und Industrieprojekte investieren. Voraussetzung hier ist aber auch die Reorganisation des Banken- bzw. Finanzsystems. Und dazu muß mit einer "Pecora-Kommission" aufgearbeitet werden, wer das Finanzsystem derartig ruiniert hat und wie es soweit kommen konnte, daß jetzt die Realwirtschaft am Zusammenbrechen ist.