Die gegenwärtige Weltfinanzkrise

22.09.2007
Die gegenwärtige Weltfinanzkrise admin 22.09.2007

Von Lyndon LaRouche

Die Aufgabe, die ich
hier heute zu erfüllen habe, ist ungewöhnlich, und ich habe sie mir nicht
unbedingt selbst ausgesucht. Sie hat sich uns aufgedrängt. Wir sind jetzt an
dem Punkt angelangt, wo ein Zusammenbruch der gesamten Zivilisation droht. Wir
haben es nicht bloß mit einer Wirtschaftsdepression zu tun. Über den Punkt sind
wir längst hinaus. Wir sind an dem Punkt, wo eine Kettenreaktion droht. Ein
weiterer schwerer Einbruch des US-Dollars – der in den jüngsten Monaten schon

Von Lyndon LaRouche

Die Aufgabe, die ich
hier heute zu erfüllen habe, ist ungewöhnlich, und ich habe sie mir nicht
unbedingt selbst ausgesucht. Sie hat sich uns aufgedrängt. Wir sind jetzt an
dem Punkt angelangt, wo ein Zusammenbruch der gesamten Zivilisation droht. Wir
haben es nicht bloß mit einer Wirtschaftsdepression zu tun. Über den Punkt sind
wir längst hinaus. Wir sind an dem Punkt, wo eine Kettenreaktion droht. Ein
weiterer schwerer Einbruch des US-Dollars – der in den jüngsten Monaten schon
beträchtlich im Wert gefallen ist – würde China ruinieren, Indien unvorstellbar
schaden und Europa verheeren.

Europa, China, Indien und andere Länder könnten einen
plötzlichen Zusammenbruch des Dollars der Art, wie er jetzt ansteht, nicht
überstehen.

Und das ist ein Prozeß, der schon läuft.

Wir leben also in einer ungewöhnlichen Zeit. Es ist nicht
nur eine Depression, der wir ins Auge sehen müssen: Es ist die Gefahr eines weltweiten,
langen neuen finsteren Zeitalters der Menschheit.

Folgende Frage stellt sich dabei: Läßt sich die Gefahr in
diesem Stadium noch abwenden? Das hätte schon längst stattfinden müssen, aber
in der Geschichte kommen notwendige Entscheidungen manchmal sehr spät. Erst
wenn die Zustände völlig haltlos geworden sind, sind die Menschen bereit, ihre
Torheiten, die zu den Ursachen der Krise beitrugen, aufzugeben.

In einem solchen Zustand sollte man nicht zurückblicken und
sagen: „Wir pochen auf unsere Traditionen." Menschen in meinem Alter oder noch
ältere, wie Amelia Robinson, verstehen die Tradition, die heute in der Welt
herrscht, am besten.

Wir lebten schon, als die großen Veränderungen kamen. Die Veränderung,
wie ich sie selbst erlebt habe, begann während meines Militärdienstes im
Ausland. Gegen Ende meiner Dienstzeit in Indien starb Präsident Roosevelt. Bei
der Gelegenheit kamen einige Soldaten zu mir und fragten: „Können wir uns heute
abend mit dir treffen?" Sie sagten, nicht, worum es sich handelte, aber ich
hatte einen Verdacht, was es war. Sie stellten mir dann die Frage: „Was meinst
du, kommt nach Franklin Roosevelts Tod auf uns zu? Was wird aus uns, jetzt, wo
Roosevelt tot ist?" Ich antwortete ihnen aus dem Stegreif: „Was ich sagen kann,
ist: Wir haben einen Krieg unter einem großen amerikanischen Präsidenten erlebt
und mitgekämpft.

Jetzt liegt unser Schicksal in der Hand eines sehr kleinen
Menschen – und ich habe Angst um uns."

 

[/url]

Das Begräbnis von Franklin Roosevelt. Sein Tod veränderte den Lauf der Nachkriegsgeschichte

Als ich dann aus Nordburma, wo ich gegen
Ende des Krieges stationiert war, in die USA zurückkehrte, hatte das, was ich
mit Roosevelts Tod befürchtet hatte, schon eingesetzt.

 

Unter Franklin Roosevelt waren die Vereinigten Staaten ein
sehr wackeliges Bündnis mit dem britischen Empire eingegangen. Das britische Empire
war die Einrichtung gewesen, die Hitler in Deutschland an die Macht gebracht hatte.
Ich meine nicht nur das Vereinigte Königreich, sondern das Empire, wofür die
Bank von England und die beteiligte Konstellation von Finanzinstitutionen typisch
sind. Sie sind das britische Empire, das dem Vorbild des mittelalterlichen
Venedig folgt: Eine Gruppe von Bankiers – wie ein Haufen Parasiten – schafft
sich ein Reich und sucht sich dazu Regierungseinrichtungen, die nach ihrer Pfeife
tanzen. Roosevelt hingegen war entschlossen, diese Dinge auszumerzen.

Aber: Um Hitler zu besiegen, mußte er ein Bündnis mit Großbritannien
eingehen. Er mußte die Briten sogar dazu zwingen, weil sie es nicht wollten!
Sie mochten Hitler! Sie hatten ihn sozusagen erfunden! Sie hatten ihn an die
Macht gebracht. Dabei halfen ihnen ein paar Leute in den Vereinigten Staaten –
beispielsweise das Bankhaus Harriman, das zu einem früheren Zeitpunkt für
seinen Rassismus bekannt gewesen war. Und der Großvater des heutigen
Präsidenten der Vereinigten Staaten, Prescott Bush, war der Generalsekretär der
Firma Brown Brothers Harriman, der quasi den Scheck ausstellte und einer deutschen
Bank Geld überwies, als die Nazis pleite waren, und so die NSDAP rettete! Die
britische Monarchie und ihr Stellvertreter, Hjalmar Schacht, brachten Hitler an
die Macht.

Wir mußten Hitler loswerden.

Doch das konnten die USA allein nicht schaffen. Wir hatten
in der Angelegenheit ein Bündnis mit der Sowjetunion, doch wir brauchten auch
das Bündnis mit den Briten.

 

[/url]

Montgomery hat den Krieg in Europa massiv verlängert

Der Umstand, daß wir in England einen unzuverlässigen
Verbündeten hatten, machte uns im Laufe des Krieges schwer zu schaffen. Ich
habe einmal einen deutschen General getroffen, der im Krieg als Oberst in Nordafrika
gewesen war – ein außergewöhnlicher Mann, ein großer Kenner des Völkerrechts.
Bei unserer ersten Begegnung fragte ich ihn: „Herr General, sind Sie mit mir
einer Meinung, daß Montgomery der schlechteste Kommandeur im ganzen Zweiten
Weltkrieg war?" Er antwortete: „Über Montgomery kann ich nichts Schlechtes
sagen. Er hat mir das Leben gerettet! Ich habe beim Rückzug von Ägypten Rommels
Nachhut kommandiert, und wenn er mich nur ein einziges Mal in der Flanke
angegriffen hätte, wäre ich tot!" Wer Montgomery kennt, weiß, was er bei der
Operation „Market Garden" (im September 1944) angerichtet hat: Er hat den Krieg
in Europa massiv verlängert, indem er die Erste Armee auf schlechten Straßen fahren
ließ, so daß die Truppen nicht rechtzeitig zur Verstärkung der abgesetzten
Fallschirmspringer eintrafen.

 

Ohne Montgomery wäre der Krieg Ende 1944 vorbei gewesen.

Aber man hatte ihn gerade deshalb in diese Position
gesteckt, weil er so unfähig und ein so schlechter General war. Churchill
wollte diese Inkompetenz! Churchill zog fähige Kommandeure auf britischer Seite
ab, weil er Angst hatte, daß die Alliierten den Krieg sonst „zu früh" gewinnen würden.
– Solcher Art waren die Probleme, mit denen wir es zu tun hatten.

Was geschah nun also, als Roosevelt starb? Die Briten waren
fest entschlossen, daß Roosevelts Programm für die Nachkriegswelt niemals umgesetzt
würde – denn dies bedeutete, den Kolonialismus in allen seinen
Erscheinungsformen auszumerzen.

In seiner Rede in Casablanca, wo er darüber mit Churchill gestritten
hatte, sagte Roosevelt es ganz ausdrücklich: „Schauen wir diesen Teil Afrikas
an: Was können wir nach dem Krieg tun? Was können wir tun, um dieses Gebiet
wiederaufzubauen?" Er beschrieb es ganz klar. Roosevelts Plan war, das britische
Empire und den Kolonialismus überhaupt für immer abzuschaffen.

Als ich dann aus Nordburma nach Kalkutta zurückkehrte, als
Truman und nicht mehr Roosevelt Präsident war, sah ich alles schon in Aktion.

Ich habe es überall in Südostasien gesehen. Die japanischen
Truppen hatten sich den Kräften von Ho Chi Minh, die ein Verbündeter der USA waren,
ergeben. Doch die Briten gaben Befehl, die japanischen Truppen aus den
Gefangenenlagern freizulassen und ihnen die Waffen zurückzugeben, damit sie
Indochina wieder besetzten. Erinnern Sie sich daran, wozu das alles führte? Die
Kriege der Franzosen und die anderen Kriege in Indochina? Und was richteten die
verdammten Niederländer in Indonesien ganz ähnlich an? Es war ein langer Krieg,
um zu verhindern, daß es Entwicklung gab. Es wurden Bürgerkriege und die
Teilung Indiens in Gang gesetzt.

Ähnlich war es in Afrika. Afrika ist der schlimmste Fall!
Was die Briten in Afrika angestellt haben, ist eines der größten Verbrechen an
der Menschheit, das man sich vorstellen kann. Und das fing schon mit Kitchener 1898
an.

Das waren die Zustände.

Bedrohung des Empire

[/url]

 

Roosevelts Vorstellungen und Bündnisse für
die Nachkriegszeit folgten bestimmten Grundsätzen. Das erste war, Rußland und
China in einen Block einzubinden – auch wenn China größtenteils am Boden lag -,
um die Vereinten Nationen zu gründen.

Die Vereinten Nationen sollten ein Forum sein, um Gebiete,
die Opfer von Kolonialismus und ähnlichem waren, zu befreien. Es sollten neue
Nationen aufgebaut werden, denen man in ihrer Entwicklung beistehen würde. Es
sollte eine Gemeinschaft völlig souveräner Nationalstaaten auf diesem Planeten
entstehen: Alle Nationen wären absolut souverän, aber das verbindende Element wären
die Lehren aus dem gerade beendeten Krieg: Die Menschen mußten zusammenzuleben,
um die gemeinsamen Ziele der Menschheit zu erreichen. Die Kulturen sind
verschieden, aber das angestrebte Ziel ist das gleiche – ganz oben stehen die
gemeinsamen Ziele der Menschheit.

Es sollte eine Nationengemeinschaft entstehen, die als Kraft
verhindert, daß so etwas je wieder geschehen würde.

Doch verräterische Elemente in New York und anderswo zwangen
den Vereinigten Staaten eine britische Politik auf, die das genaue Gegenteil davon
war.

Vor allem haben wir Amerikaner auf Churchills Stichwort hin
der Sowjetunion praktisch den Krieg erklärt.

Bertrand Russell, der große Liberale, schlug sogar einen
vorbeugenden Atomschlag gegen die Sowjetunion vor, obwohl die Vereinigten Staaten
gar keine solchen Waffen mehr hatten, weil die letzten beiden Prototypen auf
Hiroshima und Nagasaki abgeworfen worden waren.

Dabei war dieser Angriff völlig unnötig gewesen: Japan war
schon besiegt, und über den Vatikan waren die Kapitulationsbedingungen mit Kaiser
Hirohito ausgehandelt. Aber auf Drängen Churchills und anderer Briten nahm die
Regierung Truman Japans Kapitulation nicht an. Alles war schon mit dem Büro für
besondere Angelegenheiten im Vatikan, dessen Leiter der spätere Papst Paul VI.
war, ausgehandelt. Die USA hätten die Kapitulation nur noch mit dem Mikado, dem
Büro des Kaisers, vereinbaren müssen, das war alles.

Sonst hätte der Mikado keine Befugnis gehabt, den eigenen
Truppen die Einstellung der Kämpfe zu befehlen.

 

[/url]

Japan war hoffnungslos geschlagen! Die japanische Hauptinsel
war unter einer vollständigen Blockade der amerikanischen Luftwaffe und Marine.
Die Japaner konnten weder raus noch rein. Es kamen keine Nachschublieferungen
mehr durch, und eigene Rohstoffe hatten sie nicht. Japan war eine besiegte,
zerstörte Nation; nur über eine Insel hatte die Regierung noch geringe Kontrolle.
Aber die USA verlängerten unnötig den Krieg, weil die Briten es so wollten! Dann
begannen die Aggressionen gegen die Sowjetunion, weil man dachte, die
Sowjetunion wäre nicht in der Lage, schnell genug eigene Kernwaffen gegen die
Briten zu entwickeln.

 

Sobald sich aber etwa 1948 herausstellte, daß die Sowjetunion
bereits solche Waffen baute, wurde das Vorgehen wieder geändert, jedenfalls zum
Teil. Das war dann das Aus für Truman.

Aber ansonsten bestand der Plan in einer Rückkehr zum
britischen Empire. Das britische Weltreich war praktisch mit dem Pariser
Friedensvertrag von 1763 gegründet worden.

Derselbe Vertrag brachte die Patrioten in Amerika zu der
Überzeugung, daß sie darum kämpfen müßten, sich von diesem neuen britischen Empire
zu befreien, und das führte zur Amerikanischen Revolution.

Nur die Verräter und Schurken in unserem Land verhielten
sich noch loyal zu den Briten. Die Welt lebte unter einem britischen Weltreich.

Später bedrohten die Vereinigten Staaten als Nation das
Empire, als wir die britischen Agenten im eigenen Land, die Konföderierten,
besiegten, die ein Geschöpf des britischen Empire, von Lord Palmerston, waren.

Wir waren siegreich, und wir bauten eine kontinentale Nation
auf.

Das war immer unsere Politik: die Grenze zu Kanada wahren,
die Grenze zu Mexiko wahren und sonst den Atlantik und den Pazifik als Grenze haben.
Wir wollten uns immer als ein kontinentaler, souveräner Nationalstaat entwickeln.

Und das taten wir auch. Wir taten es mit transkontinentalen
Eisenbahnen und anderem. Wir taten es mit der Einwanderung aus Europa und anderen
Erdteilen. Wir holten Deutsche aus verschiedenen Teilen Deutschlands in die
Vereinigten Staaten und gaben ihnen bestimmte Gebiete, z.B. in den Dakotas oder
Nebraska. Das waren Landwirte, Farmer, die Land und andere Hilfen erhielten.

Wir bauten ein Versorgungsnetz auf. Wir wurden der mächtigste
unter allen Nationalstaaten auf der Erde! Und das unter Bedingungen des
Bürgerkriegs.

Das entfesselte auch in Europa den Wunsch, sich vom
britischen Empire zu befreien. Das war u.a.

nach dem Sturz Napoleons III. in Frankreich spürbar. In
Deutschland war das besonders ausgeprägt: Bismarck reagierte auf den Erfolg
Amerikas und bot dem britischen Empire die Stirn – nicht indem er auf Krieg ausging,
sondern mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung. Der große
Wissenschaftler Mendelejew besuchte 1876 die Jahrhundertfeier in Philadelphia
und überzeugte nach seiner Rückkehr den Zaren, die transkontinentale
(transsibirische) Eisenbahn zu bauen. Deutschland wollte Eisenbahnen von Berlin
nach Bagdad bauen. Es gab große Eisenbahnprojekte.

In Deutschland wurden auch große Rechtsreformen in Angriff
genommen. Die Bismarckschen Reformen 1877-79 waren direkt mit maßgeblichen
Kreisen der Lincoln-Tradition in den Vereinigten Staaten abgestimmt.

Das gefiel dem britischen Empire nicht. Denn wenn die
Nationen Europas und Eurasiens ihre Territorien mit Eisenbahnen entwickelten,
so wie wir es mit den transkontinentalen Bahnen in den Vereinigten Staaten getan
hatten, dann hätten sie Möglichkeiten, Güter über lange Entfernungen weit
effektiver zu transportieren als auf dem Seeweg.

Das war der springende Punkt.

Wenn man das eigene Territorium unter wirksamer Kontrolle
hat und moderne Wissenschaft und Technik einsetzt, verwendet man keine
ineffizienten Methoden für den Gütertransport wie den Seetransport, sondern benutzt
den Landweg. Jeder Zentimeter Bewegung eines gut organisierten Massentransports
zu Lande steigert die Produktivkraft der Volkswirtschaft! Bewegung zur See an
sich trägt dagegen nichts zur Wirtschaftlichkeit bei. Das ist der Schwindel der
Geopolitik.

[/url]

 

Heute ist mit der Magnetbahn und mit verschiedenen anderen Großprojekten
eine Zeit angebrochen, wo wir Systeme bauen können, um auch Gebiete zu
entwickeln, die vorher als völlig unwirtlich und unzugänglich galten. Wie nie
zuvor in der Menschheitsgeschichte haben wir jetzt die Mittel an der Hand, den
ganzen Planeten zu verwandeln, die Arbeitsproduktivkraft zu heben und würdige
Lebensbedingungen zu schaffen. Mit neuen Formen des Massenverkehrs zu Lande,
mit der Betonung auf Kernkraft, mit höheren Formen der Kernspaltung zur
Herstellung von Isotopen und ähnlichen Stoffen lassen sich sonst unzugängliche
Gebiete des Planeten erreichen, wo Rohstoffe lagern. Gleichzeitig brauchen die
gewaltigen Bevölkerungsmassen in China, Indien und anderen Ländern dringend
solche Technologien und Stoffe. Dann können wir darangehen, die Versorgung mit
solchen Materialien für die Entwicklung der Menschheit selbst in den ärmsten Teilen
der Welt sicherzustellen. Wir haben das Potential dazu.

Eine solche Entwicklung stellt für das Empire eine Bedrohung
dar. Die Vereinigten Staaten, die 1945 die mächtigste Nation waren, die jemals existierte,
sind heute ein Trümmerhaufen. Und abgesehen von den Kernwaffen haben sie nicht
mehr viel Macht auf der Welt. Sie sind ruiniert.

Der eigentliche Streitpunkt ist schon immer, besonders seit
dem Westfälischen Frieden von 1648, die Entwicklung souveräner Nationalstaaten auf
der ganzen Welt. Wir haben in Europa, in den Vereinigten Staaten und anderswo
gezeigt, daß das möglich ist. Nun muß diese Aufgabe weitergeführt werden. Aber schon
dieses Ziel, eine solche Welt zu schaffen, ist für Imperien jeder Form eine
Bedrohung. Deshalb war das, was die USA unter Roosevelt darstellten die größte
Bedrohung, die das britische Empire jemals erlebt hatte. Und all das Schlechte,
das mit der Welt seit Roosevelts Tod geschehen ist, geht auf Kräfte um die anglo-holländischen
Liberalen Europas in Verbindung mit verräterischen Elementen in meinem eigenen Land
zurück. Zu diesen verräterischen Elementen gehörten einige unserer früheren
Präsidenten – dazu noch Hohlköpfe, wie der amtierende.

Der Streitpunkt bei der Geopolitik ist daher immer noch
derselbe.

Doch heute geht es nicht um die Geopolitik von „Landmasse
oder Meer", denn die lange Zeitspanne, in der die Seemacht der Landmacht überlegen
war, ist jetzt wegen des technischen Fortschritts zuende gegangen.

Wir haben den Punkt erreicht, an dem wir durch die
Entwicklung der Landfläche wirtschaftlich viel mehr bewirken können als über
die Meere. Natürlich werden die Ozeane weiter genutzt. Im Ozean lagern viele
Rohstoffe, die erschlossen werden können, und wir Schwindel mit der sogenannten
globalen Erwärmung. Kein kompetenter Wissenschaftler glaubt an die globale
Erwärmung – es sei denn, er lügt. Er kann es nicht glauben. Es widerspricht jeder
Wissenschaft, es gibt keinerlei Beweise, die das stützen.

Aber es gibt dieses „grüne" Denken, das auch benutzt wurde,
um in Deutschland die Kernkraft und anderes kaputtzumachen. Zusammen mit der
Revolution im Militärwesen kennzeichnet das eine Veränderung der allgemeinen
Eigenschaften der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern.

Das ist eine neue Variante der Tradition des
Apollo-Dionysos-Kultes, den wir z.B. in den 50er Jahren bei der Paris Review
sahen.

[url:“artikel/praesident-eisenhowers-warnung“]

[/url][url:“artikel/praesident-eisenhowers-warnung“]
Eisenhower bezeichnete das in den letzten Tagen seiner
Präsidentschaft als den „militärisch-industriellen Komplex"[/url]. Was er damit
meinte, war das, was unter Führung der Briten mit Roosevelts Tod und Trumans Amtantritt
geschehen war: Wir waren auf dem Weg zu dieser „Reform des Militärwesens", um
die Armee von Staatsbürgern abzuschaffen! Die nationalen Streitkräfte als solche
sollten abgeschafft werden, und die militärische Macht sollte immer mehr in
private Hände übergehen.

Das ist echtes Empire! Das ist das Neue Weltreich, die neue
Form dessen, was Gibbon in Verfall und Untergang des Römischen Reiches dem Kopf
der britischen Unternehmungen, Lord Shelburne, vorschlug.

Im Mittelpunkt steht immer das anglo-holländische liberale
System, vertreten durch das britische Empire.

Da liegt das Problem.

Das sind demnach keine Kriege zwischen Nationen. Das steckt
nicht dahinter. Was dahinter steckt, ist ein Machtkampf um das Erbe des
Imperiums, seit der Zeit vor dem Florentiner Konzil im 15. Jh. bis heute. Seine
Vertreter sind entschlossen, den souveränen Nationalstaat als Institution auf
der Erde auszumerzen und statt dessen die „Globalisierung" durchzusetzen.

Ich führe hierzu unter dem nächsten Thema folgendes Beispiel
an, nämlich das Problem, daß Europa, und insbesondere West- und Mitteleuropa, nicht
funktionieren. Warum? Weil der Maastricht-Vertrag in seiner jetzigen Form die
Souveränität der Nationalstaaten West- und Mitteleuropas zerstört hat.
Souveräne Entscheidungen auf der Grundlage des nationalen Interesses sind für das
Volk oder die Regierungen dieser Nationen nicht möglich, solange es bei dieser
Abmachung bleibt. Der Maastricht-Vertrag hat dies bewirkt.

Deswegen läßt sich die notwendige große Reform, auf die ich
jetzt zu sprechen komme, von keiner Regierung in West- oder Mitteleuropa in Angriff
nehmen. Es ist unmöglich! Europa hat durch Maastricht seine Unabhängigkeit,
seine Souveränität verloren. Maastricht war ursprünglich ein britischer
Vorschlag, dem sie selber aber nicht gefolgt sind. Er war nur für die anderen
gedacht, nicht für sie selbst.

Alles hängt somit von jenen Nationen ab, die noch ein
Verständnis von Souveränität in Verbindung mit Macht haben, um jene Reformen zu
verwirklichen, die all das rückgängig machen müssen, was seit dem Tod von
Präsident Roosevelt falsch gelaufen ist. Darum geht es bei allen wichtigen
Auseinandersetzungen auf der Welt.

Es kommt also darauf an, daß die Vereinigten Staaten ihr
wirkliches Eigeninteresse wiederentdecken.

Das von mir vorgeschlagene Gesetz zum Schutz der
Hausbesitzer und Banken, das jetzt im US-Kongreß aufgegriffen wird, ist eine
solche Maßnahme, die das amerikanische Volk dazu mobilisieren wird, sich wieder
auf seine Souveränität zu besinnen.

Unter diesen Bedingungen hat der Präsident Rußlands
unverdrossen und vollkommen richtig die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten
gesucht, seit er sich das erste Mal mit Bush getroffen hatte.

Und Putin hat diese Politik bis heute beibehalten. Auch in
wichtigen amerikanischen Institutionen wird die Diskussion mit der Regierung
Putin weitergeführt. Sie wären überrascht zu hören, welche Namen hierbei
auftauchen, aber es geschieht.

Nur wenn die Vereinigten Staaten dieses Potential realisieren
und mit Rußland zu einer Vereinbarung kommen, die auch auf China und Indien
ausgedehnt werden muß, besteht die Möglichkeit einer Initiative, um die
Entwicklung vom Untergang weg in Richtung auf eine Wende zu einem neuen System
zu lenken.

Daß bedeutet nicht, daß jetzt vier Mächte die Welt regieren
sollen; es ist aber eine initiierende Kraft erforderlich, an der sich die
Nationen dieser Welt orientieren können. Es braucht eine Autorität, um die sich
andere versammeln können, um dann zu sagen: „Ich will auch mitmachen." Man kann
auch die Vereinten Nationen einsetzen, so wie Roosevelt sie als Instrument
vorgesehen hatte, um auf der Welt ein System wirklich souveräner
Nationalstaaten zu schaffen.

Unser heutiges Problem begann mit dem Tode Roosevelts. Alle
anderen Fragen sind Irreführungen, die oft von Leuten in die Welt gesetzt werden,
die uns von den wirklichen Problemen ablenken wollen.

Ein öffentliches Kreditsystem schaffen

Hier taucht nun ein
spezielles Problem auf, bei dem ich ein wenig technisch werden muß, aber das
ist nötig: Es ist kein Weg vorstellbar, auf dem das zwischen den Nationen oder
auch innerhalb einzelner Nationen bestehende Währungs- und Finanzsystem
gerettet werden könnte.

Der Bankrott innerhalb des bestehenden Finanzsystems ist
soweit fortgeschritten, daß es unmöglich ist, auch nur Teile davon im Rahmen des
Systems zu refinanzieren. Es gibt nur eines zu tun, und daraus ergibt sich das
einzige, was funktionieren kann: Das gesamte internationale Währungs- und Finanzsystem
muß für bankrott erklärt werden.

Technisch läßt sich das leicht ausführen.

[/url]

 

Da alle Bereiche derart ineinander verflochten sind, gibt es
gar keine einzelnen nationalen Währungs- und Finanzsysteme mehr. Den Banken der
Vereinigten Staaten, den Banken Europas gehört nichts mehr. Sie werden von den Hedgefonds
kontrolliert. Die Hedgefonds haben die Banken wie ihre Privattoilette benutzt,
die sie ab und zu für ihre Notdurft aufsuchen. Die Banken selbst haben
keinerlei Ressourcen mehr. Es geht nicht darum, sich darauf zu einigen, wie
viele Cents der Dollar noch wert ist. Es gibt im Rahmen des Systems keine Reform,
die funktionieren würde.

Wenn es schon nicht auf nationaler Basis funktioniert,
funktioniert es auch nicht im System insgesamt.

Die Monetaristen können alle entlassen werden, wir brauchen
sie nicht mehr. Tatsächlich wäre es gut, wenn wir sie alle loswerden könnten! Wir
müssen uns auf ein völlig neues Weltsystem vorbereiten, und das wird nur mit
bestimmten Schritten gehen. Die Lösung sieht folgendermaßen aus: Mein neuer
Gesetzesvorschlag zum Schutz von nicht nur mit Hypotheken überschuldeten Privathaushalten,
sondern aller Haushalte, und von rechtmäßigen Banken – die ihr Geschäft damit
betreiben, daß sie Spareinlagen verwalten und Kredite vergeben – muß umgesetzt werden.
Wir brauchen diese Banken, weil Städte und Gemeinden sie brauchen. Ohne die
Banken läuft in den Kommunen nichts. Deshalb müssen solche Banken, selbst wenn sie
bankrott sind, im Rahmen dieses Gesetzes geschützt werden.

Außerdem: Kein Hausbesitzer darf wegen gerichtlicher
Vollstreckung einer Hypothek aus seinem Haus vertrieben werden. Wird es
Verhandlungen darüber geben? Nein! Über nichts wird verhandelt werden.

Das ganze Bündel von Hypothekenpapieren wird einfach zu
einem riesengroßen Paket zusammengefaßt und „eingefroren". Die Regierung unterstellt
alles der Konkursverwaltung und wird dafür sorgen, daß es so bleibt. Es wird
dafür gesorgt, daß die Hausbesitzer jeden Monat an ihre Bank einen bestimmten Betrag
entrichten, aber sie bleiben in ihrem Haus wohnen. Es wird nicht versucht, das
Konto auszugleichen, da man weiß, daß der Wert der Hypotheken auf einen
Bruchteil ihres jetzigen Nennwerts zusammenschrumpfen wird. Deshalb wird jeder Versuch,
Abschreibungen auf einige der Hypotheken vorzunehmen oder Teile davon
freizukaufen, nicht funktionieren. Wir wissen heute nicht, wo der wirkliche
Wert dieser Hypotheken liegt – wahrscheinlich irgendwo dort weit unten! Was
unbedingt verhindert werden muß, ist besonders eine Unterbrechung der
US-Wirtschaftstätigkeit.

Wie verhindert man aber eine Unterbrechung? Man friert die
Hypotheken ein! Man tut das gleiche wie bei einem Firmenkonkurs: Man schützt
sie durch die Konkursverwaltung, man friert die Schulden ein.

Dafür ist die Regierung zuständig.

Die Bundesregierung hat die Aufgabe, irgendwann in der
Zukunft all das Chaos neu zu ordnen. Bis dahin bleibt alles eingefroren. Die
Menschen bleiben in ihren Wohnungen; sie zahlen für ihre Hypothek einen angemessenen
Betrag entsprechend einer Miete auf ein Bankkonto. Die Hypothek selbst aber
bleibt unangetastet in der Bank. Es wird nicht versucht, sie neu zu verhandeln.

Anders gesagt, es wird versucht, eine Brandmauer gegen die
bereits in Gang gekommene Kettenreaktion einzuziehen. Das gleiche muß auch in
anderen Bereichen geschehen.

Wir empfehlen den europäischen und anderen Regierungen
nachdrücklich, genauso vorzugehen.

Denn es ist die Aufgabe der Regierungen, die schädlichen
Faktoren des jetzigen Systems aus dem wirtschaftlichen und sozialen Leben der Bürger
ihrer Nationen zu eliminieren.

Man muß diese Probleme neutralisieren und sie in einen Käfig
sperren – wie ein kleines Eichhörnchen, das dann im Käfig so schnell, wie es
will, in seinem Laufrad herumwirbelt, aber es bleibt in seinem Käfig. So wird
der Übergang zu einem neuen System gelingen.

Wir werden das bisherige Währungssystem verlassen, das nur den
Imperien diente, und wir werden ein öffentliches Kreditsystem schaffen, so wie
es in der amerikanischen Verfassung vorgesehen ist.

Denn in der US-Verfassung heißt es: „Wir sind nicht Eigentum
von Banken.

Wir sind nicht Eigentum von Bankiers. Wir sind die
Eigentümer der Bankiers." In unserer Verfassung ist vorgesehen, daß die
Bundesregierung für das Drucken oder die Inumlaufbringung von Geld bzw. das
Versprechen, geschöpftes Geld in Umlauf zu bringen, zuständig ist. Die Bundesstaaten
haben keine Befugnis, Geld in Umlauf zu bringen. Nur die Bundesregierung ist
dazu befugt und braucht dazu die Zustimmung des Repräsentantenhauses.

Die Inumlaufbringung von Geld nach diesen Vorgaben erfolgt
in einem Kreditsystem, nicht in einem monetären System. Die Regierung bringt in
Abhängigkeit von einem entsprechenden Betrag, dem der Kongreß zugestimmt hat,
Geld oder Kredit in Umlauf. Der Kongreß stimmt über ein Gesetz ab; und die Regierung
darf dann die entsprechende Menge Geldes in Umlauf bringen, mit dem die
Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten belastet wird.

Damit lassen sich viele notwendige Dinge finanzieren, aber
eigentlich geschieht dadurch etwas viel Grundsätzlicheres. Man setzt das so geschaffene
Geld als Kredit vorrangig für die umfassende Infrastrukturentwicklung ein. Denn
die Infrastruktur, an der es derzeit in den Vereinigten Staaten und Europa so mangelt,
ist vor allem eine Angelegenheit des öffentlichen Sektors: Kraftwerke,
Nahverkehrssysteme, das Gesundheitswesen usw. Diese Dinge sind für alle Teile
der Bevölkerung wesentlich. Auf alle diese Einrichtungen sind wir angewiesen, und
deshalb fließen Kredite dorthin.

Kredite werden vergeben, um die Infrastruktur in Gang zu
halten.

Und wenn man darangeht, die Infrastruktur zu verbessern,
kommt auch die übrige Wirtschaft in Schwung, die ja einen Beitrag zum Aufbau
der Infrastruktur leistet.

Es werden also Kredite an Firmen vergeben, die dabei
mitwirken; womit wir bei der Privatwirtschaft wären. Es werden Firmen
herangezogen, die diese oder jene Einrichtung versorgen, diese oder jene
Aufgabe erledigen. Durch den zukünftigen Infrastrukturausbau wird so in den
Kommunen die Geschäftstätigkeit angeregt. Das muß in einer Weise geschehen, daß
das Verhältnis zwischen öffentlichem und privatem Sektor im Gleichgewicht
bleibt.

Betrachten wir jetzt ein weiteres Problem: Die gleitenden
Wechselkurse der Währungen. Bei gleitenden Wechselkursen lassen sich die Preise
im Kreditwesen nicht kontrollieren.

Denn wenn die Währung, mit der man es zu tun hat, wertmäßig gegenüber
der eigenen Währung sinkt, wie will man das auf seine Zinsforderungen
umrechnen? Bei gleitenden Wechselkursen in einer schrumpfenden Wirtschaft
entsteht einerseits eine erhöhte Nachfrage nach billigen Krediten, andererseits
ist dem privaten Sektor oder der Zentralbank die Möglichkeit verwehrt, diese
bereitzustellen.

Es gilt also, eine globale Entwicklung unter einem
internationalen Währungssystem mit festen Wechselkursen in Gang zu setzen. Das
bedeutet im wesentlichen, daß man versuchen muß, die Währungen auf ihrem
augenblicklichen relativen Wertniveau einzufrieren. Man friert sie einfach ein.

Hier kommt das öffentlich-rechtliche Kreditsystem ins Spiel.
Wie schafft man ein öffentlich-rechtliches Kreditsystem? Offensichtlich brauchen
Länder wie China, Rußland, die Vereinigten Staaten und andere Nationen viele
Güter. Das bedeutet, man ist stark auf den Handel mit Gütern angewiesen, und
wenn dadurch die Kreditvergabe über die Landesgrenzen zunimmt, brauchen wir ein
Währungssystem mit festen Wechselkursen. Wie will man ansonsten die Höhe der Zinsraten
für mittel- bis langfristige Anleihen festlegen? Soll dann ein internationales
Kreditsystem auf einem monetären System basieren? Nein, denn das monetäre System
war von Anfang an eine schlechte Idee, es hat nicht besonders gut funktioniert.
Wir müssen davon weg kommen.

Es müssen wieder langfristige Verträge geschlossen werden
können.

Darunter verstehe ich Laufzeiten von mindestens 25 oder 50
Jahren.

Die Regierungen der Welt müssen wieder langfristige
Vereinbarungen in Form von Handels- und anderen Verträgen in einem System
fester Wechselkurse eingehen können; und anstatt zu versuchen, das System durch
gleitende Wechselkurse im Gleichgewicht zu halten, sollte man das System
dadurch ausbalancieren, daß die Güterpreise in einem kontrollierten Rahmen
gleiten.

Das Problem hierbei ist, daß solche Maßnahmen sofort
ergriffen werden müssen. Eine Gruppe von Nationen muß unmittelbar – d.h.

innerhalb von Wochen – zusammengebracht werden, denn das
System kracht. Es ist am Ende. Das System fällt ins Bodenlose. Entweder stoppt
man die Krise mit den von mir angedeuteten Methoden, oder sie läßt sich
überhaupt nicht stoppen.

Und sehr bald würde die Welt etwas Schlimmeres als
Deutschland 1923 erleben.

Es gibt keine rationale Alternative.

Entweder man handelt so, oder das Schlimmste wird uns
widerfahren.

Regierungen werden nur dabei mitmachen, wenn sie merken, daß
sie keine andere Wahl haben. Einige Regierungen sind klinisch verrückt, und
werden sich der Sache nicht anschließen. Um so wichtiger ist es, ein stabiles
System zu errichten, auf das sich eine wachsende Zahl von Nationen einigt, die
sich der Liste jener anschließen, die der Vereinbarung beitreten. Es muß auch
versucht werden, die Vereinten Nationen so zu reformieren, daß sie eine Funktion
in Übereinstimmung mit dieser Art Vereinbarung spielen kann. In jedem Fall
brauchen wir ei- werden ihn auch in vieler anderer Hinsicht nutzen. Aber die
eigentliche Produktivkraft liegt auf dem Land. Die Produktivkraft liegt in der Entwicklung
der Menschen, ihrer Technik, ihrer Freiheit des Erfindens, ihrer Fähigkeit zu
entdecken, in der Freude an Verbesserung.

Darum dreht sich dieser Kampf.

Das Empire schlägt zurück

Darum ging es bei allen großen
europäischen Kriegen seit der Renaissance des 15. Jahrhunderts. Deshalb Schluß
mit dem gesamten System des Imperialismus – sei es der antike persische
Imperialismus oder der des Römischen Reiches oder des Byzantinischen Reiches,
sei es das mittelalterliche System der Kreuzritter und Venedigs oder das britische
Empire! Die Menschheit steht vor der Herausforderung, wirklich menschlich zu
werden, und dazu muß der Faktor Empire verschwinden.

Wir müssen eine Weltordnung souveräner Nationen schaffen,
damit die Völker durch die Entwicklung ihrer Kultur gleichberechtigt an der
Arbeit dieser Nationengemeinschaft teilnehmen und sich die Menschen soweit
irgend möglich entwickeln können.

Darum geht es bei der heutigen Krise. Sie hat nicht erst
gestern angefangen.

Sie hat auch nicht mit Roosevelts Tod angefangen. Sie war schon
immer da. Sie zieht sich über die gesamte lange Welle der Menschheitsgeschichte
hinweg, soweit wir diese Geschichte in den verschiedenen Teilen der Welt
kennen, in Europa etwa seit der Zeit um 700 v.Chr.

Die akute Krise, vor der wir heute stehen, begann mit dem
Kalten Krieg. Bis zur Ermordung John F.

Kennedys hatten die Vereinigten Staaten, mit einigen Höhen
und Tiefen, noch immer wirtschaftlichen Wohlstand und Fortschritt; die Fakten sind
bekannt, wir brauchen jetzt nicht darüber zu reden. Der sog.

„Kalte Krieg" war ein Krieg zur Rekolonialisierung und der
Vorbereitung eines Kriegs gegen die Sowjetunion, obwohl kein Grund dafür
vorhanden war, jedenfalls nicht auf Seiten Stalin, nur auf Seiten der Briten.

Damit begann die Krise, deren Motiv für London wie auch für
die Kräfte der New Yorker Finanzoligarchie die Geopolitik war – dieselben Leute,
die schon hinter Hitler standen, steckten auch jetzt dahinter. Zu der damaligen
Zeit war es unmöglich, die Vereinigten Staaten, so wie sie sich unter Roosevelt
entwickelt hatten, unmittelbar kaputtzumachen, denn wir hatten große produktive
Kapazitäten, und die übrige Welt war vom Krieg erschüttert. Europa brauchte uns
für den Wiederaufbau.

Die Sowjetunion brauchte uns für den Wiederaufbau. China brauchte
uns für seinen Aufbau, usw.

So ging es mehr oder weniger weiter bis zur Ermordung John
F. Kennedys.

Das war keine Einzeltat von Oswald, nichts war zufällig.
Dahinter stand die klare Absicht, die Vereinigten Staaten zu zerstören. John Kennedy
war – anders als sein Vater – mit der Tradition Franklin Roosevelts verbunden,
als er Präsident wurde. Er führte Wahlkampf für eine Wiederbelebung von
Roosevelts Vorbild.

In dieser Phase von 1945-64, kurz nach dem Kennedy-Mord, war
die US-Wirtschaft noch stark und wuchs; der Lebensstandard stieg weiter an.
Doch dann setzte die Krise ein. Die Krise, die wir heute erleben, beginnt
eigentlich mit der Ermordung von Präsident John F. Kennedy.

Die Wurzeln der Krise waren aber schon seit dem Konflikt
zwischen den Vereinigten Staaten und dem britischen Empire aus der Zeit von
Lincolns Sieg über die britische Marionette, die Konföderierten Staaten, angelegt.
Aber die eigentliche Zerstörung der amerikanischen Volkswirtschaft, des Amerikanischen
Systems, begann mit Kennedys Ermordung.

Darüber hinaus wurden die USA in den Indochinakrieg
hineingezogen.

Es gab niemals auch nur einen einzigen vernünftigen Grund,
gegen Vietnam Krieg zu führen – keinen einzigen! Die amerikanische Politik war
falsch, und wir versuchten, Ho Chi Minh diese falsche Politik aufzuzwingen.

Ho Chi Minh war den Vereinigten Staaten wohlgesonnen.

Er war ihr Verbündeter gewesen, als Roosevelt Präsident war.
Wenn die Vereinigten Staaten ihn einigermaßen anständig behandelt hätten, hätte
er uns respektiert. Das wäre nicht leicht gewesen, aber Diplomatie ist nun
einmal dazu da, mit Schwierigkeiten umzugehen. Wenn etwas schwierig ist, ist
das noch kein Grund, dem Problem aus dem Weg zu gehen.

Mit diesem Krieg haben wir Amerikaner das gleiche getan, was
das Persische Reich Athen antat, oder wie die Kriegsverbrechen, die Athen dem
Volk von Melos antat. Mit dem Persischen Reich kam der Sophismus, obwohl die
Griechen das Perserreich zur See besiegt, es strategisch überlistet und auch zu
Lande geschlagen hatten. Aber über den Kult von Delphi, durch die innere Zersetzung
mit dem Sophismus, zersetzte das Perserreich die Moral Athens und verleitete es
zu Verbrechen an seinen Nachbarn und Verbündeten, was dann in den
Peloponnesischen Krieg mündete. Und Athen hat bis heute nicht zur alten Größe
zurückgefunden! Seit dem Aufstieg der eigentlichen europäischen Zivilisation in
Griechenland und in der Cyrenaica ab etwa 700 v.Chr. in Verbindung mit Ägypten,
den Ioniern und den Etruskern – und auch schon seit früheren Ursprüngen -,
wurde sie immer wieder mit solchen Methoden zerstört.

Am häufigsten geschah dies durch lange Kriege wie den
Peloponnesischen Krieg: Kriege ohne Sinn, ohne moralische Berechtigung oder
strategisches Ziel. Man sollte Kriege, wenn sie notwendig sind, immer mit
großem Widerstreben und mit Schnelligkeit führen. Man zieht ihn durch und
beendet ihn so schnell wie möglich. Man verlängert den Krieg nicht unnötig. Man
will nicht, daß sein Land zwei oder drei Jahre lang Krieg führt. Kriege müssen
kurz und bündig sein, und dann Schluß! Und heute ist die wichtigste Waffe in
der Kriegskunst gute Diplomatie.

Es gibt auf dem Planeten keine Zustände oder Konflikte, die
sich nicht allgemein mit guter Diplomatie lösen ließen, und das schließt
Südwestasien ein.

Nach dem Vietnamkrieg entstand das Problem der 68er, und das
ist ein ganz heikles Thema in Europa wie in Amerika. Wer waren die 68er? Denken
wir zurück Anfang und Mitte der 50er Jahre, als zwei bekannte Bücher
erschienen: das erste [von C.

Wright Mills 1951] hieß White Collar (Weißer Kragen), das
zweite [von William H. Whyte 1956] hieß The Organization Man. Ein gewisser Teil
der amerikanischen Bevölkerung aus meiner Generation wurde damals dazu
konditioniert, ihren Kindern eine ganz bestimmte Ideologie beizubringen. Diese
Kinder, die 68er, waren keine Generation im biologischen Sinne, sondern im
kulturellen Sinne – ich nannte sie oft eine kulturelle „De-Generation".

Diese Generation hat eine strategische Besonderheit, die man
meines Wissens sonst in der Geschichte der Vereinigten Staaten nicht findet –
in der ganzen Zeit, seit mein erster amerikanischer Vorfahre dort im frühen 17.
Jahrhundert landete. Die kulturelle Tradition in den Vereinigten Staaten wie
auch in Europa war immer, daß der einzelne sich als Teil einer
Erwachsenengeneration verstand und Kinder großzog, welche wiederum eine
Enkelgeneration hervorbringen würde. In einer gesunden Kultur sieht der
einzelne sein Selbstinteresse folgendermaßen: Er weiß, daß er sterben wird –
offensichtlich ist es nicht der Sinn des Lebens, zu sterben, sondern das ist
nur ein unvermeidbarer Umstand. Also ist der Sinn des Lebens die eigene Selbstentwicklung,
das zu tun, was man für gut und richtig hält, um zumindest die eigenen Kinder
und Enkel zu unterstützen. Das ist ein elementares Prinzip in praktisch jedem Teil
der Welt, wo Moral herrscht.

Die 68er hatten keine Moral. Diese Generation von sog.
„Kopfarbeitern" wurden in ganz ähnlicher Weise erzogen, wie der Sophismus im Athen
des Perikles Verbreitung fand: In die Erziehung schlich sich eine moralische
Korruption ein. In Deutschland sind für diesen existentialistischen Verfall
Hannah Arendt und Theodor Adorno sowie auch Bertolt Brecht beispielhaft. Diese
Art dionysische, Nietzscheanische Zersetzung der Kultur fand in den Vereinigten
Staaten Eingang in das Bildungswesen und die Familienkultur, und zwar im
Zusammenhang mit einer Periode der Schreckensherrschaft, die manche Leute die
„Mc- Carthy-Ära" nennen. Wenn man eine sichere Stellung haben und sich Vorteile
verschaffen wollte, mußte man die Universität durchlaufen und für seine
Beschäftigung ein Unbedenklichkeitszeugnis vorlegen, sonst konnte man keinen
Familienhaushalt führen, wie man ihn sich wünschte. Aber damit man als
„unbedenklich" galt – im formellen wie im allgemeinen Sinn -, mußte man sich
auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Dazu mußte man den Kindern
einschärfen, nichts zu tun, was die Eltern in Schwierigkeiten bringen und das
Einkommen des Vaters gefährden könnte. Sonst wäre das ganze schöne
Mittelklasseeinkommen futsch! Diese Generation erlebte dann einen Schock. Die
Generation der Babyboomer in Amerika kam im wesentlichen zwischen 1945 und 1958
auf die Welt, als die erwachsenen Familienmitglieder, hauptsächlich aus der
Angestelltenschicht, noch dachten, sie hätten „es geschafft." Sie hielten sich
für etwas besseres als die „blauen Kragen", d.h. die „Handarbeiter" wie Farmer,
Industriearbeiter usw. „Die können uns nicht das Wasser reichen. Wir sind die
,goldene Generation‘. Wir sind bei den großen Konzernen und müssen uns bei der
Arbeit die Hände nicht schmutzig machen. Wir sind Ingenieure.

Wir haben es geschafft!" Diese Gedanken haben sie ihren
Kindern eingeimpft. Das endete aber plötzlich, als die Depression von 1957-58 den
Eltern der 68er den Spaß verdarb.

In Europa wie in Amerika entlud sich dann das 68er-Phänomen
– im großen und ganzen aus den gleichen Gründen. Diese Raserei der 68er war vorhergeplant,
sie wurde schon in der unmittelbaren Nachkriegszeit als gezielte Operation zur
Zerstörung der Kultur vorbereitet. Die Zeitschrift Paris Review ist eines der scheußlichen
Beispiele für diese systematische Kulturzerstörung durch Leute wie die Gruppe
um John Train, die noch heute meine persönlichen Feinde sind.

So wurde eine ganze Generation kaputtgemacht. Die
68er-Generation haßte alle, die produktiv arbeiteten.

Sie haßten die Industrie, die moderne Technik und die
klassische Kultur. Und sie hat ab 1968 die Demokratische Partei in den USA
kaputtgemacht.

Das Zerwürfnis zwischen „Handarbeitern" und „Kopfarbeitern",
u.a. in der Frage des Vietnamkriegs, hat die Demokratische Partei ruiniert.
Deshalb kam die republikanische Regierung Nixon an die Macht, und diese
Regierung diente als Werkzeug, um die völlige Zerstörung der amerikanischen Volkswirtschaft
in Gang zu setzen.

Es begann am Tag von Nixons Amtsantritt, als er verkündete,
er sei Adam-Smith-Anhänger – das war das Startzeichen. Von da ab nahm alles
seinen Lauf.

Ich will die verschiedenen Phasen der Entwicklung nicht
aufzählen.

Man vergegenwärtige sich nur, daß sich alles vor dem
Hintergrund des langen Indochinakrieges 1964-75 abspielte. Der Indochinakrieg
war der Wendepunkt, der die „Haßgeneration" der 68er hervorbrachte. Sie forderten:
„Keine Kernkraft, keine Technik, keine Investition in Infrastruktur.

Wir wollen unser Hasch rauchen und unser LSD nehmen.

Wir wollen unser verrücktes Sexleben.

Wir erfinden neue Geschlechter und probieren sie alle aus." Mit
der Freigabe des Dollarkurses löste sich das Bretton-Woods-System auf, es kam
ein Liberalisierungsprozeß in Gang, der die Wurzel der Zerstörung des heutigen
Wirtschaftsund Finanzsystems der Welt und besonders Amerikas und Europas
darstellt.

Wir erlebten eine zweite Phase, die Zerstörung der
Wirtschaft durch Kreise wie die Trilaterale Kommission.

Dann wurde die Wirtschaftsstruktur selbst zerstört.

Zunächst wurde der Störfall im Reaktor Three Mile Island
künstlich inszeniert, um die Kernkraft zu diskreditieren.

Überdies wurden sämtliche Methoden zur Stabilisierung der Binnenwirtschaft
abgeschafft, die Roosevelt eingerichtet hatte. Die Herrschaft des Wuchers
begann.

Sämtliche amerikanischen Gesetze gegen den Wucher wurden aus
den Büchern gestrichen. Das Hypothekensystem, mit dem in der Nachkriegszeit Wohnungen
gebaut wurden, und das System der Banken und Sparkassen, die den Wohnungsbau gefördert
hatten, wurden systematisch geplündert.

1981 hatten wir also zwei Phasen durchlaufen: Wir hatten das
Weltwährungssystem, von dem unser Leben abhing, abgeschafft, und wir hatten die
innere Hülle der volkswirtschaftlichen Kultur der USA zerstört.

Dann kam Reagan. Aus eigenartigen Gründen gab es viele
Demokraten, die ihre Partei verließen und zu Reagan überliefen; sie haßten die Demokratische
Partei, weil sie die Wirtschaft und das soziale Leben im Lande so zerstört
hatte.

Das mündete in eine Periode weiteren Zusammenbruchs der
USWirtschaft in den Jahren 1981-87. In den beiden ersten Wochen im Oktober 1987
gab es an den Finanzmärkten eine Depression wie 1929. Der Zusammenbruch war
ebenso weitgehend wie unter Hoover. Aber was geschah? Damals war Paul Volcker Vorsitzender
der Federal Reserve, und er war sich nicht sicher, was er tun sollte. Aber Alan
Greenspan, der als neuer Vorsitzender nominiert war, sagte: „Wartet ab, ich
komme, ich werde alles reparieren." Dann erlebten wir von 1988-2007, bis auf den
heutigen Tag, eine Zeit monetären Wahnsinns, in der große Teile der
Weltwirtschaft zerstört wurden. Zum Beispiel: Wovon hängt die Realwirtschaft,
die Industrie der Vereinigten Staaten ab? Sie hängt von der Rüstungsproduktion
und verwandten Bereichen ab – beispielsweise Halliburton. Der Krieg im Irak ist
ein Weg, wie Firmen, die Rüstungsgüter herstellen oder unter zivilem Deckmantel
militärische Dinge für den Krieg tun, Geld machen können. Damit haben wir den Charakter
der Gesellschaft überhaupt verändert.

Bei alledem ist eines sehr wichtig.

Es gibt ein Buch von Samuel Huntington, Der Soldat und der
Staat.

Und Der Soldat und der Staat ist nicht nur ein Widerhall der
Nazi-SS, sondern auch der alten römischen Legionen. Man nennt das heute in den
Vereinigten Staaten die „Revolution im Militärwesen". Das geht so: Man baut
private Armeen auf und schafft die herkömmlichen Streitkräfte ab. Deshalb sind
diese Leute gar nicht so enttäuscht, wenn die US-Streitkräfte im Irak
untergehen, weil damit fast alle Teile der Streitkräfte beseitigt werden –
außer der Luftwaffe und damit verbundenen Bereichen. Denn das weitere Ziel
dieses Regimes ist ein Monopol auf weltraumgestützte Trägersysteme für Waffen,
damit man auf Knopfdruck jeden Teil der Menschheit, den man loswerden will,
auslöschen kann. Dazu wollen sie ein internationales, weltraumgestütztes System
haben, das wie die römischen Legionen zu ihrer Zeit eine Tyrannei über die
ganze Welt ausüben kann.

Das ist die Politik der USA, seit Dick Cheney zum Verteidigungsminister
in der Regierung Bush senior gemacht wurde: die Revolution im Militärwesen.
Dazu gehören Leute wie George Shultz und auch Felix Rohatyn, ein kleiner
Diktator in der Finanzwelt.

Die andere Seite davon ist die Globalisierung.

Dazu gehört der Übergang von einem monetären System zu einem
Kreditsystem.

Und das muß umgehend und sauber geschehen, denn schon ein oder
zwei Wochen Chaos könnten unser Land zerstören – das darf nicht geschehen.
Deswegen muß eine Brandmauer errichtet werden. Das Gesetz zum Schutz der
Hausbesitzer und Banken ist eine solche Brandmauer, denn der Immobilienmarkt bedeutet
eine Bedrohung für das Bankensystem und das gesamte System.

Deswegen müssen die beiden entscheidenden Elemente des
Wirtschaftssystems geschützt werden; ansonsten haben wir keine
Überlebenschance! Ich habe zwei Arten von Brandmauern erwähnt. Die erste ist
der Gesetzesvorschlag; eine solche Brandmauer ist nach amerikanischem Recht
absolut wirksam. Es ist nur ein einziges Gesetz nötig, das nicht komplizierter
ist, als ich es geschrieben habe.

Es ist aber noch eine weitere Brandmauer erforderlich, die
den Übergang von dem jetzt existierenden Finanzsystem zu dem neu zu
installierenden regelt. Dazu ist ebenfalls eine Brandmauer in Form von Vertragsvereinbarungen
zwischen einer Gruppe mächtiger Nationen erforderlich. Anders gesagt, wenn sich
die mächtigen Nationen der Welt darin einig sind, daß etwas geschützt werden
müsse, kann es auch geschützt werden. So entsteht eine Brandmauer. Die Nationen
werden sich in dieser Frage gegenseitig unterstützen und verteidigen, wenn sie wissen,
daß ihr eigenes Interesse auf dem Spiel steht.

Die Brandmauer muß das Verlassen des Systems des Kalten
Krieges und der Globalisierung absichern, die beide gescheitert sind. Wir
müssen sie mit einem Schlag einfach abschaffen.

Die Teile des Systems lassen sich nicht einfach nacheinander
reformieren.

Wir brauchen eine Brandmauer, um die Seuche einzudämmen.

Und man muß sicher sein, daß die Brandmauer von einem
genügend starken Trupp Feuerwehrmännern gestützt und gehalten wird. Es ist
empfehlenswert, daß die Feuerwehrleute aus mächtigen Regierungen bestehen, die
sich darauf einigen, ihre gegenseitigen Interessen zu schützen – genauso wie es
im Westfälischen Frieden vorgesehen war: Das Interesse des anderen. Die
Nationen wissen, daß sie zur Hölle fahren, wenn sich nicht gegenseitig schützen.
Bereits die Leute, die den Westfälischen Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg
verfaßten, wußten: Sie müssen sich schützen, sie müssen das Interesse des anderen
obenan stellen! Der Westfälische Frieden war die wirksamste Brandmauer, auf die
die gesamte europäische Zivilisation seither angewiesen war. Das Äquivalent
davon ist heute wieder nötig: Brandmauern! Vor allem müssen wir die Menschen darüber
aufklären, daß es dazu keine Alternative gibt. Das Schiff sinkt: Stopfen wir
das Leck oder verlassen wir das Schiff! Versuche niemand, noch den nächsten
Ballsaal (auf der Titanic) zu erreichen.

Hier geht es um ein Prinzip, das nicht ganz einfach ist: Die
meisten formalen, mathematischen Wirtschaftsprognosesysteme sind Schrott. Ein
guter Ökonom ist nicht vollständig auf Zahlen angewiesen.

Ein guter Ökonom schaut immer hinter die Zahlen, auf die
dahinterstehende Realität. Er traut den Finanzzahlen nicht; deswegen glaube man
nie einem Buchhalter. Man bediene sich des Buchhalters, aber man glaube nie,
was er berichtet.

Man braucht seine Zahlen und seine Arbeit, aber man muß
selbst entscheiden, was sie wirklich bedeuten.

Zudem befinden wir uns bereits in einer nachindustriellen
Wirtschaftsordnung – nicht so sehr physisch, sondern ideologisch. Betrachtet man
sich Deutschland oder andere Länder, so sind deren Regierungen alle bereits
ideologisch nachindustriell orientiert. Sie nehmen die Wirklichkeit gar nicht
mehr wahr.

Sie mögen die Realität nicht! Sie steht ihnen im Wege. Am
besten würden sie die Realität ignorieren, wenn sie es könnten. Auch die
Bevölkerung denkt so: Wenn die Realität an die Tür pocht, wird man sie zu
verscheuchen suchen.

Wenn ich als Ökonom die heutige Realität betrachte, ergibt
sich das Problem, daß die Gesellschaft in dieser Frage verrückt geworden ist.
Man nehme das Beispiel Myron Scholes, der hierfür eine gute Zielscheibe abgibt.

Er war der berühmte Ökonom, der als Mathematiker für den
Hedgefonds LTCM tätig war. Er richtete ein Chaos an, und tut das bis heute. Das
gesamte Geschäft der Hedgefonds, alle diese Leute, arbeiten nach den gleichen
mathematischen Formeln.

Und jede einzelne dieser Formeln ist vollkommen inkompetent
und wild. Sie erinnern an John von Neumann, und der war ein Spinner. Er war
Mathematiker, er war kein Wissenschaftler.

Diese Leute glauben daran, daß es irgendein Gesetz gebe, das
aufgrund einer mathematischen Formel die Preise diktiert. Ein solches Gesetz gibt
es nicht. Kein Ökonom glaubt das. Jeder kompetente Ökonom beschäftigt sich mit
der physischen Realität und überlegt sich die physischen Folgen einer
bestimmten Politik oder eines bestimmten Trends. Er schaut nicht auf die
Preisbewegungen als solche, nicht auf John von Neumanns verrücktes System, das von
vielen benutzt wird.

Der andere Aspekt, wo die Leute versagen, sind die Trends.
Sie glauben an statistische Trends, in Begriffen kartesischer mathematischer
Systeme in einem mechanistisch-statistischen Universum. Sie stellen sich Körper
vor, die im leeren Raum herumfliegen.

Der „leere Raum" ist ihr eigener Kopf. Sie stellen sich
diese Objekte, diese Kugeln vor, und verfolgen ihre Bahn in diesem leeren Raum,
und sie gehen davon aus, daß man einen zukünftigen Zustand innerhalb dieses
kartesischen Vakuums anhand eines gegenwärtigen statistischen Trends
vorhersagen kann, indem man ihn extrapoliert.

Und wo Leute wie Myron Scholes & Co. in große Nöte
geraten – und sie haben es trotz der Lehren von 1998 noch nicht aufgegeben! – ist
dies: Sie glauben alle, sie stünden in einem Wettlauf um die richtige mathematische
Formel! Aber wenn man diese mathematische Formel so anwendet wie sie, ist das
so, als setzten beim Pferderennen ganz viele Leute auf dasselbe Pferd. Wenn sie
daneben liegen, was sie wahrscheinlich tun, werden sie alles verlieren.

Das ist mit den Hedgefonds passiert.

Alle benutzen gleichartige Formeln: die Mathematik, die
Myron Scholes verwendet, und damit schaffen sie ein System, das in sich
zusammenbricht.

Sie werden alles verlieren.

Jetzt gibt es eine Massenkarambolage der Hedgefonds, sie
sind hoffnungslos bankrott. Es gibt keine Nettoguthaben im Bereich der
Hedgefonds.

Sie fordern, daß man ihnen aushilft und ihnen Geld gibt, wie
Bettler auf der Straße. Und sie stützen sich alle darauf, etwas in die Zukunft
zu projizieren wie bei der Vorhersage der Flugbahn einer Kugel im leeren Raum –
ein mechanistisch- statistisches System.

Reale Volkswirtschaften laufen nicht so ab. Sie laufen nach
physikalischen Gesetzen ab, wie jeder weiß, der sich mit Produktion auskennt: Gewinn
durch Anwendung der Technik oder der innere Zusammenhang zwischen Infrastruktur
und Produktivität bei der Industrie – solche Dinge. Reale, physische Faktoren.

Und es gibt eine Methode, sich damit wissenschaftlich zu
befassen.

Im alten Griechenland nannte man das dynamis. In der
neuzeitlichen Gesellschaft nennen wir es seit Leibniz Dynamik.

Die Art der Dynamik, die man braucht, um eine
Volkswirtschaft zu verstehen, ist die Riemannsche Dynamik.

Das heißt: Wir sind in einem Universum, in dem jegliche
a-priori- Annahmen, Sätze oder Definitionen verrückt sind. Sie sind falsch,
rein willkürlich. Trotzdem hat das Universum, in dem wir leben, gewisse Gesetze,
die universell sind. Ein Beispiel ist die Gravitation. Diese Gesetze definieren
ein Universum, das nicht kartesisch ist; es ist nicht nach allen Seiten offen
und unbegrenzt.

Es gibt bestimmte Dinge in diesem Universum, die es
begrenzen, wie Hüllen, die das Universum umschließen und als Hülle sämtliche Teile
des Universums prägen. So wie die Gravitation, wie Kepler sie definierte und
wie später Einstein und Riemann sie definierten. Das ist ein Prinzip der
Dynamik.

Der Unterschied zwischen Mensch und Affe etwa ist ein
solches universelles Prinzip. Der Mensch ist kreativ. Die Menschheit hat die Fähigkeit,
die potentielle Bevölkerungsdichte ihrer Spezies selbst zu erhöhen! Das kann
kein Tier. Deshalb ist das ein Prinzip, das die Menschheit von allen Tieren
unterscheidet.

Solche Prinzipien begrenzen das Universum.

Wenn wir ein Stromnetz oder irgend etwas anderes an
Infrastruktur in eine Volkswirtschaft einführen, schaffen wir eine
Grenzbedingung, die den Raum, in dem wir agieren, enthält.

Deshalb bestimmt man wirtschaftlichen Wert nicht mit
statistischen, kartesischen Methoden. Wer Erfolg haben will, bestimmt den Wert
in einer Volkswirtschaft anhand der Prinzipien, die die fragliche Wirtschaft
begrenzen. Wie man eine Volkswirtschaft anlegt, welche Technologien man
entwickelt und wie man sie anwendet, das alles ist die Wirkung der
physikalischen Prinzipien des Universums, soweit man sie bisher kennt. Man
versteht, was man bisher getan hat, und das prägt die Art und Weise, wie man sich
nun verhält. Man kann das Ergebnis voraussehen, weil man entsprechend denkt.

Genau aus diesem Grund hatte ich als Prognostiker mehr
Erfolg als jeder andere. Denn in der Wirtschaftswissenschaft haben sonst Leute
das Sagen, die Buchhaltung für die Grundlage für Vorhersagen halten. Sie
glauben, man könne mit kartesischen, mechanistischen Methoden Trends
voraussagen. Dann sagen sie uns: „Die Fundamentaldaten der Wirtschaft sind
gesund." Wenn Ihnen jemand das sagt, während die Wirtschaft gerade
zusammenbricht, was soll daran „gesund" sein? Wir sind auf der Titanic, mein
Freund, und die sinkt gerade! Das ist das Problem, mit dem wir es hier zu tun
haben. Wir müssen unser Denken ändern und von dem heute vorherrschenden Denken wegkommen
– zurück zu dem, was viele Ökonomen früher fast instinktiv verstanden. Es geht
um eine Realwirtschaft.

Man überlegt sich, welche Folgen Veränderungen in der physischen
Struktur der Volkswirtschaft haben werden – wie die Menschen real leben –
solche Dinge. Man denkt darüber nach, wie es auf die Zukunft der Menschheit
wirken wird, nicht bloß an Statistik. Auf der Grundlage dieses Wissens prüft
man bestimmte Dinge, überlegt es sich, und man findet Lösungen, die zumindest gute
Annäherungen sind.

Später merkt man dann, daß eine gute Annäherung nicht
reicht, also forscht man weiter und versucht herauszufinden, welches Prinzip da
wirkt.

Darum geht es, wenn man heute erfolgreich
Wirtschaftswissenschaft betreiben will. Heutzutage wird an keiner Universität
eine kompetente Wirtschaftstheorie gelehrt. Dennoch wissen wir viel über
Volkswirtschaften in physikalischer Hinsicht.

Wir können sehr gute mittel- bis langfristige Abschätzungen
machen.

Und wenn man weiß, was man getan hat und wie man es sich vorgestellt
hat, und wenn es dann nicht so herauskommt, wie man gedacht hatte, dann kann
man sich erneut damit befassen und schauen, wie man den Irrtum beheben kann.

Wir gehen also heran wie ein Naturwissenschaftler: Man
probiert viel aus, und man benutzt viele schon bekannte Einsichten. Und weil
wir verstehen, was wir in der Vergangenheit getan haben, treffen wir gute
Entscheidungen. Wenn man dagegen als Statistiker herangeht und versucht, alles
mit von Neumanns und Morgensterns Methoden vorherzusagen, ist das reinste Inkompetenz.

Den Gedanken, es gäbe im Universum irgendein mathematisches Gesetz,
das den Wert von Geld bestimmt, müssen wir aufgeben. Das gibt es nicht. Wir
können Systeme entwerfen, in denen man Prioritäten setzt – Prioritäten für
langfristige Investitionen, für die Steuerung von Währungen, Preisregulierung
und faire Handelsbedingungen -, die uns eine gute Annäherung liefern. Und wenn
man dann jemand hat, der das genau verfolgt und sicherstellt, daß alles so
läuft, wie wir es uns vorgestellt hatten, kann man gute Arbeit leisten. Das ist
dann gute Wirtschaftswissenschaft.

Aber um Volkswirtschaft wirklich zu verstehen, muß man sich
mit Bernhard Riemann beschäftigen und Werke von Leuten wie Wernadskij lesen,
die wichtige, neue Dinge verstanden haben, und dann beginnt man solches Denken
auf die Erfolge oder Mißerfolge unserer Volkswirtschaften anzuwenden. So mache
ich es.

Nun sind wir an dem Punkt, wo die Veränderung notwendig ist.
Vergessen Sie alle üblichen Gewohnheiten, die bisher als akzeptabel oder fachmännisch
galten. Die Experten haben diesen Riesenfehler, diesen Zusammenbruch
verschuldet. Fragt sie nicht nach ihrer Meinung, was sie vielleicht falsch
gemacht haben.

Sie haben alles falsch gemacht. Alle Regierungen der Welt
haben große Fehler gemacht. China scheint erfolgreich, aber ich weiß, daß man
dort ein paar schwere Fehler gemacht hat. Indien scheint erfolgreich, aber die
Armut in Indien ist größer als zuvor.

Sie haben dort Fehler gemacht, was u.a. mit dem Kastenwesen
zusammenhängt.

Europa hat Fehler gemacht, die USA haben Fehler gemacht.

Es geht also um eine gute, wissenschaftliche Annäherung. Die
Wissenschaft hat nie die letzte Antwort.

Sie liefert uns nur eine immer bessere Annäherung an den
mutmaßlichen Bereich von Prinzipien. Solange wir uns immer darin erinnern, wie
wir zu bestimmten Schlußfolgerungen gelangt sind, und bereit sind, sie zu
überprüfen, wenn die Experimente nahelegen, daß es an der Zeit für eine neue
Sichtweise ist, dann funktioniert das. Wir müssen aber von all den Annahmen,
die in der Gesellschaft heute gelehrt und geglaubt werden, wegkommen – vor allem
weg von der Idee der nachindustriellen Gesellschaft. Wir brauchen diese
Veränderung.

Das erfordert Mut. Man braucht Mut wie ein Kommandeur im
Krieg.

Man muß Entscheidungen treffen.

Man muß bedenken, was die Folgen sind, wenn man falsch
entscheidet.

Trotzdem muß die Entscheidung fallen.

In dieser Weise müssen wir von jetzt ab denken. Wenn wir
nicht Brandmauern errichten, statt nur herumzudoktern, wenn wir das Schuldensystem
nicht einfrieren und sicherstellen, daß lebensnotwendige Dinge ohne
Unterbrechung weiterlaufen, dann werden wir es nicht schaffen! Das wäre das Ende
der Zivilisation, wie wir sie kennen.

Sicher, dann käme in ein paar Generationen jemand und würde
wieder anfangen und neu aufbauen.

Aber die Zivilisation, wie wir lebenden Generationen sie
kennen, wird sehr bald aufhören zu existieren, wenn wir uns nicht grundlegend
ändern.

Und ich kann Ihnen mindestens einige gute Einsichten
liefern, woran wir dabei denken müssen.

 

Scroll to Top