Der frühere italienische Wirtschafts-und Finanzminister und jetzige Senator Giulio Tremonti hat einen Gesetzesentwurf für ein „Glass-Steagall“-Trennbankengesetz am 28. Mai im italienischen Senat eingebracht. Er hat die Nr. 717 und trägt den Titel „Mandat der Regierung für eine Bankenreform durch die Trennung von produktivem Kredit und spekulativen Finanzaktivitäten“. Der volle Text ist noch nicht veröffentlicht, aber dem Vernehmen nach ist er mit der Vorlage identisch, die Tremonti bereits im Juni letzten Jahres vor den italienischen Wahlen als Gesetzesvorlage in die Deputiertenkammer eingebracht hatte.
In dem damaligen Gesetzestext hieß es u.a., man müsse das „Modell der sogenannten ‚Universalbank‘ aufgeben, das die DNA systemrelevanter Banken darstellt, und das zum Sprungbrett für die disaströse globale Megabank geworden ist. Dafür ist erforderlich, eine neue, modernisierte Version des Glass-Steagall-Gesetzes von 1933 einzuführen. Kurz, es ist heute wie damals notwendig, eine Brandmauer zwischen normalen Banken und Zockerbanken zu errichten, so daß reguläre Banken nicht länger ihre Einlagen an die Casinobanken verleihen oder ihre strukturierten Produkte kaufen können.“ Die Deregulierungsgesetze der 90er Jahre, die fast überall eingeführt wurden, müßten sofort zurückgenommen werden.
In seinem neuen Buch Uscita di sicurezza („Notausgang“) macht Giulio Tremonti sehr deutlich, wohin es ansonsten führt, wenn das bankrotte Finanzempire immer weiter gerettet wird. Er schreibt: „Was wir bis heute in Europa und in einigen Staaten gesehen haben, ist nur der Anfang von etwas, das, wenn wir es nicht erkennen und wenn wir uns ihm nicht widersetzen, sich zu einer wachsenden Machtübertragung außerhalb der republikanischen Demokratie entwickeln wird, in ein ungeschriebenes – es braucht in der Tat gar nicht mehr geschrieben zu werden – Ermächtigungsgesetz. Das Gesetz für vollständige Notstandsgewalt, das von Carl Schmitt inspiriert wurde, und mit diesem Notstand – ich wiederhole – [ist] eine neue Form des Faschismus: Finanzfaschismus, weißer Faschismus.“