Am Weltkindertag, dem 20.9., veranstaltete die Initiative „Musik für Menschlichkeit” Flashmobs mit klassischer Musik in Berlin und Rostock mit Musikern aus Philharmonieorchestern und Opernhäusern. Zu ihren Slogans gehörten „Wenn die Menschlichkeit verletzt wird, darf die Kunst nicht schweigen!” und „Musik gegen das Schweigen”.
Schirmherr der Berliner Veranstaltung war Michael Barenboim, klassischer Violinist und Bratschist. Er ist Konzertmeister des von seinem Vater, Daniel Barenboim, gegründeten West-Eastern Divan Orchestra, Professor für Ensemblespiel und Violine an der Barenboim-Said-Akademie und war von 2020 bis 2024 deren Dekan. Im Deutschlandfunk antwortete er auf die Frage, warum der Flashmob melancholische Musik wie Beethovens 7. Sinfonie und Mozarts Lacrimosa spielte, dies solle die tragische Situation in Gaza zum Ausdruck bringen. Man spiele aber auch arabische Musik und Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8, das gegen den Faschismus geschrieben wurde.
Als die Moderatorin Barenboim fragte, ob er sich nicht über die Zunahme von Antisemitismus sorge, antwortete er, wenn sie glaube, das Problem habe erst am 7. Oktober 2023 begonnen, dann müsse sie in den letzten 77 Jahren geschlafen haben oder zumindest bewußt über die vollständige Blockade des Gazastreifens seit 2006 schweigen. Seit zwei Jahren sei klar, daß Israel einen Völkermord begeht, und die 153 Unterzeichnerländer der Völkermordkonvention seien verpflichtet, einen Völkermord zu stoppen, egal in wessen Namen er begangen wird. Er ist auch Mitinitiator der Kundgebung „All Eyes on Gaza - Stoppt den Genozid” am 27.9. in Berlin.
In Israel hat sich ein bekannter Dirigent, Ilan Volkov, den Protesten angeschlossen. Am 19.9. wurde er bei einer Demonstration nahe der Grenze zu Gaza festgenommen. Die Aktivisten, meist israelische Juden, fordern die Weltgemeinschaft auf, einen Boykott zu verhängen und Israel zu isolieren. Letzte Woche hatte Volkov ein Konzert des BBC Scottish Symphony Orchestra mit einem leidenschaftlichen Appell an das Publikum beendet, „alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, um diesen Wahnsinn zu stoppen. Jede noch so kleine Aktion zählt, wenn die Regierungen zögern und abwarten.“
Anfang des Monats verurteilten mehr als 700 Musiker aus aller Welt in einem Appell „die Unterstützung der westlichen Mächte für die Völkermordpolitik des Staates Israel, der sich völlig ungestraft über das Völkerrecht und seine Institutionen hinwegsetzt“. Sie fordern alle klassischen Musiker auf, ihre Position zum anhaltenden Völkermord in Gaza klarzustellen. Michael Barenboim gehört zu den Unterzeichnern.
In Italien organisiert eine Bewegung namens „Musik gegen das Schweigen“ seit Juni Solidaritätsveranstaltungen mit den Palästinensern, sie arbeitet mit Musik für Menschlichkeit zusammen. Die Initiative erkärt, Musik „ist nicht nur Unterhaltung, sondern ein Mittel für die tiefsten menschlichen Werte“. Sie regen an, im September geeignete Musikstücke zu spielen, wie das „Lacrimosa“ aus Mozarts Requiem und eine Bearbeitung des „Andante con moto“ aus Schuberts Trio op. 100.
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