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Kollaps im griechischen Gesundheitssystem bedroht Europa mit Pandemien

Marc Sprenger, Leiter des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) warnte am 6.12. nach einem zweitägigen Besuch in Giechenland, der Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung und sogar der grundlegenden Hygiene in Griechenland könne in ganz Europa Pandemien in Gang setzen.

„Mit immer weniger Ärzten und Krankenschwestern, die immer mehr Patienten versorgen, mit Krankenhäusern, denen das Geld für Zubehör ausgeht, setzt man sich schon in Bezug auf grundlegende Hygiene Risiken aus,“ sagte Sprenger. Er hatte in Athen Krankenhäuser und andere Gesundheitsfürsorgeeinrichtungen besucht und berichtete: „Ich habe Orte gesehen, …. wo die Finanzlage nicht einmal für grundlegende Anforderungen wie Handschuhe, Kittel und Desinfektionstücher ausreicht.“ Es sei zwar bekannt gewesen, daß es in Griechenland eine "sehr schlechte Lage" in Bezug auf antibiotika-resistente Infektionen gibt. "Nach unserem Besuch von Krankenhäusern hier bin ich nun wirklich überzeugt: Wir stehen eine Minute vor Mitternacht in diesem Kampf,“ sagte er gegenüber Reuters. Diese Situation habe zur Folge, daß Patienten mit hochinfektiösen Erkrankungen wie Tuberkulose nicht die notwendige Behandlung bekommen und so das Risiko für die Ausbreitung resistenter Viren in Europa steigt.

Griechenland wendet elf Milliarden Euro pro Jahr für sein Gesundheitssystem auf – das entspricht nur etwas über 5% seiner Gesamtwirtschaftsleistung. Die Regierung sagt, das System stecke mit rund zwei Milliarden Euro in den roten Zahlen und die Ausgaben müssten drastisch gesenkt werden. Viele Angestellte im Gesundheitssystem haben ihre Arbeit verloren; andere werden schon seit Monaten nicht richtig ausgezahlt. Auf einem Spruchband, das von Ärzten außen an das Evangelismos-Krankenhaus gehängt wurde, hieß es einfach: „Das Gesundheitssystem ist am bluten.“

Ärzte von Griechenlands 133 öffentlichen Krankenhäusern beklagen sich über den Mangel an Personal sowie Grundausstattung – z.B. Wattebäusche, Katheter, Handschuhe und Papierunterlagen zur Bedeckung von Untersuchungsbetten. Wegen der Personaleinsparungen warteten laut Berichten von Ärzten nicht weniger als 90 bis 100 Patienten pro Tag in den Krankenhausfluren teil erfolglos auf eine Behandlung.

Auch lebenswichtige Medikamente werden wegen den Auswirkungen der EU-Sparpolitik nicht mehr geliefert. Die Firma Merck KGaA aus Deutschland hatte z.B. im November angekündigt, daß sie nicht länger ihre Krebsarznei „Erbitux“ an griechische Krankenhäuser liefert. Biotest, ein Unternehmen, das aus Blutplasma Mittel zur Behandlung von Hämophilie und Tetanus gewinnt, hatte seine Lieferungen wegen unbezahlter Rechnungen schon im Juni eingestellt.