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Gastbeitrag: Nur in Zusammenarbeit mit Rußland kann IS gestoppt werden

[i]Der folgende Gastbeitrag über die terroristischen Angriffe am 13. November 2015 in Paris stammt von Oberst (d. R.) Alain Corvez. Alain Corvez ist Berater für internationale Strategie in Paris.[/i]

[b]Samstag, 14. November 2015[/b]

[list]Die terroristischen Angriffe in Paris gestern Abend wurden auf Befehl des Islamischen Staats (IS) organisiert und ausgeführt, der sich auf seine übliche widerliche Art zu den Taten bekannt hat. Die Gleichzeitigkeit der Taten und die ausgewählten Orte zeigen, daß es sich um eine gegen Frankreich gerichtete, im Voraus geplante und koordinierte Kriegsoperation handelt.
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Weitere Anschläge dürften folgen, da die terroristische Organisation über Selbstmordkandidaten verfügt, von denen einige in ihren Kampfeinheiten in Irak und Syrien ausgebildet wurden und in der Welle von Flüchtlingen nach Frankreich zurückkommen werden, um ihre Schandtaten zu verüben, oder sich schon hier befinden.

Die französischen Moslems, die friedlich in das Leben des Landes integriert sind, werden ohne großes Nachdenken durch Willkürakte zu unschuldigen Opfern.

Unsere Sicherheitskräfte verrichten kompetent und wirksam ihre Arbeit, wobei sie von den am 11. Januar dieses Jahres erlassenen neuen gesetzlichen und rechtlichen Bestimmungen unterstützt werden. Aber sie können nicht mit den Hunderten, ja wahrscheinlich Tausenden potentiellen Terroristen fertigwerden, die sich auf unserem Staatsgebiet befinden und die ohne Rücksicht auf ihr Leben und oft unter dem Einfluß von bewußtseinsverändernden Drogen Taten verüben könnten, sobald ihre Kommandeure in IS oder Al-Kaida den Befehl dazu geben.

Die vom Ministerrat ergriffenen Maßnahmen werden das Vorgehen unserer Sicherheitskräfte erleichtern und unseren Schutz vor der terroristischen Bedrohung erhöhen, aber sie lösen das grundlegende Problem nicht, das sich aus der Situation im Nahen Osten und ganz besonders in Syrien ergibt.

Syrien ist ein Schmelztiegel des Terrorismus, unterstützt seit nahezu fünf Jahren durch sunnitische Staaten: Saudi-Arabien und seine Verbündeten auf der Arabischen Halbinsel, Katar und Türkei, die mit absurd hartnäckiger Absicht das Ziel verfolgen, den säkularen syrischen Staat umzustürzen, ein Ziel, das auch von westlichen Mächte verfolgt wird, die sich an der Finanzierung und Bewaffnung „aufgeklärter“ Barbaren beteiligt haben, weil der syrische Staat nicht ihren Anordnungen und langfristigen geopolitischen Zielen gefolgt ist.

Wir müssen aufhören, den Kopf in den Sand zu stecken, wenn wir wirklich gegen die Terroristen kämpfen wollen, deren Taten sich bei uns wiederholen können. Wir müssen uns mit Rußland zusammentun, das seit kurzem einen echten Kampf gegen den Terrorismus führt, indem wir unser Vorgehen mit Rußland koordinieren, anstatt Rußland ständig zu kritisieren. Auch müssen die russischen Vorschläge für eine politische Lösung der Krise in Syrien unterstützt werden: Hilfe bei der Wiederherstellung der rechtmäßigen Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet, Einleitung eines landesweiten Dialogs unter Schirmherrschaft der Großmächte und der UNO, der zu Wahlen führt, bei denen die Syrer selbst über ihr Schicksal und ihre Führung entscheiden.

Die Terroristen in Syrien und in Irak werden letztlich nur mit Hilfe von Bodentruppen, bestehend aus den irakischen und syrischen Streitkräften und unterstützt durch die internationale Gemeinschaft, vernichtet werden können. Es ist in der Tat undenkbar, daß nichtarabische Streitkräfte in großer Zahl in dieser Region in Erscheinung treten. Es wird aber viele Soldaten brauchen, um die Oberhand zu gewinnen.

Ebenfalls unverzichtbar ist die Wiederaufnahme unseres Austauschs mit dem syrischen Geheimdienst, der auf der ganzen Welt am besten über die terroristische Bewegung informiert ist, was eine Wiederherstellung des Dialogs mit den politischen Behörden bedeutet. Das ist eine dringende Notwendigkeit für unsere Sicherheitskräfte.

Der Krieg gegen den Terrorismus ist ein weltweiter Krieg: Ausreden und doppeltes Spiel sind deshalb ab sofort untersagt. Staaten, die es können, sollten von den sunnitischen Staaten, die den Terrorismus unterstützen, verlangen, sich klar für eine Seite zu entscheiden und sich nicht hinter der Scheinheiligkeit zu verstecken, daß sie angeblich nicht wissen, was ihre Geheimdienste oder ihre am Konflikt beteiligten Landsleute machen. Es muß auch Schluß damit sein, feine, aber erlogene Unterscheidungen zwischen „gemäßigten“ Terroristen und anderen zu machen; die amerikanische Erfahrung beweist deutlich das Fiasko dieser Unterscheidung.

Nur um diesen Preis kann der Krieg gewonnen werden. Ansonsten wird die Welt für lange Zeit mit dieser Bedrohung leben müssen.[/list]