Fukushima – Die wirkliche Lehre aus der Katastrophe

12.03.2012
Fukushima – Die wirkliche Lehre aus der Katastrophe elke 12.03.2012

Das Seebeben und der Tsunami vor der Küste Japans am 11.3. vor einem Jahr forderten die größte Opferzahl irgendeiner Naturkatastrophe seit Menschengedenken in der industrialisierten Welt. Es wäre noch unvorstellbar schlimmer ausgefallen, wenn Japan nicht den besten Katastrophenschutz der Welt hätte. Ein Jahr danach stürzen sich die Medien immer noch auf das Schreckgespenst nuklearer Verseuchung, aber die sehr reale, drohende Gefahr zukünftiger Großbeben ruft vielmehr die grundsätzliche Frage auf: Kann man Erdbeben vorhersagen?


Das Seebeben und der Tsunami vor der Küste Japans am 11.3. vor einem Jahr forderten die größte Opferzahl irgendeiner Naturkatastrophe seit Menschengedenken in der industrialisierten Welt. Es wäre noch unvorstellbar schlimmer ausgefallen, wenn Japan nicht den besten Katastrophenschutz der Welt hätte. Ein Jahr danach stürzen sich die Medien immer noch auf das Schreckgespenst nuklearer Verseuchung, aber die sehr reale, drohende Gefahr zukünftiger Großbeben ruft vielmehr die grundsätzliche Frage auf: Kann man Erdbeben vorhersagen?

Auch wenn die etablierte Seismologie verneint, lautet die kompetente Antwort: Ja.

Um die wissenschaftliche Debatte zu verstehen, muß man sich vor Augen halten, wie in der Physik (wie in der Wirtschaftswissenschaft, mit ähnlich ruinösen Konsequenzen) an die Stelle eines rigorosen Denkens in Hypothesen ein weitgehendes Vertrauen auf statistische Methoden getreten ist. Der eigentliche Prozeß der Entstehung von Erdbeben wird immer noch kaum verstanden.

Erdbeben entstehen tief unter der Erdoberfläche, außerhalb der Reichweite direkter Beobachtung. Die Seismologie verläßt sich deshalb nahezu ausschließlich auf Untersuchungen des Spannungsaufbaus entlang tektonischer Erdfalten, mit Messungen winziger Stöße in der Erdkruste. Es gibt jedoch unwiderlegbare Beweise dafür, daß mit dem komplexen Entstehungsprozeß von Erdbeben eine VIELZAHL MESSBARER ANZEICHEN einhergehen.

Nehmen wir den Fall des japanischen Bebens. Mehrere Studien haben im Nachhinein gezeigt, daß in den Tagen und Stunden vor dem Hauptbeben eindeutige Anzeichen in Atmosphäre und Ionosphäre zu verzeichnen waren. Dazu gehörten: eine plötzliche Verringerung der Höhe der Ionosphäre über dem späteren Epizentrum ungefähr 5 Tage vor dem Erdbeben, gemessen durch Aussendung und Empfang von Radiowellen sehr geringer Frequenz in der Ionosphäre; von Satelliten entdeckte anomale Infrarot-Emissionen in der Atmosphäre über dem Epizentrum, die 3 Tage vorher einsetzten; und ein plötzlicher Anstieg des Elektronengehalts der Ionosphäre über dem Epizentrum ungefähr eine Stunde vor dem Ereignis, gemessen von GPS-Satelliten.

Entscheidend für das Studium von Erdbebenvorboten ist ein Ansatz mit vielen Parametern, also nicht nur verschiedene Messungen des gleichen Parameters (wie boden- und satellitengestützte Messungen der Elektronendichte in der Ionosphäre), sondern die gleichzeitige Messung verschiedenartiger Signale vom Erdboden, von der Atmosphäre und von der Ionosphäre aus. Da noch keine direkte Beobachtung von Prozessen tief im Erdinnern möglich ist, können solche Messungen als Wegweiser zum Verständnis dienen, welche physikalischen Prozesse an der Bildung und Auslösung von Erdbeben beteiligt sind.

Nachträgliche Abgleichungen mit der Multi-Parameter-Methode, wie für das japanische Beben, ergaben auch für andere große und mittlere Beben sehr gute Resultate. Leider gibt es viel zuwenig Geldmittel für ein größeres und integriertes „Sensornetz“ für Erdbebenanzeichen oder für Zusammenarbeit mehrerer Wissenschaftler an dieser Arbeit zur Echtzeit-Vorhersage. Die Ausnahme ist China, das ein ehrgeiziges boden- und satellitengestütztes Programm zum Aufspüren von Erdbebenanzeichen begonnen hat.

Die US-Regierung unter Präsident Obama hat mehr als alle anderen Mittel für Erdbeobachtungssatelliten und für Behörden des Katastrophenschutzes gestrichen. Wissenschaftler warnen bereits, der pazifische Nordwesten der USA könnte im Fall eines Großbebens in der Cascadia-Subduktionszone sogar noch größere Schäden als Japan erleiden.

Politisch war die Tragödie des 11.3.2011 bisher leider ein Katalysator für anti-wissenschaftliche Maßnahmen wie das Abschalten von Kernkraftwerken – wie in Deutschland. Sie sollte aber statt dessen zum Katalysator einer neuen Wissenschaft der Erdbebenvorhersage werden, um in Zukunft Millionen von Menschen das Leben retten zu können.

Scroll to Top