Dem britischen Ex-Premier Tony Blair ist offenbar so ziemlich alles recht, um seinen Traum doch noch zu erfüllen, Präsident einer imperialen EU zu werden. Seit er seine Amtsstube in der Downing Street verlassen hat, ist er bekanntlich zum Katholizismus übergetreten. Jetzt sprach er bei dem internationalen Freundschaftstreffen von Rimini, das jedes Jahr von der katholischen Bewegung Comunione e Liberazione veranstaltet wird, ein in der katholischen Welt sehr bekanntes Ereignis. Um eingeladen zu werden, soll Blair auf jegliches Honorar verzichtet haben. In seiner Rede versuchte er, die Zuhörerschaft durch sein Lob der jüngsten Enzyklika des Papstes einzulullen, und stellte die Rolle der katholischen Kirche als ebenfalls globale Kraft heraus, die unbedingt beim Kampf gegen die Klimaerwärmung mitmachen müsse. Wie ein Diplomat danach gegenüber Reuters sagte, sei es Blair vor allem darum gegangen, neue Allianzen für sein EU-Projekt zu schmieden.
Blair sieht sich offenbar auch als Reinkarnation des römischen Kaisers Julian Apostata. Dieser benutzte die Religionen, um die Untertanen seines Reiches zu kontrollieren. Im Mai 2008 hatte Blair mit großem Pomp im Gebäude von Time Warner in New York die Tony Blair Faith Foundation (TBFF) gegründet. Sie hat ihren Sitz in London und in Yale an der Divinity School, wo Blair einen Lehrstuhl innehat und über „Religion und Globalisierung" liest. Zu den Direktoren und Mitgliedern des religiösen Beirats der TBFF gehören:
* Lord Richard Chartres, der anglikanische Bischof von London, Mitglied des Kronrats und Dekan der Kapelle des königlichen Haushalts. Bischof Chartres ist seit 30 Jahren geistlicher Berater und enger Freund von Prinz Charles
* Dr. Ismael Khudr Al-Shatti, führende Figur der Moslem-Bruderschaft und Berater des Premierministers von Kuwait
* Rabbi David Rosen, Leiter der Anti-Defamation-League (ADL) in Israel
* Rick Warren, der fundamentalistische Pastor der Saddleback Kirche in Kalifornien, der bei der Zeremonie zur Inauguration Barack Obamas das Bittgebet sprach.
Am 27.8. behauptete Blair in seiner Rede beim Rimini International Friendship Meeting in Italien, die entscheidende Dynamik im Heiligen Land sei nicht das Streben nach Gerechtigkeit für die Palästinenser, sondern der Zwist der Religionen. „Es heißt, Religion habe nichts damit zu tun, doch wenn ich Jerusalem besuche – und ein guter Aspekt meiner Arbeit ist, daß ich oft im Heiligen Land bin – und aus meinem Fenster schaue, dann sage ich mir: Das ist doch absurd, natürlich geht es um Religion!"
Ob ausgerechnet ein Intrigant wie Tony Blair, der gemeinsam mit Dick Cheney die Lügenkampagnen für den Irakkrieg inszenierte, im Heiligen Land zum Frieden beiträgt, darf wohl aus moralischer Sicht stärkstens bezweifelt werden. Seine Aktivitäten eröffnen jedoch einen nützlichen Blick auf die altbekannte britisch-imperiale Methode, auf allen Seiten der Barrikaden präsent zu sein.