Auch in Indien setzt sich inzwischen die Erkenntnis durch, daß man in einer globalisierten Welt vor den Auswirkungen der Weltfinanzkrise nicht gefeit sei. Gleichzeitig fordert die Führung in Neu Delhi, an Verhandlungen über eine neue internationale Finanzarchitektur beteiligt zu werden.
Handelsminister Kamal Nath wurde jüngst in den indischen Medien zitiert, als er sich um Vertrauen in die heimische
Wirtschaft werbend an in- und ausländische Investoren wandte: „Die Weltwirtschaft, die europäische Wirtschaft, wo man hinschaut: Untergangsstimmung. Das trifft aber nicht auf die indische Wirtschaft zu." Er fügte jedoch hinzu, daß auch Indien auf lange Sicht die Auswirkungen der Krise zu spüren bekäme. „Wir brauchen heute eine neue Finanzordnung, bei der die Regeln für Banken und Finanzinstitute in jedem Land gleich sind." Indien werde sich in den Prozeß einbringen, zusammen mit Frankreich und der Europäischen Union an einer Lösung zu arbeiten.
In einem Interview mit Le Figaro, sagte der indische Premierminister Manmohan Singh, daß Indien „von den finanziellen Turbulenzen in den USA nicht unberührt" bleiben könne. Er führte aus, daß die Fähigkeit Indiens, die eigene Entwicklung zu finanzieren, beeinträchtigt werde und die Exporte zurückgingen, wenn große Wirtschaftsmächte in eine Rezession verfielen. Der Premierminister äußerte Bedenken, daß sich die Krise, die momentan die entwickelten Länder beträfe, auf den Rest der Welt ausweiten könnte und drückte seinen Wunsch aus, daß Indien und China Teil des Prozesses würden, eine Lösung
zu finden. „Wir leben in einer Welt gegenseitiger Abhängigkeit und das Schicksal aller Länder ist an das internationale Finanzsystem gebunden."
So gut wie behauptet wird, steht die indische Wirtschaft allerdings nicht da. Die Auswirkungen des Finanz-Tsunamis sind inzwischen auch hier zu spüren. Indiens Währung, die Rupie, ist am 1. Oktober auf ein Fünfjahrestief gegenüber dem Dollar gefallen. Auch wenn sie sich in Folge wieder leicht erholt hat, wird der Druck bleiben, da risikoscheue Investoren ihre Gelder zunehmend aus den „emerging markets" abziehen. Und Indiens Handelsbilanzdefizit hat sich im September im Vergleich zum
Vorjahresstand von 7,19Mrd. auf 13,94 Mrd. Dollar fast verdoppelt.
Ohne die Zusammenarbeit der vier bevölkerungsreichsten Mächte, China, Indien, USA und Rußland, wie sie seit geraumer Zeit von Lyndon LaRouche gefordert wird, ist eine konstruktive Lösung der Finanzkrise nicht möglich.