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Hintergrund: Warum der Bankenstreßtest nichts taugt

Letzte Woche veröffentlichte die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Ergebnisse der diesjährigen Streßtests für 48 der größten Banken Europas. Sie kam zu dem Schluß, daß die europäischen Banken jetzt „widerstandsfähiger gegen finanzielle Schocks“ seien - angesichts der Dimension der Drivatblase ein schlechter Witz.

Natürlich konnte bei den Tests gar nichts anderes herauskommen, weil sie keine wirklichen Tests waren. Schon die Vorstellung, die Bankaufseher würden reale Daten veröffentlichen, wenn es Probleme im Bankensystem gibt, ist absurd, denn wenn der tatsächliche Zustand einer Bank, die nicht mehr solide ist, bekanntgegeben würde, würde dies mindestens zu einem Absturz der Aktien und vielleicht sogar zu einem Run der Anleger und Investoren auf die Bank führen. Die Tests wurden daher so ausgelegt, daß der Schock, den die Banken überstehen sollten, nur ein milder war, und noch wichtiger ist, daß die Aktiva der Banken völlig unrealistisch bewertet wurden.
Das von der EBA dargelegte Szenario lautete:

  • ein kumulierter Fall des BIP über 3 Jahre um 2,7%;
  • Anstieg der Arbeitslosigkeit bis 2020 auf 9,7%;
  • kumulierte Inflation über 3 Jahre erreicht 1,7%;
  • kumulierter Fall der Preise von Wohn- und Geschäftsimmobilien über 3 Jahre um 19,1% bzw. 20%.

Wie mild dieses Szenario ist, wird deutlich, wenn man es mit dem Schock vergleicht, den die Finanzkrise von 2008 ausgelöst hat, und der im folgenden Jahr auch die größten Volkswirtschaften der EU in die Knie zwang: Der Absturz des BIP war nicht 2,7%, sondern zweimal so groß - 5,6% in Deutschland, 5,5% in Italien, 4,4% in Großbritannien und 2,7% in Frankreich. Angesichts der Tatsache, daß der kommende Finanzschock, der sogar auf den Finanzmärkten für unvermeidlich gehalten wird, schlimmer sein wird als der von 2008, ist offensichtlich, was von dem Szenario der EBA zu halten ist.

Außerdem konzentrierte sich die EBA erneut auf das Kreditgeschäft der Banken, und sie unterschätzte die Finanzgeschäfte der Banken - insbesondere der systemrelevanten Banken, die dafür berüchtigt sind, daß ihre Finanzgeschäfte ihre Kreditgeschäfte bei weitem übersteigen.

Die EBA schätzt, daß die Banken im Fall einer „schweren Krise“ bis zu 358 Mrd. Euro Verlust im Kreditgeschäft machen könnten - d.h., viermal so viel wie im (spekulativen) Wertpapiergeschäft, wo die Verluste auf 94 Mrd. Euro geschätzt werden. Das ist lächerlich. Der Gesamtbetrag der notleidenden Kredite (NPL) in der EU beläuft sich auf etwa 1 Bio. Euro, im Vergleich zu einer Gesamtsumme der Level-2 und Level-3-Assets der Banken von 6,5 Bio. Euro. Level-3-Assets sind jedoch „toxische Werte“, die gar keinen Marktpreis haben, und daher mit Null bewertet werden und aus den Bilanzen gestrichen werden sollten.

Ein Drittel der NPL werden von italienischen Banken gehalten, während die Hälfte der Level-2- und Level-3-Assets von französischen und deutschen Banken gehalten werden. Indem sie sich auf das Kreditgeschäft konzentriert, stützt die EBA das Narrativ der Bankenrisiken in Italien, und sie lenkt von der Zeitbombe der Blase der Finanzderivate ab. Aber trotz dieser Haltung der EBA erhielten einige der größten nordeuropäischen Banken, wie Lloyds, Barclays und Deutsche Bank, die schlechtesten Noten.

Niemand braucht solche Streßtests, wenn lange klar ist, daß die Blasen dank Gelddrucken (quantitative easing) und Nullzinspolitik der Zentralbanken heute größer sind als vor der Finanzkrise 2007/2008. Um zu verhindern, daß die Bevölkerung beim kommenden Finanzkrach wieder die Zeche zahlen muß und das internationale Finanzsystem im Chaos versinkt, ist die Einführung des Trennbankensystems heute wichtiger denn je.