IWF-Chefökonom Olivier Blanchard rief in einem Interview mit der französischen Zeitung L’Express vom 23.09. wiederholt dazu, jetzt Einschnitte im Gesundheitswesen und bei der Altersvorsorge zu treffen. Dies sei notwendig, so Blanchard, damit die Defizite nicht zu stark anwachsen! Falls sich die Regierungen nicht daran hielten, würden die Kapitalmärkte ihnen nicht mehr das notwendige Geld leihen. Blanchard verhehlte nicht, dass der jetzige Aufschwung nur „technisch“ und diese „Erscheinung vorübergehend“ sei. Die Wirkung der Rettungspakete „würde nur bis zum ersten Quartal nächsten Jahres spürbar sein um dann nachlassen.“
Blanchard forderte deshalb, dass die "Stimulierungs"-programme nun weitergehen müssten. Die Gefahr, die von den Kosten im Gesundheitswesen ausginge, sei viel größer. "Reformen" seien absolut notwendig, da sonst die Märkte das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit der Staaten verlören. Dies bedeute für Frankreich das Anheben des Rentenalters und in den USA die Reform in der Krankenversicherung. Der IWF-Chefökonom hat damit die Linie vorgegeben, die auch beim G20-Treffen verabschiedet wurde.
Solange man nicht bereit ist, den Giftmüll abzuschreiben, und diesen immer weiter in den Büchern (ob in Bad Banks oder sonstwie) behält, müssen die Steuerzahler bezahlen. Die Hyperinflation, die zur Rettungs des spekulativen Kasinos in Gang gesetzt wurde, trifft zusammen mit einem gigantischen Kollaps der Realwirtschaft, dem Einkommen der Bevölkerung und der Steuereinnahmen. Die Logik in diesem System führt geradewegs zu faschistischer Austerität. Daß Bundeskanzlerin Merkel erklärt, nach Pittsburgh werde es keine Erpressung von Nationen durch Banken mehr geben, könnte der Realität nicht ferner sein.
Die Alternative? Nach einem sofortigen(!) geordneten Konkursverfahren für das bankrotte Bankensystem brauchen wir ein neues Bretton Woods-Kreditsystem souveräner Nationen, in dem direkt produktiver Staatskredit für Infrastruktur und Produktion zur Verfügung gestellt wird. Es gibt überhaupt keinen einzigen vernünftigen Grund, warum private, weithin bankrotte Finanzinteressen, die ohnehin das Geld zu ihrer Rettung gerade von Regierungen/Steuerzahlern und Zentalbanken erhalten haben, dann mörderische Bedingungen stellen können sollen, unter denen sie überhaupt Staatsanleihen aufkaufen! Diese Erpressung muss aufhören, und zwar jetzt!