Während die italienische Regierung versucht, die Ratifizierung des Lissaboner Vertrags noch im Juli durchzuziehen, meldet sich entschiedener Widerstand aus dem Umfeld von Premierminister Silvio Berlusconi. Die Tageszeitung Il Giornale, die Berlusconis Bruder gehört, veröffentlichte am 7. Juni einen Artikel der bekannten Anthropologin Ida Magli mit dem Titel „Warum Nein zum Lissaboner Vertrag? Er ist die absoluteste Form des Totalitarismus".
Frau Magli, die schon gegen den Maastricht-Vertrag gekämpft hatte, schrieb:
„Mit der Ratifizierung des sogenannten Lissaboner Vertrages wird der Existenz der italienischen Nation definitiv ein Ende gesetzt. Und Schritt für Schritt auch den übrigen Nationen. Wir sollten nicht überrascht sein über das Schweigen zu diesem wichtigsten Akt seit der Gründung des italienischen Königreichs 1870. Es ist ein Schweigen, das nicht nur die Herrschenden wollen, die von Anfang an überzeugt waren, daß die Bürger im Dunklen gelassen werden sollten, sondern auch die objektiven Schwierigkeiten der Journalisten, Informationen und mehr noch Erklärungen für ein Projekt zu liefern, das jedem Konzept von ,Politik‘ widerspricht.
Tatsächlich ist der Lissaboner Vertrag eine universelle ,Weltanschauung‘, eine dogmatische Theologie mit ihren praktischen Anwendungen, die absoluteste Form des Totalitarismus, die je zur Abstimmung stand. Wie könnten Journalisten in wenigen Worten Millionen Menschen Kants Metaphysik vermitteln? Und doch steckt fast der gesamte Kant, einschließlich seines Vorschlags für einen immerwährenden Frieden, in dem EU-Projekt. Aber da ist genausoviel Rousseau, eine Menge Voltaire, eine Menge Marx und das, was Tremonti als den ,Marketismus‘ bezeichnet, die Verabsolutierung des Marktes.
Die linguistische Verfälschung begleitete die europäische Operation von Anfang an. Was unterzeichnet wurde, ist überhaupt kein Vertrag, nicht einmal eine ,Verfassung‘, wie man es nannte, bevor sie durch Volksabstimmungen zurückgewiesen wurde. Es ist die Proklamation einer universellen Theologie, die in all ihren Details begleitet ist von Zwangsinstrumenten gegen Völker und gegen einzelne Personen. Europa geht den ersten schicksalträchtigen Schritt zur Erreichung des geplanten Ziels: zur Weltregierung."
Frau Magli zählt dann drei Hauptgründe für eine Ablehnung des Lissaboner Vertrages auf und schreibt dann: „Wir sind mit dem konfrontiert, was deutsche Dichter unter dem Nazismus als den ,allgemeinen Untergang des Geistes‘ bezeichneten. Die Nation aus Angst vor dem Nationalismus zu begraben, bedeutet, wieder einen solchen Untergang des Geistes zu provozieren. Es bedeutet letztendlich, daß Hitler gewonnen hat."