In einem Interview am vergangenen Freitag mit dem italienischen Wirtschafts- und Finanzfernsehen Class CNBC griff der frühere italiensche Wirtschaftsminister Giulio Tremonti die EZB wegen ihrer dreijährigen Billiggeldspritzen für die Banken, vornehm LTRO – Long Term Refinancing Operation“ genannt, an. „Die Krise ist nicht vorbei, alle Faktoren, die sie hervorriefen, sind immer noch da und wir befinden uns nur in einer Phase des Waffenstillstands.“ Die Spreads für italienische Staatsanleihen wären immer noch weit höher als vor zwei Jahren, auch wenn sie zwischenzeitlich etwas heruntergegangen sind. „Die Situation hat sich nicht normalisiert, wenn man bedenkt, daß sie eine Konsequenz der Tatsache ist, daß die EZB umsonst eine Billion € Liquidität herausgegeben hat. Die EZB-Bazooka gegen das Krisenmonster hat nicht funktioniert.“
Tremonti sagte, die EZB kümmere sich nicht um die Regel, daß sie keine Regierungen finanzieren darf, indem sie Geld an die Banken gibt, die dann die Regierungen finanzieren. „Die EZB verwandelt sich in etwas, was wie ein Hedgefonds ausieht, mit Sicherheiten, die keineswegs eine top-Qualität haben.“
Am 13. März hatte Tremonti bei der Vorstellung seines neuen Buches an der vatikanischen Lateran-Universität gesagt, die EZB hätte sich stärker als die Federal Reserve exponiert, mit immensen Risiken. Er wies die Idee zurück, Europa müsse sein Sozialsystem aufgeben. Stattdessen müsse man „Derivate verbieten“, die er als „teuflische Erfindung“ bezeichnete. Heutzutage habe eine große internationale Bank im Durchschnitt eine Milliarde an Derivatkontrakten.
Bei einer dritten Veranstaltung in Mailand griff er die EU-Überwachung Griechenlands an. „Man kann ein Volk nicht per Kommission regieren. Die Griechen müssen bei allgemeinen Wahlen abstimmen.“