Italiens ehemaliger Finanzminister Tremonti: Wir brauchen ein neues Bretton-Woods

10.03.2008
Italiens ehemaliger Finanzminister Tremonti: Wir brauchen ein neues Bretton-Woods admin 10.03.2008

In der TV Show Raidue Annozero vom 6. März wurde der ehemalige
Finanzminister Italiens, Giulio Tremonti zu seinem neu erschienen Buch "Angst und Hoffnung" interviewet
und schockte die politische Welt Italiens mit einer starken Attacke gegen die
Globalisierung und einem Aufruf für ein neues Bretton-Woods-System. Tremonti, derzeitig stellvertretender Vorsitzender der Abgeordnetenkammer und möglicher neuer Finanzminister, falls Berlusconis Wahlbündnis die
kommenden Wahlen gewinnen sollte, sagte unter anderem:

"…sehen Sie, ich habe ein paar Berechnungen angestellt. Das ist keine
einfache Inflation: Das ist der massive Anstieg der Lebenshaltungskosten. In einem Jahr
wurden den italienischen Familien 10 Milliarden Euro mehr aus der Taschen gezogen, weil sich der tägliche Bedarf verteuerte, sich die monatlichen Rechnungen und generell die Lebenshaltungskosten stark erhöhten. Und bedenken Sie, daß diese 10 Milliarden von denen gezahlt wurde die am wenigsten
haben, nicht von denen die sowieso mehr haben und sich für so etwas überhaupt
nicht interessieren."

"1995 schrieb ich ein Buch mit dem Titel: Das Gespenst der Armut. Diese ist jetzt
angekommen, und damit gleichzeitig das Gespenst
der schlimmsten Armut, der geistigen Armut. Man glaubt an gar nichts mehr. Man
verschachert die Tradition für eine Zukunft die keine Zukunft ist… all das
habe ich in meinem Buch beschrieben.

Damit will ich sagen: um Hoffnung zu bekommen muss man die Herkunft und den
Grund der Angst verstehen. Und ich denke, daß wir hier von Italien und auch vom Westen aus beginnen müssen, solche Fragen zu stellen.

Eine letzte Sache muss ich noch sagen: Als die Amerikaner 1945 kamen und Penicillin
brachten, ging es vielen Kranken gleich besser. Heute, kann man mit Penicillin nicht mehr viel
machen, heute braucht man Antibiotika. All diese Erleuchteten in
der Wirtschaft, versuchen die derzeitige Krise – die immer schlimmer wird und
ansteckend ist – mit den alten Instrumenten zu behandeln. Mit Zinssenkungen, Geldinjektionen. Aber der Organismus reagiert nicht mehr: Im Gegenteil, es wird
schlimmer. Die Welt hat sich verändert, und der Umgang mit der Welt muss sich
verändern.

Wir denken da an ein paar Sachen für Italien, aber wenn das Desaster global ist,
dann kann die Politik nicht mehr lokal bleiben. Wir denken an eine neue
Abmachung zwischen großen Ländern in der Welt. Bretton Woods war 1944. So etwas muß
wieder geschehen: Wir brauchen ein neues Bretton Woods."

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