[i]Die britische
Politik zielt darauf ab, die Vereinigten Staaten immer tiefer im Treibsand der
militärischen Konflikte in Südwestasien versinken zu lassen.[/i]
Die amerikanischen Militärkommandeure im Irak sind wütend
auf die britische Regierung, weil sie einen Großteil ihrer Truppen aus dem Land
abziehen und die Herrschaft in der hochwichtigen Erdölregion im Südirak
rivalisierenden Schiitenmilizen überlassen will. Der Abzug der britischen
Soldaten ist aber keine Folge der Antikriegsstimmung in England. Er ist
vielmehr ein Schlüsselelement in einer britischen Strategie in der
geopolitischen Tradition des „Großen Spiels“: überall am Persischen Golf und am
östlichen Mittelmeer „verwaltetes Chaos“ zu schaffen und die Amerikaner mit
einer völlig unhaltbaren Situation und dem Haß der arabischen und islamischen
Welt sitzenzulassen.
Hochrangige US-Nachrichtendienstexperten haben [i]EIR [/i]diese
Einschätzung mitgeteilt. Sie sehen die britischen Manöver gegen ein Amerika,
das schon mit einer faktisch vom Kriegstreiber Dick Cheney geführten Regierung
belastet ist, die nichts unversucht läßt, die Vereinigten Staaten noch vor dem
Ende ihrer Amtszeit völlig kaputtzumachen. Cheney ist seit Vizepräsident Aaron
Burr der einflußreichste Mann der Briten in einer US-Regierung. Burr hatte als
amtierender Vizepräsident 1804 den früheren Finanzminister Alexander Hamilton
in einem Duell ums Leben gebracht und war nach weiteren Problemen mit der
amerikanischen Justiz 1808 nach London geflohen, wo er u.a. beim Leiter des britischen
Auslandsgeheimdienstes, Jeremy Bentham, wohnte. Sein restliches Leben
verbrachte er mit Intrigen gegen die amerikanische Republik.
Viele dieser Nachrichtendienstexperten sind mit uns einer
Meinung, daß das Problem nicht auf die britischen geopolitischen Machenschaften
gegen die USA an sich beschränkt ist. Es wird dadurch verschärft, daß viele
wohlmeinende und patriotische Amerikaner, auch an der Spitze von Streitkräften,
Geheimdiensten und diplomatischem Korps, die Geschichte nicht gut genug kennen,
um die britischen Pläne zu durchschauen. Die Briten stehen bereit, diese
Schwäche auszunutzen. Einige britische Oligarchen sehen in den verbliebenen
Monaten der Regierung Bush jun. die größte Chance seit 200 Jahren, die verhaßte
Amerikanische Revolution zu rächen und die republikanischen Ideale, die
weltweit von ihr ausgingen, auszumerzen.
Die im folgenden beschriebenen britischen Schachzüge sind
beispielhaft für das allgemeine Problem.
Bauernopfer in Irak
Die meisten Amerikaner, auch die Mehrheit der
Kongreßmitglieder, sind davon überzeugt, daß die Regierung Bush die britische
Regierung von Tony Blair in den verheerenden Krieg gegen den Irak hineingezogen
hat. Das Gegenteil ist wahr. Die Briten beteiligten sich von Anfang an voll und
ganz an den Lügen, mit denen der Krieg herbeigeführt wurde. Sie produzierten
selbst einen Großteil der Desinformation, mit der man einem leichtgläubigen
US-Kongreß und der amerikanischen Öffentlichkeit den Krieg „verkauft“ hat. Sie
beherbergten Ahmed Tschalabi und den Irakischen Nationalkongreß, der die
Falschinformationen ohne Umweg direkt ins Weiße Haus lieferte.
Als im April 2003 die „heiße Phase“ der Invasion im Irak
endete, übernahmen die Briten - mit mehr als einem Jahrhundert Erfahrung als
imperiale „Herren“ über das Erdöl der Welt - die Herrschaft im ölreichen Süden
des Landes um die Hafenstadt Basra, wo das irakische Öl in alle Welt verschifft
wird. Trotz des allgemeinen Chaos’ im Land und des mangelnden Wiederaufbaus der
Infrastruktur nach dem Krieg fördert der Irak 1,2-1,5 Mio. Faß Erdöl am Tag für
den Export. Das ist zwar nur ein Bruchteil der früheren Menge, bildet aber doch
einen Faktor auf dem weltweiten Ölmarkt. Als die Briten ihre Pläne für einen
weiteren Truppenabzug verkündeten, schoß der Ölpreis auf dem Spotmarkt in die
Höhe, weil Spekulanten darauf setzten, daß die Ölzufuhr aus Basra gefährdet
ist. Damit dürften sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Recht haben.
Während die US-Truppen mit dem Niemandsland in der Provinz
Anbar und der zunehmend „ethnisch gesäuberten“ Hauptstadt Bagdad beschäftigt
waren, sicherten die britischen Streitkräfte den engen Durchgangspunkt für
Iraks Energieträger im Süden. Das werden sie jetzt über die kommenden ca. sechs
Monate nicht etwa der Zentralregierung unter Ministerpräsident Nouri al-Maliki,
sondern örtlichen rivalisierenden Schiitenmilizen überlassen. Militär und
Sicherheitsdienste in den USA schätzen, daß man bis zu 70.000 zusätzliche
US-Soldaten einsetzen müßte, um im Südirak einigermaßen für Stabilität zu
sorgen, wenn die Briten fort sind. Aber diese Truppen hat Amerika nicht.
Al-Jamamah läuft weiter
Gleichzeitig spielen die Briten aber auch über ihren Partner
Saudi-Arabien, besonders den Sicherheitsberater des Königs und früheren
Botschafter in den USA, Prinz Bandar bin Sultan, eine sunnitische
fundamentalistische Karte.
Ende September verkündete die saudische Regierung den
Abschluß eines weiteren Waffengeschäftes mit dem größten britischen
Rüstungskonzern BAE Systems. Es geht um den Verkauf von 72 Eurojet-Kampfflugzeugen
einschließlich verschiedener logistischer Dienste, Luftabwehranlagen u.a. -
zusammen 8 Mrd. $. Das Geschäft ist eine Verlängerung des berüchtigten
langfristigen „Al-Jamamah-Geschäfts“, bei dem die Saudis für viele Milliarden
britische Waffen kaufen und dafür Rohöl liefern, das die Briten mit riesigem
Gewinn - man schätzt 100 Mrd.$ - auf dem Spotmarkt verkaufen.
Mit Al Jamamah entstand nicht nur die vielleicht größte
„schwarze Kasse“ für schmutzige Geheimaktionen auf der Welt. Mit den ersten
Enthüllungen wurde auch deutlich, daß Prinz Bandar als britischer Agent eine
Schlüsselrolle spielt: einerseits im inneren Kreis der saudischen Monarchie,
andererseits im Umkreis der Familie Bush und rechter Republikaner in den USA.
Gegenwärtig untersucht das US-Justizministerium Bandars
Verwicklung in das Rüstungsgeschäft, weil er über die Bank von England und
Konten der saudischen Botschaft in der (inzwischen nicht mehr existenten) Riggs
Bank in Washington mehr als 2 Mrd. $ Schmiergeld erhalten haben soll.
US-Geheimdienstexperten betonen, wenn diese Ermittlungen sich vom
Korruptionsvorwurf auf den Vorwurf der Geldwäsche ausweiten, könnte sich
herausstellen, daß die saudische Regierung extremistische Aktivitäten der
Moslem-Bruderschaft überall in den USA finanziert hat - und das zu einem
Zeitpunkt, an dem die US-Sicherheitsbehörden einen neuen großen Terroranschlag
befürchten.
Die saudische Regierung zahlt sunnitischen Stämmen im Irak
Millionen, damit sie sich vorübergehend mit den amerikanischen Besatzern
verbünden. Im Hintergrund steht, daß die „neokonservative“ Fraktion in der
saudischen Regierung um Bandar, ganz im Sinne des britischen Planes für
„verwaltetes Chaos“, mit Sicht auf einen langen sunnitisch-schiitischen
Bruderkrieg in der Provinz Anbar und anderen irakischen Grenzregionen eine
fundamentalistische sunnitische Pufferzone schaffen will.
Alle von uns befragten amerikanischen Experten für die
Golfregion bestätigen die Einschätzung, daß die USA zwar eine kurzfristige
Stabilität in Anbar und anderen sunnitischen Teilen des Iraks erkauft haben,
daß sich aber auf lange Sicht saudische Fraktionen und ihre britischen Partner
durchsetzen werden, die den sunnitischen Salafi-Fundamentalismus verbreiten wollen.
Vorsicht vor Tony Blair!
Der geschichtliche Analphabet George W. Bush ist das
perfekte Opfer, das sich für das geopolitische Spiel der Briten einspannen
läßt. Bush zog den Zorn der Russen und Europäer auf sich, als er kürzlich auf
eigene Faust den früheren britischen Premierminister Tony Blair als „Friedensbotschafter“
für das Quartett (USA, Rußland, UNO, EU) damit beauftragte, eine Einigung
zwischen Israelis und Palästinensern zu schaffen.
Einige US-Nachrichtendienstler warnen, diese Ernennung
treibe die Pläne für „verwaltetes Chaos“ weiter voran. Blair persönlich hatte
noch in seinen letzten Amtsstunden die neueste Runde im saudisch-britischen
Rüstungsgeschäft abgeschlossen. Ende 2006 ließ er Untersuchungen des britischen
Amts zur Bekämpfung schwerer Betrugsfälle (SFO) zum Fall Al-Jamamah einstellen,
weil sie angeblich die nationale Sicherheit gefährdeten.
Die Experten erklären, Blair wolle nun ein paar kleine
Fortschritte im israelisch-palästinensischen Friedensprozeß durchsetzen, aber
keine dauerhafte Lösung schaffen, die dem Konfliktgebiet echte Stabilität
brächte. Er werde sich mit der Washingtoner Kriegsfraktion um Cheney verbünden,
die gegen ein Friedensabkommen zwischen Israel und Syrien ist. Dabei wurden
bereits Einigungen über die Golanhöhen, die Aufteilung des Wassers vom See
Genezareth und allen anderen Hauptstreitfragen erzielt, und der israelische
Präsident Schimon Peres hat signalisiert, daß jetzt die Zeit für einen Frieden
mit Syrien reif ist.
Einen echten Frieden wolle London nicht, so einige
Beobachter. Aber mit einigen kleinen Fortschritten im Nahostkonflikt könnten
sich die Briten eher mit der Idee eines Krieges der USA gegen den Iran, wie ihn
Cheney anstrebt, anfreunden. Denn solange der Palästinakonflikt noch ein so
leidenschaftliches Thema für die arabischen und muslimischen Massen sei, würde
ein solcher Irankrieg wahrscheinlich ein unkontrolliertes Chaos auslösen, und
das wäre den Briten - zumindest vorerst - zuviel.
Die Regierung von Gordon Brown ist jetzt getrieben vom
Wissen der Londoner City, daß das von London kontrollierte Weltfinanzsystem der
Ära nach Bretton Woods zusammenbricht. In einem solchen Augenblick ist die
größte Angst der anglo-holländischen Oligarchie, daß die USA zu der zuletzt von
Franklin Roosevelt betriebenen Politik des Amerikanischen Systems zurückkehren.
Jedes neue Aufflammen dieses Impulses, wie es Lyndon LaRouche jetzt so vehement
betreibt, und jede russisch-amerikanische strategische Partnerschaft zur
Überwindung der Krise, wie sie Präsident Putin schon vorgeschlagen hat,
bedeutete für das anglo-holländische System das Ende.
Gegenwärtig ist Londons wichtigste Waffe gegen solche
Lösungen das „verwaltete Chaos“. Nur wenn man das versteht, lassen sich die
Vorgänge in Südwestasien erklären. Es nicht zu verstehen, kann einen sehr hohen
Preis kosten.
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