Inkompetente „Weltregierungs“-Phantasien

14.05.2009
Inkompetente „Weltregierungs“-Phantasien admin 14.05.2009

Die [Schweinegrippe-]Pandemie könne das schaffen, was die Finanzkrise nicht erreicht habe, nämlich eine Weltregierung, schrieb Jacques Attali, ehemals Berater von Francois Mitterand, in seiner Kolumne in der französischen Wochenzeitung L‘Express vom 3. Mai.

„Die Geschichte lehre, dass die Menschheit sich nur unter Todesangst bedeutsam weiterentwickle: Dann mobilisiert sie Abwehrmechanismen, manchmal unträgliche (Sündenböcke und totalitäre Systeme); manchmal sinnlose (Ablenkung); manchmal effiziente (therapeutische Maßnahmen, die letztendlich all die alten Moralvorstellungen über Bord werfen)."

Wenn die Krise überwunden wurde, werde die Menschheit diese Mechanismen verändern, "um sie mit der individuellen Freiheit vereinbar [!] zu machen". Die Pandemie könne so "eine restrukturierende Angst auslösen.“  

Selbst wenn es sich herausstellen sollte,  dass es sich um eine milde Pandemie handle, solle man eine "Weltpolizei“ schaffen, um Vorbeugungs- und Kontrollmechanismen sowie Verfahren zur gerechten Verteilung der Arzneimittel und Impfstoffe bereitzustellen. Man bräuchte "globale Vorräte" und "globale Steuern". Dann läßt er die Katze aus dem Sack:  "Man würde dadurch viel schneller als aus rein wirtschaftlichen Gründen, die Grundlagen für eine echte Weltregierung legen.”

Auch die Bilderberger, die sich gegenwärtig im griechischen Vouliagmeni trefen, machen sich offenbar Hoffnungen auf eine Weltregierung der Finanzoligarchie. Laut "Times" diskutieren sie bei ihrem Treffen das Thema "Depression". Es gehe um zwei Szenarien, so die Zeitung: entweder eine lang andauernde, schmerzhafte Depression, die die Welt für Jahrzehnte in Stagnation, Niedergang und Armut versetzt – oder eine intensivere, kürzere Depression, die den Weg freimacht für eine "neue tragfähige Weltwirtschaftsordnung – mit weniger Souveränität, aber mehr Effizienz"!

Die Wortwahl "tragfähig" legt die Vermutung nahe, daß sich das durchaus auch auf die Anzahl der Menschen beziehen kann, die eine kleine Finanzoligarchie unter Kollapsbedingungen als noch "ernährbar" betrachtet, und denen "effizient" dann die "verfügbaren Mittel" zugeteilt werden. Vor allem, wenn die wirkliche Lösung – nämlich ein geordnetes Konkursverfahren für das bankrotte Weltfinanzsystem und die Schaffung eines neuen Weltkreditsystems souveräner Nationen gar nicht erst auf der Tagesordnung erscheint.  

Die übewiegende Mehrheit der Weltbevölkerung hat aber ein Interesse, zu überleben. Deshalb wird es Zeit, daß sich die Staatsbürger aktivieren. Wie Abraham Lincoln sagte: "Man kann alle Leute einige Zeit für dumm verkaufen, einige auch die ganze Zeit, aber nicht alle Leute die ganze Zeit." 

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