Inmitten eines Wirtschaftsdesasters und enormer schwarzer Propaganda gegen Kernenergie gibt es in Irland eine starke Bewegung für den Bau des ersten AKWs in Irland. Irland verfügt bisher über keine Kernkraftwerke und hat Gesetze gegen Kernenergie verabschiedet. Die Organisation der Arbeitgebervereinigung IBEC, der Irish Congress of Trade Unions und die Irish Academy of Engineers haben sich in Berichten für die Entwicklung der Kernenergie in Irland ausgesprochen.
Am 29. März schrieben zwei Befürwörter der Kernenergie, David Sowby und Frank Turvey, in der Irish Times, die Lektion aus Japan hiesse: „ Kernenergie ist immer noch die beste Lösung für Irlands Energieverbrauch. … Seitdem der Mensch zum erstenmal Feuer entzündete, hat die Menschheit versucht, Naturgewalten so zu nutzen, wobei neben den Vorteilen immer auch Risiken dabei entstanden. Mit dem Fortschritt menschlicher Zivilisation gewannen die Vorteile jeder Verbesserung immer mehr Bedeutung, während auch die Risiken stiegen. Aber von den Explosionen von Dampfkesseln im 19. Jahrhundert, bis hin zu Staudammbrüchen, Unfällen im Bergbau und Ölleckdesastern, Zug- und Flugzeugunglücken, Bhopal und Chernobyl, war die Antwort der Menschheit darauf nie und nimmer, eine Technologie aufzugeben, sondern die Lehren daraus zu ziehen, um in Zukunft die Vorteile sicherer nutzbar zu machen."
Die beiden Wissenschaftler weisen auf die Tatsache hin, dass es zwei Typen von Siedewasserreaktoren in Fukushima gibt, wovon nur 4 von 6 der Daiichi-AKWs aus den 70er Jahren schwer beschädigt worden sind. Diejenigen in Daini, „die zehn Jahre jünger sind, schalteten sich automatisch nach dem Erdbeben ab und sind heil geblieben. Dies zeigt eine beachtliche Entwicklung in der Reaktortechnologie innerhalb des kurzen Zeitraums von zehn Jahren. In der Tat wurden seit den 80’ern weitere große Fortschritte gemacht, mit dem Ergebniss, dass die AKWs von heute und morgen viel sicherer als ihre Vorgänger werden." Sie weisen auch darauf hin, dass Erdbeben und Tsunami mehr als 10 000 Tote und andere große Schäden in Japan verursachten, während die „Nuklearkrise zwar ernsthafte, aber vergleichbar geringe Konsequenzen für die Bevölkerung" hat.
Es müßten offensichtliche Lehren daraus gezogen werden. „Zukünftige Pläne für solche Kraftwerken müssen dafür ausgelegt sein, daß sie einen Tsunami dieser Größenordnung überleben können. Es sieht so aus, als seien die KKW’s in Daini so entworfen worden." Beide Wissenschaftler schließen mit einem Aufruf an die neue irische Regierung, so früh wie möglich das Potential und die praktische Anwendbarkeit der Kernenergie für Irland zu prüfen.
Sowby ist Physiker, der im Bereich Strahlenschutz spezialisiert ist. Er war naturwissenschaftlicher Geschäftsführer der Internationalen Kommission für Strahlenschutz (ICRP). Frank Turvey ist Mitglied des Instituts fur Nuklearingenieure und ein ehemaliges Mitglied des Instituts für Strahlenschutz in Irland. Beide gehören der Organisation für nukleare Befürworter – Better Environment with Nuclear Energy (BENE) an, die zusammen mit anderen Gruppe jetzt eine Kampagne für Kernenergie in Gang gesetzt hat.