Führende französische und belgische Ökonomen fordern Rückkehr zu Glass-Steagall

28.04.2011
Führende französische und belgische Ökonomen fordern Rückkehr zu Glass-Steagall admin 28.04.2011

In den letzten Wochen gaben drei führende Ökonomen und Unternehmer in Frankreich und Belgien der französischen Zeitung der LaRouche-Bewegung, Nouvelle Solidarité, Interviews oder Beiträge, in denen sie sich für die Rückkehr zum Glass–Steagall-Gesetz aussprachen. Wir bringen Auszüge:

* Eric Verhaeghe, Absolvent der angesehenen Nationalen Verwaltungsakademie (ENA) und früherer führender Repräsentant des französischen Unternehmerverbandes, verurteilte nachdrücklich die Idee, der „Freihandel" sei ein Naturgesetz, „gegen das der Mensch nichts tun kann". Er wies darauf hin, daß „das Finanzkapital, das in den letzten 30 Jahren [in Frankreich] diese kollossalen Familienvermögen aufgebaut hat, im wesentlichen auf der Privatisierung profitabler öffentlicher Aktivitäten aufbaute… Wenn man die größten zehn Unternehmen nimmt, die an den französischen Aktienmärkten gehandelt werden, und die zehn größten Aktiengesellschaften der Welt anschaut, kommt man zu dem gleichen Schluß: die zehn nach dem Wert ihrer Aktien größten französischen Unternehmen sind, in neun von zehn Fällen, frühere staatliche Unternehmen" – darunter Total, Electricité de France, France Telekom etc.

Auf Glass-Steagall angesprochen, antwortete Verhaeghe: „Glass-Steagall wird oft reduziert auf eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken, aber man vergißt meist die Notwendigkeit, die Banken auch von den Versicherungen zu trennen… Tatsächlich werden wir nicht in der Lage sein, die Welt nach 2008 wieder aufzubauen, ohne das Bankensystem gründlich zu reorganisieren. Ohne Glass-Steagall können die großen Banken den Steuerzahler zwingen, die Scherben zu kitten, die die Banken verursacht haben… Eine Rückkehr zum Glass-Steagall-Gesetz ist offensichtlich eine fundamentale Voraussetzung für die Lösung dieser Frage."

Auf die Frage, wie er zu den Vorschlägen von Lyndon LaRouche und Jacques Cheminade stehe, sagte er: „Die Vorschläge von LaRouche und Cheminade sind sehr sinnvoll. Sie haben dafür jedoch kein Monopol, denn das Prinzip von Glass-Steagall wird von einer bestimmten alternativen Welt zur neoliberalen Wirtschaft geteilt. Wir sollten LaRouche und Cheminade den Kredit zuerkennen, daß sie am längsten und am ausdauerndsten für diese Positionen gekämpft haben."

* Eric de Keuleneer ist Ökonom und Professor an der Solvay Business School der Freien Universität Brüssel (ULB), und er war auch Mitglied des Aufsichtsrates der belgischen Banken-, Finanz- und Versicherungskommission (CBFA). Auf die Frage, ob das System überleben könne, antwortete de Keuleneer: „Das gegenwärtige System, so wie es von der Finanzsphäre karikiert und deformiert wurde, kann nicht überleben. Es ist ein System, das dabei ist, eine große Menge an Werten zu vernichten."

Nouvelle Solidarite wies darauf hin, daß sich auch aus dem System heraus immer mehr Stimmen erheben: wie Phil Angelides von der US-Kommission zur Untersuchung der Finanzkrise (FCIC) oder selbst der Gouverneur der Bank von England, Mervyn King, die die Notwendigkeit stärkerer Regulierungen auf den Tisch bringen, wobei sogar die "Rückkehr zu den Prinzipien, die das Glass-Steagall-Gesetz definierte" verlangt wird. Dafür setzen sich Lyndon LaRouche und [der Vorsitzende der Partei Solidarite et Progres] Jacques Cheminade seit Jahren ein. Nouvelle Solidarieté fragte Keuleneer, ob er deren Vorschläge unterstütze. Seine Antwort:

„Ich unterstütze diese Ansichten voll und ganz, aber wir müssen die Lehren ziehen aus dem, was auf den Kapitalmärkten geschieht. Ich denke, ein ,einfaches‘ Glass-Steagall, wie wir es in den achtziger und neunziger Jahren hatten, d.h. eine bloße Trennung der Geschäftsbanken von den Investmentbanken, wird nicht ausreichen. Wir müssen weiter gehen und eine weitere Trennung durchsetzen, die in den dreißiger Jahren [vom Glass-Steagall-Bankengesetz von 1933] noch nicht eingeführt wurde, nämlich die Trennung der Marktoperationen von den Brokergeschäften… Deshalb denke ich, daß wir mindestens ein ,doppeltes Glass-Steagall‘ brauchen, das die Geschäftsbanken und Sparkassen auf der einen Seite vollkommen abtrennt von den Banken, die Marktrisiken auf sich nehmen, auf der anderen."

* Pierre-Henri Leroy,  Präsident des unabhängigen Analyse- und Beratungsunternehmens Proxinvest, setzt sich seit vielen Jahren für die Rückkehr zu Glass-Steagall ein. Schon 2002 betonte er in einem Artikel in Le Monde (19. 3.2002) die Notwendigkeit, die Aktivitäten der Sparkassen von denen der Investmentbanken zu trennen und das Glass-Steagall-Gesetz wieder einzuführen. Am 11. April 2011 veröffentlichten Nouvelle Solidarité und Solidarité et Progrès auf ihren Internetseiten eine gekürzte Fassung eines Aufsatzes, den er im Mai 2010 in der Zeitschrift Réalités Industrielles veröffentlicht hatte. Darin schreibt Leroy:

„In diesem Artikel vertreten wir die Ansicht… daß das System der Universalbanken, das in Frankreich Unterstützung findet, nicht nur der Hauptmotor der Finanzkrise ist, sondern auch, und dies ist weit schlimmer, ein destruktiver Faktor der Ungleichheit im zivilen Leben, ein perverses Monopol, das von der Tatsache der Verminderung der Rückzahlungsfähigkeit der Staaten zu einer neuen Finanzkrise führt, deren Ausgang noch weit unsicherer ist."

Wann beginnt diese öffentliche Debatte endlich auch in Deutschland? 

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