Im Kongreß unterzeichneten zwei weitere Demokraten – Dennis Kucinich/Ohio und Peter Visclosky/Indiana – den Antrag zur Wiedereinführung des Glass-Steagall-Gesetzes (H.R. 1489), das die Abgeordnete Marcy Kaptur eingebracht hatte. Insgesamt sind es somit jetzt 16 Unterzeichner. Man erwartet, daß demnächst auch im Senat ein vergleichbarer Antrag eingebracht wird.
Am 14.6. hatte der Landeskonvent des Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO in New Jersey für eine Resolution zur Unterstützung von H.R. 1489, einstimmig verabschiedet und darauf hingewiesen, daß auch die nationale Organisation der AFL-CIO das Gesetz unterstützt. Am selben Tag beschloß der Stadtrat von Elizabeth, der viertgrößten Stadt von New Jersey mit einem der größten Industriehäfen der USA eine Resolution, in der der Kongress aufgefordert wird, das Gesetz umgehend zu verabschieden. Auch die Stadträte von Newton und Irvington – ebenfalls New Jersey – haben ähnliche Aufrufe verabschiedet.
Eine wichtige Intervention für Glass-Steagall kam auch von Michael W. Sperry, der in seiner 35jährigen Karriere die Kreditabteilungen mehrerer Banken leitete und nun einen Offenen Brief an Amerikas Bankiers veröffentlichte, in dem er sie aufforderte, sich daran zu erinnern, daß das Geld, das die Banken schöpfen, „nur ein Werkzeug sein sollte zur Realisierung unserer nationalen Ziele". Er forderte Unterstützung für die Wiedereinführung von Glass-Steagall.
Währenddessen wies Neil Barofksy, früher Generalinspekteur des ursprünglichen Bankenrettungsprogramms TARP, in mehreren Interviews darauf hin, daß die Banken, die schon 2008 „zu groß zum Scheitern" waren, bis heute sogar noch um 20% gewachsen seien. Das nächste Bankrenrettungspaket könne den Steuerzahler nach Einschätzung von Standard & Poor’s bis zu 5 Bio.$ an Vorschußgeldern kosten. Barofsky sagte seinen entsetzten Gesprächspartnern: „Sie sollten tatsächlich Angst haben – ich habe jedenfalls Angst. Man kann gar nicht anders als Angst haben. Man kann nicht betrachten, was im Vorfeld von 2008 geschah, und behaupten, daß es sich nicht wiederholen würde, angesichts all dessen, was wir getan haben." Das von der Regierung Obama übernommene Programm zum Umgang mit der Hypothekenkrise bezeichete Barofksy als "Fehlschlag".
Auch die Vorsitzende der Bundeseinlagenversicherung FDIC, Sheila Bair, wies in einer Aussage vor dem Finanzdienstleistungsausschuß des Repräsentantenhauses am 16.6. auf den Umfang der Programme der Federal Reserve, der FDIC und des Finanzministeriums zur Unterstützung des Finanzsektors hin – „mehr als 14 Billionen Dollar". Bair warnte auch vor den "beunruhigend" hohen Risiken für die europäischen Bankensysteme, wenn die europäischen Regierungen weitere Bankenrettungsprogramme beschließen.