Frankreich: Kampf gegen Euthanasie beginnt

20.01.2011
Frankreich: Kampf gegen Euthanasie beginnt admin 20.01.2011

Nach der gestrigen Entscheidung der Kommission für Soziale Fragen im französischen Senat  für ein Gesetz, mit dem Euthanasie legalisiert werden soll, gehen die Verteidiger des Menschenrechts auf Leben in die Offensive. Das Gesetz soll am 25. Januar im Parlament diskutiert werden. Die französische Schwesterorganisation der BüSo, Solidarite et Progres hatte bisher am klarsten diese Angriffe auf die Menschenwürde attackiert und aufgezeigt, daß der brutale Vorstoß für Euthanasie international und in Frankreich einzig und allein zur Kostensenkung und zur Rettung des bankrotten Finanzsystems erfolgt.

Gestern veröffentlichte dann die Vereinigung "Leben mit mehr Würde" eine anti-Euthanasie-Petition, die bereits von mehr als 2000 Persönlichkeiten unterzeichnet wurde. Unter dem Vorsitz von Emmanuel Hirsch, Professor für Medizinethik an der Pariser Louis XI-Universität, wurde die Vereinigung von Persönlichkeiten wie Francoise Barret-Sinoussi, eine von zwei französischen Wissenschaftlern, die für die Entdeckung des HIV-Virus mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, ins Leben gerufen. In der Petition wird gefordert, statt Euthanasie Menschen mit tödlichen Krankheiten ihre Schmerzen zu erleichtern und sie gut bis zum Lebensende zu pflegen.

Die Zeitschrift "Le Parisien", die darüber berichtet, läßt verschiedene Unterzeichner zu Wort kommen. Prof. Israel Nisand, Gynäkologe am CHU, einem Forschungskrankenhaus in Straßburg, sagte: "…Das einzige Argument für Euthanasie ist, daß es weniger kostet als Palliativpflege. Aber jemanden aus Kostengründen zu töten, wäre ein Skandal. In der großen Mehrheit aller Fälle ist es die Isolation oder die Belastung für andere Menschen, was Patienten dazu bringt, ihr frühzeitiges Lebensende zu verlangen. Das passiert nicht, wenn jemand zuhause oder im Krankenhaus schmerzlindernd behandelt wird. Wir sollten auch mißtrauisch gegenüber Druck von Seiten der Familie sein. Mir ist es passiert, daß Familien mich gedrängt haben, ich solle ihren Verwandten umbringen, nur um an das Erbe heranzukommen."

Laurent Lantieri, der die erste vollständige Gesichtstransplantation durchgeführt hat, erklärte: "Medizinische Versorgung rettet nicht nur Leben. Sie soll vor allem die Kranken bis zu ihrem Lebensende begleiten…Medizin heißt auch, Sorge zu tragen, wenn der Kampf verloren ist, und das ermöglicht die Palliativversorgung. … Ein Gesetz zu verabschieden, das zur Euthanasie ermächtigt, heißt, die Möglichkeiten des Fortschritts der Medizin zu verneinen. Nach der ersten Transplantation erhielt ich den Brief einer Mutter, deren Kind Selbstmord begangen hatte, weil sein Gesicht entstellt war. Sie schrieb, wenn ihr Sohn gewußt hätte, das [solche Operationen] möglich sind, hätte er nie gewünscht, zu sterben. Unsere Aufgabe ist,  den Patienten bis zu seinem Tod zu begleiten und nicht, den Tod zu verursachen. Euthanasie ist keine medizinische Handlung."

Außerdem hat der Arzt und Abgeordnete der UMP, Bernard Debre, auf seiner Webseite eine aufrüttelnde Erklärung gegen das geplante Gesetz und die Legalisierung der Euthanasie veröffentlicht. Er wandte sich auch an die Webseite der Solidarite et Progres, um deren Besucher darauf aufmerksam zu machen. 

In der Erklärung unter dem Titel "Das gefährliche Mitleid" greift er diejenigen scharf an, die sich scheinheilig über das "Leiden der alten Leute" auslassen. Sie sprächen davon, deren Zustand sei "gräßlich" und behaupteten, daß diese Leute "ihre Würde verloren" hätten. Debre weiter: "Und was ist mit den armen Querschnittsgelähmten, die leiden müssen – leben die in Würde? Und die Krebskranken, die geistig Zurückgebliebenen, die Mißgestalteten, … die anderen?" "Denn  ‚die anderen’", so Debre, … "das sind die, die der Gesellschaft Kosten verursachen, und neben dem Geld auch unserer Gesellschaft ‚unsere‘ soziale Sicherheit nehmen." … "Dann sollten wir auch den Schritt weitergehen und zugeben, daß die Obdachlosen, die betrunken auf ‚unseren‘ Straßen liegen,  kein würdevolles Leben führen. Was haben sie in unseren Städten verloren, wo sie uns stören, und uns zu allem Überfluß auch noch ein schlechtes Gewissen machen?" … "Ja, das Gesetz für Euthanasie ist willkommen. Es erlaubt denen, die das wollen, oder die man glauben gemacht hat, daß sie das wollen, ganz sauber umgebracht zu werden. Dann werden sie endlich in Würde sterben." … "Hey Papa, denkst Du nicht, du solltest hier unterschreiben? Was erwartest du noch vom Leben? Verstehst du nicht, daß du eine Last für uns bist? Wir wollten schon bei der letzten Hitzewelle in Urlaub fahren! Siehst du nicht, daß Du deine Würde verloren hast?"

14000 ältere Franzosen waren während der Hitzewelle 2004 gestorben, als ihre Kinder sie allein zuhause zurückgelassen hatten und in Urlaub gefahren waren. Es gab  250 Fälle, in denen die Kinder noch nicht mal nach Hause zurückkehrt waren, um die Toten zu beerdigen.

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