Die internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) veröffentlichte einen Bericht zu den japanischen Bemühungen, die Lage nach dem Fukushima-Unfall unter Kontrolle zu halten und die Sanierung zügig voranzubringen. Eine zwölfköpfige Expertengruppe gab den japanischen Behörden gute Noten für die Koordination von lokalen und übergeordneten Dienststellen, beim Planen der Dekontamination, bei der Überwachung der Strahlenwerte in einem großen Umkreis und dem Veröffentlichen ausführlicher Informationen. Aber sie drängte Japan auch, eine konzentriertere und realistischere Herangehensweise bei der Behandlung radioaktiver Belastungen im Gebiet um die schwer betroffenen Reaktoren in Fukushima Daiichi zu wählen. Die IAEA-Experten befürchten, so ein Bericht im Wall Street Journal, daß die japanische Regierung aufgrund der öffentlichen Forderung nach schnellster Dekontamination, ein realistisches Maß aus den Augen verlieren könnte.
„Wir ermuntern sie, ein übervorsichtiges Verhalten zu vermeiden, weil es nicht effektiv zur Verminderung der Strahlendosen beitragen würde“, erläuterten die Experten in dem Bericht. Das japanische Umweltministerium plant mehr als 2400 Quadratkilometer vorwiegend dünn besiedelten Waldgebietes zu dekontaminieren, um eine jährliche Belastungsgrenze von 5 Millisievert (mSv) zu erreichen. Die Regierung schätzt, dass dies mehr als eine Billionen Yen oder 13 Milliarden Dollar kosten würde. Aber verschiedenen Politikern, Medien und selbsternannte „Umweltschutzexperten“ drängen, die jährliche Belastungsgrenze sogar auf 1 MSv zu verringern. Das würde die Kosten mehr als verfünffachen, da mehr Bodenkrume in einem größeren Gebiet entfernt, transportiert und gelagert werden müßte, wobei die Endlagerstätten noch nicht einmal feststünden.
Die biologische Wirkung geringer Dosen radioaktiver Strahlung ist bisher nicht ausreichend geklärt und so sind Grenzwerte recht willkürlich auf sehr niedrigem Niveau festgelegt worden. Direkte aber heilbare Strahlenschäden treten ab etwa 1000 mSv bei einmaliger Ganzkörperbestrahlung auf. Die natürliche Hintergrundsstrahlung, die der Mensch ausgesetzt ist, variiert von wenigen mSv bis mehr als 200 mSv pro Jahr je nach Region. Eine Computertomographie kann zu einer Strahlendosis von bis zu 18 mSv führen. Der Grenzwert für Beschäftigte in Kernkraftwerken liegt in Deutschland bei 20 mSv pro Jahr und 250 mSv für Feuerwehr und Katastrophenschutz, wobei letzterer Wert nur einmal im Leben aufgenommen werden darf.
Und so forderten die IAEA-Experten Japan auf, sich ein realistisches Ziel zu setzen und Dekontaminationsmethoden zu übernehmen, die leichter durchzuführen sind. Kontaminierte Erdkrume könnte beispielsweise einfach untergegraben werden, anstatt sie insgesamt abzutragen. Direkter ausgedrückt, die IAEA drängt Japan, die Sicherheit seiner Bevölkerung zu gewährleisten, ohne sich von einer irrationalen Medienkampagne unter Druck setzen zu lassen.