Auf der Nordhalbkugel beginnt jetzt die Frühjahrsaussaat, und Lebensmittelexporteure wie die USA und China bekommen die weltweiten Störungen bei der Düngemittelversorgung zu spüren. Beide gehören zu den fünf größten Lebensmittel exportierenden Ländern. Weltweit kommt es zu Einschnitten bei der Produktion und dem Einsatz von Stickstoffdünger. So sank in Indien die Harnstoffproduktion in diesem Monat wegen Erdgasmangel um etwa 30 %.
Das Fachinstitut IFPRI hatte bereits am 6. März berichtet, welche Folgen der Krieg mit der Sperrung der Straße von Hormus hat: „Etwa 27 % der weltweiten Ölexporte, 20 % der globalen Flüssigerdgas-Exporte (LNG) und 20-30 % der weltweiten Düngemittelexporte, darunter Harnstoff, Ammoniak, Phosphate und Schwefel, passieren die Meerenge.“ Der Schiffsverkehr durch die Meerenge war zu dem Zeitpunkt bereits um 70 % zurückgegangen.
In den USA leiden die Landwirte schon seit mehreren Jahren unter sinkenden Erzeugerpreisen und höheren Kosten, nun sehen sie sich mit explodierenden Kraftstoff- und Düngemittelpreisen bis hin zu Versorgungsausfällen konfrontiert. Die weltweite Lage bei Düngemitteln sei schon vor dem Krieg „extrem angespannt“ gewesen, sagte Shawn Arita von der North Dakota State University. „Das passierte also zu einem sehr, sehr ungünstigen Zeitpunkt“, berichtete MS Now. „Selbst wenn die Meerenge morgen wieder geöffnet würde, so Arita, würden sich die Düngemittelpreise nicht so schnell von den anhaltenden Auswirkungen erholen…”
Der Präsident der North Dakota Farmers Union, Matt Perdue, sagte Anfang des Monats vor dem US-Senat aus: „Die Düngemittelkosten für einen Morgen Weizen machen etwa 40 % der Produktionskosten aus, und die steigen derzeit um 30 %. Das ist nicht rentabel. Das rechnet sich einfach nicht.“ Die Landwirte können in diesem Jahr nicht einmal mit einer kostendeckenden Ernte rechnen. Es wird von kurzfristigen Umstellungen berichtet, z.B. von Mais und Weizen auf Sojabohnen, die keinen Stickstoffdünger benötigen.
China drosselt jetzt seine Exporte, um die Ernährung im Inland zu sichern und den Binnenmarkt vor Preisschocks zu schützen. Bloomberg News berichtete, auch wenn die chinesischen Behörden es noch nicht offiziell angekündigt hätten, seien die Beschränkungen bereits in Kraft. Zusammen mit bereits geltenden Beschränkungen seien die Düngemittelexporte damit um die Hälfte bis drei Viertel verringert. Laut Reuters könnte dies bis zu 40 Millionen Tonnen an Produkten betreffen.