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Hochrangiger französischer Bankier fordert Aufspaltung der Universalbanken

Im scharfen Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen, die derzeit die vier in Frankreich ansässigen „systemischen“ globalen Bankengiganten (BNP-Paribas, SocGen, Crédit Agricole und Natixis) leiten, hat Bernard Esambert, der frühere Präsident der Compagnie Financiere Edmond de Rothschild, früherer Vizepräsident von Groupe Lagardère und Bolloré, sowie ex- Präsident der École Politechnique und des Pasteur-Instituts, in einem langen Interview am 14.1. (www.les-crises.fr) die Aufspaltung der Banken gefordert.

Esambert hatte sich als Industrie- und Wissenschaftsberater des damaligen französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou nachdrücklich für den geplanten Bau des Aérotrain - einer auf Luftkissen berührungslos gleisgeführten Hochgeschwindigkeitsbahn - eingesetzt, die der französische Ingenieur Jean Bertin entwickelt hatte. Das Projekt wurde vom Pompidous Finanzminister Giscard d’Estaing gestoppt, der 1973 auch die Kreditschöpfungs-Mechanismen des französischen Staates für die Realwirtschaft beendete.

Auf die Frage, ob die Banken nicht zu groß geworden seien, sagte Esambert, daß er nichts gegen große Banken habe, aber das sei „nicht notwendigerweise ein Argument gegen eine Trennung der Aktivitäten einer Investmentbank von denen einer Depositenbank [Geschäftsbank]“. Die Frage, ob das derzeitige „Modell“ der sogenannten „Universalbanken“ keine Gefahr für die Kunden sei, beantwortete Esambert: „Die Manager dieser Banken verbringen ihre Zeit damit, uns zu sagen, daß es hermetisch geschlossene Barrieren zwischen den Einlagen ihrer Kunden und ihren Investment-Aktivitäten gebe. Nun, wenn diese Barrieren so dicht sind, bedeutet das, daß man die Banken sehr leicht aufspalten könnte.“

Auf die Frage, was er von den Universalbanken halte, antwortete er: „Ich bin gegen sie, weil ich keinen Grund dafür sehen kann, warum jeder Teil der Bank (der Depositenteil und der Handelsteil) das Risiko von Operationen tragen soll, mit denen er nichts zu tun hat und die wichtige Störungen verursachen können. 2009 und 2008 hätten wir beinahe erlebt, daß die Menschen vor den Banken Schlangen bilden - wie es in Griechenland und England tatsächlich geschehen ist -, um in einem Notstand alles Geld abzuheben, was diese Menschen in den Banken hatten. Das sind Spektakel, die wir nicht noch einmal erleben wollen; auch wir haben es 1929 erlebt, und um das definitiv zu vermeiden, müssen wir diese beiden Kategorien wieder voneinander trennen.“

In Frankreich wurde die Debatte um das wirkliche Trennbankensystem, nämlich "Glass-Steagall", vom früheren Präsidentschaftskandidaten Jacques Cheminade und seiner Partei Solidarite et Progres in Gang gesetzt. Mehr dazu finden hier: http://www.bueso.de/node/6243