Die französische Tageszeitung LaTribune bezieht sich heute an prominenter Stelle auf die Kampagne der französischen Schwesterpartei der BüSo, [url:“http://www.solidariteetprogres.org“]Solidarite et Progres[/url] und ihres Präsidentschaftskandidaten, [url:“http://www.cheminade2012.fr“]Jacques Cheminade[/url] für Glass-Steagall. Der Artikel erschien auf einer Themenseite zur Bankenreorganisation in Großbritannien, wo gestern der sog. Vickers-Bericht sehr abgeschwächte neue Bankenregulierungsmaßnahmen empfohlen hatte. In den letzten Tagen häufen sich in Frankreich Artikel über eine notwendige Bankentrennung, so z.B. gestern morgen im nationalen Radioprogramm Franco Info, in der auch der Präsident der französischen Vereinigung der Bankkunden, Serge Maitre zu Wort kam, der sich für eine solche Trennung aussprach. Es folgt der heutige Artikel in La Tribune:
„In Frankreich bevorzugt man das Universalbankenmodell – aber Kritik von Politikern mehrt sich
Auf dem Hintergrund der gegenwärtigen Probleme der französischen Banken tritt die Idee einer Trennung ihrer Geschäfts- und Investmentbankenaktivitäten schrittweise wieder in den Vordergrund. ‚Nicht die normalen Sparer sollten für die spekulativen Aktivitäten der Banken zahlen müssen,“ sagte Christine Bierre, Chefredakteurin der Zeitung der politischen Partei Solidarite et Progres, deren Präsident, Jacques Cheminade, sich seit 1995 für eine Trennung der Bankenaktivitäten einsetzt.
Bestimmte Mitglieder der Sozialistischen Partei haben diese Idee aufgegriffen, aber das waren politische Erklärungen, während niemand diese Frage wirklich studiert hat,“ sagte Christine Bierre. Die Vereinigung Französischer Banken (FBF) erklärte ihrerseits, daß es bereits eine gewisse Trennung gebe und daß die Einlagen nur dazu benutzt werden könnten, die Wirtschaft zu finanzieren.
Das Bankengesetz von 1945
Für das französische Finanzestablishment dominiert das Modell des Universalbankensystems, seitdem das Bankengesetz von 1945 abgeschafft wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte sich Frankreich entschieden, nach dem Modell des amerikanischen Glass-Steagall-Gesetzes von 1933 eine strikte Trennung zwischen Geschäftsbanken und Ivnestmentbanken vorzunehmen. In den USA wurde 1999 diese Trennung ebenfalls aufgehoben.
Einige amerikanische Firmen entschieden sich, ihre Spezialisierung fortzusetzen, wie die Investmentbank Lehman Brothers. Nachdem diese 1999 unterging, priesen französische Banken die Vorteile des Universalbanking, da sie durch eine Streuung ihrer Einkommensquellen besser vor einem Bankrott geschützt seien. Christine Bierre ist jedoch sehr besorgt über die heutige Perspektive der Anhäufung von Schulden: „Der Steuerzahler sollte nicht verantwortlich sein für Bankinvestitionen in Staatsanleihen riskanter Länder. Denn im Fall eines Bankrottes wird man wieder nach dem Staat rufen, um einzugreifen.“ Auch wenn eine Rückkehr zu Glass-Steagall nicht auf der Tagesordnung steht, so sagte jedoch ein wichtiger Bankier mit engen Beziehungen zu Nicolas Sarkozy: „Man sollte Geschäftsbanken verbieten, an Finanzhäuser und Investmentbanken Geld zu leihen. Die letzteren sollten sich ihre Geld woanders suchen – auf den kurz- und langfristigen Anleihemärkten.“