Laut der französischen Presseagentur Agence France Presse trafen sich beim jüngsten EU-Gipfel die Premierminister von Estland, Lettland, Litauen und Polen, und entschieden, daß sie kooperieren werden, um ein Kernkraftwerk in Litauen zu errichten.
Das neue Kernkraftwerk wird voraussichtlich 2015 ans Netz gehen. Es soll die beiden Reaktoren der Ignalina-Anlage vom Tschernobyl-Typ RBMK ersetzen, die Litauen zugesichert hat, bis 2010 vom Netz zu nehmen. Die Erklärung über das Bauvorhaben soll am 6. Juli in Vilnius unterzeichnet werden, wenn alle vier Premierminister den Jahrestag der Unabhängigkeit Litauens feiern, sagte der Sprecher des litauischen Premierministers, Gediminas Kirkilas, der französischen Nachrichtenagentur.
Die zwei Einheiten der Ignalina-Anlage wurden 1983 und 1987 in Betrieb genommen. Obwohl die Kraftwerke einwandfrei liefen, wurde die Entscheidung getroffen, sie stillzulegen, weil die nach russischen Vorbild geschaffenen RBMK-Typen keine Sicherheitshülle haben, die ein Kennzeichen moderner Reaktoren ist. Im Falle eines Unfalls verhindert die Sicherheitshülle ein mögliches Entweichen von radioaktivem Material. Die baltischen Staaten und Polen, die in der Energieversorgung stark von Rußland abhängig sind, haben sich zu diesem Projekt zusammengetan, da sie den Einsatz von Kernkraft als einen Weg sehen, die Energieunabhängigkeit zu steigern.