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Hessens Zukunft: ohne den Finanzplatz Frankfurt!

[i]Ein Beitrag von Alexander Hartmann, Landesvorsitzender und Spitzenkandidat der Bürgerrechtsbewegung Solidarität in Hessen[/i]

Das Land Hessen und die Stadt Frankfurt müssen sich dringend darüber Gedanken machen, wie ihre Zukunft ohne das aussehen soll, was man heutzutage als den „Finanzplatz Frankfurt“ bezeichnet. Denn eines ist klar: Wenn es nicht sofort zu einer echten Trennbankenreform kommt, in der eine strikte Trennung der Kundengelder und Kredite verwaltenden Geschäftsbanken von den mit „Wertpapieren“ spekulierenden Investmentbanken kommt, wird es schon sehr bald zu einem Finanzkollaps kommen, bei dem praktisch sämtliche Finanzinstitute ihre Türen schließen werden. Weder eine weitere Stützung der Banken durch die öffentlichen Haushalte, die sowieso nicht mehr finanzierbar ist, noch ein weiteres hyperinflationäres Gelddrucken noch ein Bail-in der Kundenguthaben kann daran irgendetwas ändern; bei allen drei Verfahren würde sich das Vermögen der Bevölkerung größtenteils in Luft auflösen.

Daß dann kaum noch jemand einen Vermögensverwalter bräuchte, wäre in diesem Fall noch das geringste Problem, denn es käme dann, wie in Zypern, zum völligen Zusammenbruch der Wirtschaft. Gerade in den Ballungsgebieten würde die Versorgung der Bevölkerung sehr wahrscheinlich kaum noch möglich sein.

Die einzige Überlebenschance für die Bevölkerung - und wenigstens für einen Teil der Finanzwelt, nämlich den, den die Bevölkerung und die produktive Wirtschaft tatsächlich brauchen - ist, durch ein Trennbankensystem eine Brandmauer zwischen den Spekulanten und den Kundengeldern zu errichten, sodaß letztere im Fall des Platzens der Spekulationsblasen geschützt sind und erhalten bleiben.

[h4]Industrien wieder aufbauen[/h4]

Aber auch, wenn diese Trennbankenreform rechtzeitig erfolgt, wird sich das Volumen der Finanzgeschäfte dramatisch reduzieren. Frankfurt steht also auch im besten Fall - einer vernünftigen Lösung der Finanzkrise durch ein striktes Trennbankensystem, das den weiteren Betrieb der Geschäftsbanken sicherstellen würde - ein Strukturwandel bevor, der mindestens so weitreichend sein wird wie der, den die EU in den letzten Jahrzehnten dem Ruhrgebiet aufgezwungen hat - nur nicht über einen Zeitraum von etlichenJahren gestreckt, sondern innerhalb weniger, dramatischer Wochen. Zehntausende Bankangestellte werden ihre bisherige Arbeit verlieren.

Das Gute daran ist, daß mit dem Verschwinden des Spekulationssystems das Haupthindernis für den Wiederaufbau der produzierenden Wirtschaft beseitigt ist. Dieser Wiederaufbau muß dann gezielt und mit Hochdruck vorangetrieben werden; wir brauchen also eine Strategie zur Wiederindustrialisierung. Die „68er“ haben sich ausgetobt, nun muß das Chaos aufgeräumt und das Zerstörte wieder aufgebaut werden. Frankfurt und Hessen müssen wieder Dinge produzieren, die die Menschen in aller Welt tatsächlich brauchen, und nicht bloß finanzielle Forderungen, die kein Mensch bezahlen kann.

Grob geschätzt, muß die Zahl der industriellen Arbeitsplätze schnellstmöglich auf mindestens das Zwei- bis Dreifache des jetzigen Standes vermehrt werden. Dies kann geschehen, indem man durch den gezielten Ausbau der Infrastruktur und den massiven Einsatz hochproduktiver Technologien mit hohen Energieflußdichten insbesondere in den jetzigen Krisenländern ein „neues Wirtschaftswunder“ in Gang setzt, was eine massive Nachfrage nach deutscher Technik auslösen wird. Das bedeutet, daß die Jugend von heute sich wieder auf Arbeit in den Naturwissenschaften, im Ingenieurwesen und als Facharbeiter in der produzierenden Wirtschaft ausrichten muß. Ein großer Teil der jetzigen „Schreibtischtäter“ wird umgeschult werden müssen, aber ein Teil der Bankangestellten wird wohl genug von Buchhaltung verstehen, um in dieser neuauflebenden Industrie eine entsprechende Stellung finden zu können.

[h4]Was tun mit „Mainhattan“?[/h4]

Aber nicht nur die Menschen brauchen eine neue Aufgabe, auch die Gebäude - allen voran sicher die Bürotürme der Banken, insbesondere der Deutschen Bank und der EZB. Sie werden zum großen Teil leer stehen, und vielleicht sogar einen negativen Buchwert haben, weil der Abriß mehr kosten würde als für das Grundstück dann noch geboten wird.

Unter diesen Umständen wird es lohnend sein, sich Gedanken über eine alternative Nutzung zu machen. Welche produktiven Möglichkeiten sind dafür denkbar? Welchen Aufgaben kann sich Frankfurt stellen, mit denen es einen positiven Beitrag zur Entwicklung der Welt leisten kann?

Nun, eine der wichtigsten Aufgaben, die die Welt in den kommenden Jahren bewältigen muß, ist die Verdoppelung der weltweiten Nahrungsmittelproduktion, um den Hunger aus der Welt zu schaffen. Entscheidend für den Erfolg dieser Bemühungen ist nicht in erster Linie die Ausweitung der Anbauflächen, sondern vor allem die Steigerung der Intensität der Landwirtschaft, und dazu braucht man nicht zuletzt Forschungseinrichtungen, die neue Anbaumethoden entwickeln.

Zu den intensivsten Anbaumethoden, die heutzutage bekannt sind, gehört u.a. die Aeroponik: Sie arbeitet ohne Erde, und produziert Pflanzen, indem sie ihnen alles, was sie brauchen, vollkommen kontrolliert und gesteuert zuführt: Wasser, Kohlendioxid, UV-Licht etc. Solche Produktionsmethoden können nicht nur in sehr trockenen Regionen große Dienste erweisen, sondern auch bei längerfristigen bemannte Missionen im Weltraum, beispielsweise für den Betrieb permanenter bemannter Stationen auf Mond oder Mars.

Eine solche Produktion wäre auch inmitten dichtbesiedelter Regionen denkbar - beispielsweise in einem ursprünglich als Bankhochhaus errichteten Gebäude. So könnte man im derzeit noch in Bau befindlichen Gebäude der EZB am Standort der früheren Großmarkthalle eine „Forschungs- und Entwicklungsanstalt für urbane Nahrungsmittelproduktion“ gründen, in der auf den 88 Stockwerken des Gebäudes modernste Methoden für den Anbau von Salat, Gemüse etc. entwickelt werden, die dann gleich im Erdgeschoß - der früheren Großmarkthalle Frankfurts - rund ums Jahr und täglich frisch vom erdlosen „Acker“ in den oberen Stockwerken zum Verkauf angeboten werden könnten.

Wer Zweifel hat, daß dies in dieser Form möglich wäre, sollte einmal die Polizei befragen, die es in letzter Zeit des öfteren mit „urbanen Pflanzenproduktionsanlagen“ zu tun hat - nämlich mit illegalen Marihuana-Plantagen, in denen unter vergleichbaren Bedingungen Rauschgift produziert wird. Aber man kann mit diesen Methoden offensichtlich auch viel sinnvollere Dinge erzeugen.

Dies ist natürlich nur eine von vielen Ideen, wie wir uns durch neue Ideen aus der Sackgasse herausarbeiten können, in die uns die Deregulierung der Finanzmärkte, der Euro und vor allem die nachindustrielle Utopie hineingebracht haben. Sie hätte den besonderen Charme, gerade jene Dinge, die ursprünglich dazu geschaffen wurden, um die Welt noch besser plündern zu können, in einer Weise in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen, die genau das Gegenteil bewirkt: Anstatt die Lebensbedingungen der Menschen durch die Zerstörung der Nahrungsmittelproduktion, der Gesundheitssysteme, der produzierenden Wirtschaft, der Renten und Pensionen etc. so sehr zu verschlechtern, daß ein Absturz der Weltbevölkerung von derzeit sieben auf eine Milliarde Menschen droht, wenn wir nicht sehr schnell vieles ändern, würden sie zum Instrument, die Weltbevölkerung auf neun, zwölf oder mehr Milliarden Menschen zu steigern.

Es kommt hier nicht auf die Details an, sondern auf die Denkweise. Um zu Überleben, müssen wir umdenken. Aber wenn wir es schaffen, unsere Denkweise zu ändern und von der menschenfeindlichen Ideologie von Adel, Banken und Grünen abzukommen, dann können wir nicht nur überleben, sondern ein neues Wirtschaftswunder einleiten.