Alexander Hartmann
Jakob Augstein hat in seiner SpiegelOnline-Kolumne „Krieg aus Versehen” vom 28. April ein Szenario entwickelt, wie sich aus der Krise in der Ukraine ein militärischer Konflikt entwickeln könnte:
„In der Ostukraine nimmt ein Warlord eine Gruppe westlicher Beobachter gefangen. Das Schicksal der Männer bleibt ungewiß. Rußland entgleitet die Kontrolle über die Geiselnehmer. Aber der Westen glaubt Putin nicht. Die NATO entscheidet sich zum Eingreifen. Die Separatisten rufen Rußland zu Hilfe. Was im Kalten Krieg vermieden werden konnte, wird Wirklichkeit: Gefechte zwischen NATO-Truppen und russischen Streitkräften. In Estland revoltiert die russische Bevölkerung. Bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften kommt es zu Toten. Die Russen setzen über die Narwa. Die Regierung in Tallinn ruft den Bündnisfall aus. Ein Zurückweichen gibt es für keine Seite mehr. US-Präsident Obama und Putin haben nur noch ein Ziel: das Gesicht zu wahren. Um der technologischen Überlegenheit der NATO zu begegnen, setzen die Russen taktische Atomwaffen ein.”
Augstein kommentiert dieses Szenario: „Wer das für abwegig hält, sollte bedenken: Der erste Teil dieses Szenarios ist bereits eingetreten.” Augstein wundert sich: „Die USA haben Putins Fehdehandschuh erstaunlich bereitwillig aufgenommen”, und er macht dafür die innenpolitische Lage in den USA verantwortlich.